Friend atmet in jeder erdenklichen Sequenz den Atem des ganz Großen. Er hat Szenen, die danach schreien, als einzelne für sich betrachtete Szene als ganz großes Gemälde angesehen zu werden. Er hat eine uralte Geschichte, die man immer wieder neu drehen und genießen kann. Er hat Darsteller, die das meiste aus ihrer Rolle hervorholen. Im Prinzip ist Friend - so wei er aufgemacht ist - dazu verurteilt, ganz ganz großes Kino zu werden....
In seiner Heimat war Friend einer der größten Hits seines Produktionsjahres und zog eine nationale Debatte über Loyalität und Freundschaft nach sich.
An sich ist das schon nachvollziehbar, denn der Film spricht sein Publikum immer wieder mit variierenden Antworten bezüglich der Frage : "Was ist Freundschfat?" an.
Mittlerweile ein kleiner Klassiker des südkoreanischen Kinos, der ganz klar auf den Spuren eines "Es war einmal in Amerika" oder eines "Good Fellas" wandelt, ist Friend dennoch eigenständig genug, dass man ihn auf jeden Fall Südkorea zuordnen kann.
Viele neuere Filme als Friend orientieren mehr als deutlich an Themen, die Friend nur am Rande anschneidet, da Friend sich als Epos verstehen will: So kann beispielweise "Spirit of Jeet Kune Do" (Hierzulande als Once Upon a Time in Highschool rausgekommen) diese Themen aufgreifen, imitieren und für sich als Film mehr als nur genügend verwerten. Auch "Straßen der Gewalt" bedient sich gewisser Elemente als Friend, und kommt ebenfalls sehr sauber davon.
So wird es mit sehr vielen dieser Filme gehen. Zum einen weil Friend wirklich das Zeug dazu hat, ein ganz großer Film zu sein, zum anderen, weil Südkorea momentan nun mal wirklich sehr gute Filmemacher hat.
Und obwohl Friend nun für Asiaten wohl ein großer Film sein mag, den gemeinen Europäer wird er möglicherweise kalt lassen. Das hat mehrere Gründe:
Dies ist definitiv einer der Filme, in welchem man große Probleme hat, der Handlung zu folgen, da man die Namen kaum auseinander halten kann.
Die Handlung ist zu sprunghaft, ohne an den wichtigen Stellen zu erklären, so kommt es immer wieder zu abrupten Sprüngen, die logisch nicht nachvollziehbar sind und einem das Gefühl vermitteln, dass die Geschichte, die einem vorgesetzt wird, nicht ganz astrein sein kann. Dazu sollte wohl erwähnt werden, dass Friend ja angeblich an wahren Ereignissen aus dem Leben des Regisseurs angelehnt ist (Hier kommt Straßen der Gewalt wieder ins Spiel, wo ein Regisseur das leben eines befreundeten Gangsterfreundes verfilmte...) und man wird das Gefühl nicht los, dass er die Geschichte für seinen Film etwas verdreht hat: Ich sage nur ein Junkie ist urplötzlich wieder clean und ein Gangsterboss (ohne Erklärung!!!).
Wie gesagt, es gibt immer wieder Bilder und Szenen für die Galerie und man hat das Gefühl, dass wäre der Film eine halbe Stunde länger gewesen, dass hier was ganz großes präsentiert hätte werden können.
Aber so läßt einen der Film völlig kalt, man hat das Gefühl, eine Lügengeschichte vorgesetzt zu bekommen, manche darsteller sind supermies, andere einfach offensichtlich unterfordert.
Eine uneinheitliche Geschichtsbetrachtung tut ihr übriges.
Letztendlich bleibt ein visuell überragender Film mit erheblichen Schwächen im Filmaufbau, und das untrügliche Gefühl der verpaßten Möglichkeiten. Hier wäre mehr möglich gewesen, erheblich mehr.
5 Punkte