Eine junge Frau wird von einem komplett geisteskranken Serienkiller in dessen versiffte Behausung entführt. Dort wird sie fast pausenlos vergewaltigt, erniedrigt und einmal sogar verstümmelt und wird über Tage und Wochen hinweg langsam in die verdrehte Geisteswelt des Psychopathen eingeführt. Der junge Mann wurde als kleiner Junge nämlich von einer Aufsichtsperson sexuell misshandelt und lässt diesen Frust und dieses Trauma nun an jungen Frauen aus, die er über längere Zeiträume malträtiert und beim Sex fotografiert, bis sie irgendwann jämmerlich sterben. Bis dahin müssen sie in einem makaberen Notizblock Tagebuch führen über ihr schreckliches Schicksal (daher der Titel). Die junge Frau ist anfangs natürlich absolut eingeschüchtert wegen all der Leichen, dem Blut, den Fäkalien und den Torturen. Auch ihr Fluchtversuch (der Killer haust auf einer abgelegenen Farm) wird brutal gestoppt und die Strafe folgt buchstäblich auf dem Fuße. Aber dann fasst sie all ihren Mut zusammen und versucht, den Mörder, der ständig zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen schwankt, durch ihre Tagebucheintragungen allmählich zu manipulieren und ihn dadurch Fehler machen zu lassen…
Ganz harter Tobak. Viele Zuschauer werden spätestens nach der ersten halben Stunde wahrscheinlich angewidert ausschalten, da sie mit den beinharten und minutenlangen Vergewaltigungen nicht klar kommen. Doch dieser „dreckige“ Film hat viel mehr zu bieten als nur grausamen Sex und Terror ohne Ende, denn er ist auch ein unglaublich intensives und beklemmendes Zwei-Personen-Kammerspiel (über 90 Prozent spielen sich in zwei Räumen ab; in einem Raum haust der Killer und begafft sein Notizbuch, in dem anderen wimmert die Frau vor sich hin) mit einer nicht zu unterschätzenden psychologischen Komponente. Die beiden Darsteller liefern nahezu unglaubliche Leistungen in ihren Rollen ab. Die Frau ist kein attraktives Hollywoodmädel sondern eine realistische Person, unattraktiv, mit kurzem Bürstenschnitt, in allen Belangen durchschnittlich und daher mit ihrem Leidensweg für den Zuschauer so leicht als Identifikationsfigur tauglich. Der Mörder ist ein von Selbstzweifeln zerfressener junger Mann, der zur rechten Zeit Hilfe gebraucht hätte und nun in seinen Räumen seinen Obsessionen freien Lauf lässt. Das Heim des Killers ist mit Nacktfotos, Dreck und Blutflecken übersät, dass einem ständig der Ekel packt. Die Darsteller und der Handlungsort ergeben zusammen mit den realistischen Gewalteskapaden (richtigen Comicbuch-Gore mit grellen Bluteinlagen gibt es nicht, die Opfer werden auf realistische Weise verwundet und dürfen dann über Minuten hinweg schreien, heulen und leiden) ein Bild einer Verbrechensserie, wie sie in unserer Welt tatsächlich schon häufig vorgekommen ist. Der Mörder erinnert mit seinem Fototick, seiner vergammelten Bude und seinen Fesselspielen allzu zu deutlich an reale Vorbilder wie etwa Jeffrey Dahmer (der ebenfalls als Junge misshandelt wurde), was besonders in einer Szene, wo er die Frau in eine kleine Plastiktonne einsperrt, mehr als offensichtlich wird. Hinzu kommt noch ein absolut ätzender Score, dass einem die Nackenhaare aufrecht stehen. Um dieses Werk aber angemessen betrachten und bewerten zu können, dürfen einem die Heimvideooptik ebenso wenig stören wie die langen und wortkargen Szenen in den ständig gleichen Räumen. Wer auf beklemmende und realistische Storys über glaubwürdige Serienmörder oder True Crime steht (so wie HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER), der liegt hier goldrichtig, da SCRAPBOOK in dieser Hinsicht noch viel weiter geht. Auch Fans von TCM oder MUTTERTAG werden sich hier eventuell wegen einiger Elemente zuhause fühlen. Wer aber polierte Hochglanzpsychothriller mit Stars bevorzugt, der wird mit diesem Schmuddelschocker nichts anfangen können. Depressiv ist dieser Streifen in jedem Fall, Entertainment gibt es hier nicht. Kein Film für zwischendurch.
Einziger echter Minuspunkt ist meiner Ansicht nach das „Finale“, welches die Rollen ein wenig zu banal und simpel vertauscht und daher nicht so glaubwürdig daherkommt wie der Rest des Films, aber insgesamt ist dies ein konsequent grausamer, düsterer und nihilistischer Serienmörderfilm, der mit weniger Schmutz und mehr Budget vielleicht nicht mehr funktioniert hätte. Ich war jedenfalls geschockt, erstaunt und begeistert zugleich.
8 von 10.