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"Friend" - Freund - Freundschaft. Welch großes Wort, das hier einem Gangsterdrama den Titel gibt. Die Thematik der sentimentalen Männerfreundschaft ist oft Teil in Gangsterfilmen, in denen es um Schlagworte wie Loyalität und Rache geht. So ist die Idee, grundlegende Weisheiten über Liebe und Freundschaft im Rahmen knallharter Gangsterfilmkost zu verpacken, nicht gerade neu, aber aufgrund des realen Hintergrunds, und der autobiographischen Motivation des Regisseurs Kwak Kyung-Taek, ist "Friend" mehr als nur ein weiterer Eintrag in der Sparte "Gangsterfilm".

Die Geschichte beginnt Mitte der 70er, wo wir das Quartett Joon-Suk, Dong-Su, Joong-Hu und Sang-Taek kennen lernen. Die neugierigen Jungs entdecken gerade die komplizierte Welt der Videorekorder und die noch viel kompliziertere der Frauen. 5 Jahre später gehen die erwachsen gewordenen Vier gemeinsam zur Schule. Die Jugendlichen haben sich ob ihres Elternhauses gewandelt, so sind Dong-Su und Joon-Suk zu düsteren Kämpfern geworden, bekannte und gefürchtete Gesichter auf dem Schulhof, vor denen sogar zeitweise die Lehrer erzittern. Kein Wunder: Joon-Suks Vater ist ein reinrassiger Gangster, und die Zukunft für Joon-Suk, selber ein eher schlechter Schüler, sieht auch eine ähnliche Karriere vor. Dong-Sus Vater ist Leichenbestatter und somit zwar nicht so aktiv gefährlich, wie Joon-Suks familiäre Situation, reicht aber immerhin für eine rebellische, unzufriedene Haltung. Sang-Taek und Joong-Ho gehören eher zu den unauffälligen, strebsameren, ruhigeren Typen.

Die eigentliche Geschichte von "Friend" beginnt, als sich Sang-Taek in die Sängerin einer Schulband verliebt. Auf einer Party lernt er sie tatsächlich kennen, und verbringt sogar den darauf folgenden Nachmittag mit ihr in einer Rollschuhhalle. Als Rowdies Sang-Taeks Freundin belästigen, versucht der einzugreifen, unterliegt aber. Erst beim Eintreffen Dong-Sus und Joon-Suks können die Fronten zugunsten Sang-Taeks wieder geklärt werden. Doch die Ruhe dauert nicht lange an. Wenig später treffen sich die beiden Gangs in einem Kino wieder, wobei es zu einer Massenschlägerei kommt, in der so ziemlich die gesamte Schule involviert wird. Sang-Taeks Entscheidung, nach Seol auszuwandern ist mit diesem Schlüsselereignis besiegelt...

Drei Jahre später kehren Sang-Taek und Joong-Ho von ihrem College in Seol zurück, um Joon-Suk zu besuchen. Zu ihrer Überraschung ist der mittlerweile mit Jin-Sook verheiratet, der Sängerin und des einstigen Schwarms Sang-Taeks. Doch nicht nur das, Joon-Suk ist ein heruntergekommener Drogenabhängiger, der gerade einen extremen Entzug durchmacht. Der alte Freund von früher ist nicht wieder zu erkennen.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist "Friend" erstklassig. Die komplexe Geschichte wird aus der Sicht Sang-Taeks dargestellt, der wohl die Ambivalenz zu dem Regisseur, der seine Jugend nachzeichnet, darstellen. Jede der vier Figuren ist ein wichtiges Individuum in der Erzählung, und daher ist man nicht gefasst auf was nun auf den Zuschauer zukommt. Von nun an befasst sich Regisseur Kyeong-Taek kaum mehr mit Sang-Taek und Joong-Hu, sondern bereitet das Schicksal seiner beiden düsteren Freunde Dong-Su und Joon-Suk auf. Dong-Su muss eine Zeit im Gefängnis verbringen, und als er schließlich aus dem Bau entlassen wird, entscheidet er sich für eine Karriere bei der direkten Konkurrenz zu Joon-Suks Bande. Schließlich endet der Film in einer Passage, die in den 1990er Jahren spielt. Sowohl Joon-Suk, als auch Dong-Su haben gute Karriere bei ihren Banden gemacht, und sind einflussreiche Gangster. Die entscheidende Konfrontation zwischen den alten Freunden wird immer unausweichlicher...

Der größte, und wohl auch einzige Schwachpunkt an "Friend" ist seine Zuschauer-unfreundliche Inszenierung. Während die erste Stunde vor involvierender Emotionalität strotzt, so irritiert ist man, als nach einer Stunde das Quartett so sang- und klanglos verlässt, und sich plötzlich nur noch auf die Hälfte der Protagonisten konzentriert. Die Identifikationsfigur Sang-Taek, der Erzähler, der uns zu Anfang noch Orientierung und Anekdoten aus dem Off gegeben hat, wird zu einer flachen, schlecht verwirklichten Nebenfigur. Es kommt einem sogar so vor, als würde Regisseur Kyeong-Taek uns hier etwas verschweigen; persönliche Dinge, die er nicht für erzählenswert empfindet. Joong-Ho verschwindet gegen Ende fast völlig von der Bildfläche, und bleibt die schwächste Person im Film.

Ansonsten ist "Friend" erstklassig. Nicht umsonst brach "Friend" die Box-Office-Rekorde, die zuvor "Shiri" und "Joint Security Area" in Korea aufstellten mit Leichtigkeit. Klar, die Kombination aus Gangsterfilm und Freundschaftsepos ist mehr als nur reizvoll. Doch die Umsetzung krankt eben an der oben erwähnten, konfusen und unentschlossen, beziehungsweise wohl eher unausgereiften Erzählform. Die warme, braun-graue Pastelloptik, der symphonische, wunderbare Score von "Friend" - Freund - Freundschaft. Welch großes Wort, das hier einem Gangsterdrama den Titel gibt. Die Thematik der sentimentalen Männerfreundschaft ist oft Teil in Gangsterfilmen, in denen es um Schlagworte wie Loyalität und Rache geht. So ist die Idee, grundlegende Weisheiten über Liebe und Freundschaft im Rahmen knallharter Gangsterfilmkost zu verpacken, nicht gerade neu, aber aufgrund des realen Hintergrunds, und der autobiographischen Motivation des Regisseurs Kwak Kyung-Taek, ist "Friend" mehr als nur ein weiterer Eintrag in der Sparte "Gangsterfilm".

Nichtsdestotrotz bleibt "Friend" ein empfehlenswerter Film voller wunderbarer Augenblicke. Action allerdings sollte man nicht erwarten. Schusswaffen kommen gar nicht darin vor, die unattraktiven, schmerzvollen, kurzen Gewaltszenen, in denen zum Beispel gerade zum Ende hin eine extreme Messerstecherei auf atemberaubende Weise gezeigt wird, erreichen aber dennoch ein Höchstmaß an Wirkung. Wer aber eine breite, wunderbar bebilderte Freundschaftsgeschichte voller persönlicher, warmer Erinnerungen des Regisseurs erwartet, der wird keinesfalls enttäuscht werden. Zuschauer, die sich mit dem Erzähl(un)rhythmus arrangieren können, werden "Friend" lieben.

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