Vorsicht, Spoiler! (Mit Spoilerwarnung)
Alle Jahre wieder....
Nach dem Einschlag von "SAW" anno 2004 spendieren uns die Filmemacher jedes Jahr mit einem neuen Ableger der SAW-Reihe und die Welt der Kritiker bricht zusammen: "Nicht schon wieder ein neuer Teil!"
Natürlich, jeder SAW-Film war irgendwie etwas anders. Teil 1 überraschte durch die clevere Story und die blutigen Fallen, so etwas hat es noch nicht gegeben - dank des Mindfuck-Endes genießt dieser erste Teil auch einen Kultstatus. Das Sequel hingegen schickte eine ganze Gruppe durch ein mit Fallen gespicktes Haus. 2006 kam "SAW III" und dieser war ein Fest für Gorehounds - leider litt auch dadurch die ziemlich schwache Story, da die gezeigte Brutalität mehr mittel zum Zweck war. Jigsaw (Tobin Bell) war entgültig tot und taucht ab SAW IV lediglich nur noch in Rückblenden auf. Der Kniff, als Jigsaw-Nachfolger Detective Hoffman (Costas Mandylor -SAW III, IV, V) ins Rennen zu schicken, enttäuschte Fans, Gönner und Neider zusammen auf ganzer Linie. Aber nach Betrachten von "Saw V" bekommt genau diese enttäuschende Entscheidung eine ganz andere Bedeutung. Ich will es jetzt anfangs schon mal kurz und knapp erwähnen: "Saw V" hat mich positiv überrascht, wertet alle bisherigen Teile auf und ist für mich der beste nach dem Ersten. Warum, liebe Leser, werdet ihr in dem Review nun nachlesen können.
In "SAW V" haben wir zwei Handlungsstränge: Zum einen sind diesmal wieder fünf Leute in einer Gruppe unterwegs um die Spiele von Jigsaw "Hoffman" zu überleben. Vier Räume, die jeweils durch eine Stahltür getrennt sind, gibt es zu überwinden. Eine gewisse Zeit hat man für die Lösung, denn ansonsten werden Nagelbomben detonieren, bei deren Explosion gewiss keiner überleben wird. Dieser Plot dient lediglich für neue Fallen und Gematsche zu präsentieren. Man kann es auch als "einzigen Spannungsbogen" des ganzen Films nennen, obwohl dieses Quintett mit Sicherheit die unsympathischten Charaktere aller fünf Teile darstellt. Natürlich bleiben sie blass ohne nötige Tiefe, negativ erdrückend kommt hinzu, dass sie für den Zuschauer so was von egal werden, da sie sich lieber gegenseitig abmurksen, anstatt gemeinsam an einer gescheiten Lösung zu arbeiten. So bleibt auch in diesem Strang für die fortlaufende Story höchstens die Schlussfolgerung interessant, die den Verdacht, dass es einen Jigsaw-Nachfolger gibt, auf eine andere Person (anstatt Hoffman) lenkt.
Der Blutgehalt bzw. Ekelfaktor hat wieder etwas angehoben, ist aber von dem brutal, sinnlosen Teil III (und das ist auch gut so) weit entfernt. Absoluter Favorit ist für mich die "Spende Blut!"-Falle (klein aber gemein!), zusammen mit der "Pendulum-Trap". Leider hatte ich diese Pendel-Szene schon in einem Internet-Clip gesehen und so raubte es mir leicht die Faszination.
Ein weiteres Highlight ist, wie sich Agent Strahm (Scott Patterson, der überlebende Ermittler aus Teil IV) aus seiner Falle befreit - John Rambo würde es nicht besser rüberbringen...
