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Wenn es um die Aufklärung zur Identität eines Serienkillers geht, kommt einem wahrscheinlich als erstes ein actiongeladener Polizeifilm in den Sinn, mit vielen Verdächtigen, einer Reihe blutiger Morde und einem bitterbösen Showdown.
An ein Kammerspiel, wie es uns hier vorliegt, welches gerade mal drei Figuren parat hält und auf engstem Raum eines Hauses spielt, denkt man dabei weniger.
Und doch gelingt es dem Regiedebüt von Beginn an Interesse zu entfachen, welches allenfalls durch einige unbeantwortete Fragen gezügelt wird.

Es ist die Wohnung von Sera, die dort allein lebt und offensichtlich mit diversen Ängsten zu kämpfen hat. Als Andrew, ein Mann für Immobilien-Verträge, um Aufenthalt wegen strömenden Regens bittet, zögert Sera, da nahe ihres Ortes ein Killer umgeht, der seinen Opfern eine „13“ in den Körper ritzt. Zögerlich gewährt sie dem zunächst freundlichen Mann Unterschlupf, bis John aufkreuzt, ein Mann der Sicherheitsfirma, der nur einen Chip austauschen will, jedoch durch merkwürdig religiöse Anwandlungen auffällt.
Und einer von ihnen ist definitiv ein Killer…

Streifen dieser Art haben es häufig schwer ein Klientel zu finden, da der Ablauf auf viele ermüdend und eintönig wirkt. Und sofern das Interesse nicht von Anfang an erzeugt wird, ist er zum Scheitern verurteilt.
Hier gelingt es, trotz etwas behäbiger Erzählweise, den Fokus auf Sera zu richten, die von vornherein einen weg haben muss, da sie Stimmen hört, sich deswegen Kopfhörer mit Klassik aufsetzt und scheinbar einem Kontrollwahn erlegen ist. Sie wirkt in ihrer Persönlichkeit alles andere als gefestigt.
Gleiches gilt für Andrew, der leicht rundliche Herr mit dem latent bemühtem Dauerlächeln, der irgendwann über seine Ängste, über Jobverlust und dem damit verbundenen Sorgerechtsstreit um seine Tochter erbost ist und Sera anfährt.
Es scheint zunächst eindeutig, dass der seine Aggressionen nur schwer unter Kontrolle hat und demzufolge der Killer sein muss.

Als im letzten Drittel der Elektro-Installateur John hinzukommt, erreicht das Maß an gegenseitigen Verdächtigungen seinen Höhepunkt, als sich die Männer fast an die Gurgel gehen.
Geschickt wird dabei der Verdacht von A nach B gelenkt, nach Indizien gesucht und Berufserfahrungen in Frage gestellt. Gegen Ende schaut sogar noch die Polizei vorbei, was allerdings erst geschieht, nachdem bereits eine einschneidende Situation stattfand und man überlegen muss, wie man taktisch am klügsten handelt.

Das Ganze erinnert vom Prinzip her ein wenig an Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“, nur weiß man hier bis auf die letzten Minuten nicht, wer letztlich mörderische Absichten hegt.
Dabei geht man inszenatorisch mit simplen Mitteln zu Werke, bedient sich gerne mal der Totalen und weiß fein abgestimmt jede Bewegung, jede Gestik einzufangen, wobei das Interieur so durchschnittlich ausfällt, dass es eher der Glaubwürdigkeit des austauschbaren Schauplatzes zugute kommt. Allenfalls der Score wirkt ein wenig beliebig eingestreut.

Darstellerisch erfüllen alle drei Beteiligten ihren Zweck und füllen ihre jeweilige Figur mit einigen Facetten aus, nur die Dialoge zum Showdown wirken arg überzogen.
Jener ist es dann auch, dem ein deutliches Manko mitschwingt, da hierdurch eine Menge Fragen aufkommen, die größtenteils gar nicht beantwortet werden und die Motivlage des Killers in ein unglaubwürdiges Licht rücken.

Klar, dass dies kein Partyfilm ist, den man unter Gleichgesinnten abfeiert.
Es ist ein ruhig erzähltes Verwirrspiel, welches durch die schlichte Art von Misstrauen und Unwohlsein Spannung bezieht und keine sonderlichen Gewaltausbrüche oder Übergriffe benötigt, um über die volle Distanz zu unterhalten.
Grundsolide dramaturgisiert, nur gegen Ende bricht er ein wenig ein und verliert seine Bodenständigkeit.
Dennoch eine Empfehlung an alle Hobby-Psychologen, die es auch mal etwas ruhiger ablaufen mögen.
7 von 10

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