Im zweiten Handlungsstrang ist Agent Strahm (der eigentliche Sympathie-Träger) dem neuen Jigsaw "Hoffman" auf den Fersen (knüpft nahtlos an Teil IV an) und genau das ist der Part, der dem Film den gewissen Schuss Würze gibt, bzw. dadurch jeden Teil der Reihe aufwertet. Denn, ohne Spannung zu erzeugen, dient dieser Strang nur für Rückblenden. Offengebliebene Fragen aus den Vorgängern werden alle beantwortet. Man kann eigentlich sagen, dass zwei Drittel der ganzen Laufzeit nur aus Rückblenden bestehen. Selbst das Pendel des Todes ("Pendulum-Trap"), mit der "Saw V" eröffnet wird, ist eine Rückblende, wie sich im späteren Filmverlauf rausstellt. Mit der Liebe zum Detail verfolgt man Antworten auf Fragen die sich durch alle Teile ziehen. Auch, wenn die Lösung, wer denn nun der Jigsaw-Nachfolger ist, bei "SAW IV" (noch) enttäuschend ausgefallen war, ist im Nachhinein betrachtet die Wahl sehr gut gewählt. Zum Schluss erhält der Charakter Hoffman sogar etwas Diabolisches. Nicht schlecht...
Der Poppcorn-versierte Zuschauer wird dabei seine Probleme haben, was denn im Jetzt bzw. in der Vergangenheit passiert. Leute, die auch nur einen Teil dieser Reihe verpasst haben, sollten diesen Film meiden. Fanboys hingegen werden "SAW V" lieben.
Natürlich gibt es auch Ungereimtheiten, die ich aber nur spoilern kann:
************SPOILER**************************
Hoffman war irgendwann damals der Nachahmer von Jigsaw. Die "Pendulum-Trap" wurde von ihm entworfen. Hoffman´s Schwester wurde von einem Psychopath aufgeschlitzt und getötet, der nun in dieser Falle "Ohne Chance auf Überleben" steckt.
Who the fuck schießt Hoffman den Penner nicht einfach über den Haufen und macht sich einen Heiden Akt daraus, es nach einer Jigsaw-Falle aussehen zu lassen?
Aber aus diesem unnötigen Logik-Loch entsteht (seitdem Jigsaw mit John Kramer ein Gesicht hat) auch Kramer´s stärkster Auftritt: Er verteufelt Hoffman dafür, dass er ihn nachahmt und dem Schwester-Mörder keine Chance auf´s Überleben gegeben hat. Kramer sei verdammt noch mal kein Mörder.
Das ist einfach ne geile Szene, aber trotzdem geht der Ursprung auf die Kosten des bis dato nicht betäubten Gehirns.
Zweiter schwerwiegender Punkt ist die Falle im zweiten Raum für unsere fünf Todeskandidaten: Dort gibt es 4 Röhren, in denen sie Unterschlupf zum Überleben finden. Auch wenn die Geiseln später (viiieeeel später) von selbst draufkommen, war ich der einzige, der seinen Cola-Becher ins Publikum geworfen hat, was der Scheiß soll. Denn in eine Röhre hätten locker drei Leute vom Platzverhältnis her gepasst. Aua.
**************SPOILER ENDE*************************
Das war nicht alles (nur das gröbste), aber - kann man über diese beiden unnötigen Patzer hinwegsehen (und das mache ich), steht dem Filmvergnügen nichts mehr im Wege.
Die SAW-Reihe ist einzigartig. Kein Freddy, Jason oder sonstiges kann da mithalten, weil diese Serie auf Komplexität aufbaut.
Ja, "SAW V" ist wie jeder andere SAW, aber er geht auch wie jeder andere SAW seine eigenen Wege. Wir bekommen die Fallen, das Blut. den Ekel, die Opfer zu sehen, die wir gewohnt sind. Dennoch ist dieser fünfte Teil stärker als die ganzen anderen Sequels, da er alles erklärt, alles vereint und somit die anderen Teile aufwertet. Teil V spornt auch zum Wiederanschauen der vergangenen Teile an.
Nur auf das "Oho", das am Ende so gerne gesehen wird, tendiert hier praktisch gegen Null. Es wird keine Wendung zum Schluss geben.
In sich ist die Sache jetzt abgeschlossen, (fast) alle Fragen wurden beantwortet und "SAW V" ist eigentlich schon das würdige Finale. Vielleicht ist Teil VI der Ober-Brainfuck schlechthin, oder ein neuer Anfang mit einem gut aufgelegten Hoffman für weitere 20 Teile.
Oder eben der nicht genannte Weg Nummer "Drei", denn diesen erwarten wir ja irgendwie alle, oder ?!?
9/10