Bereits seit dem dritten Teil ist die eigentliche Hauptfigur John Kramer, alias „Jigsaw“ tot und alles was folgt, kann nur in Rückblenden beschreiben, was „Saw“ bis „Saw IV“ bislang noch nicht taten: Blutige Spiele, falsche Spuren und Ermittlungsarbeiten.
Leider hat der Zuschauer dabei nicht mehr allzu viel zu ermitteln und die Konstruktionen zwischen dem, was man bereits kennt, schwanken häufig zwischen unnötig und überkonstruiert.
Nachdem Agent Strahn und Detective Hoffman bereits im vorherigen Teil ermittelten, sind die Seiten diesmal klarer definiert: Hoffman steht bei Strahn im Verdacht, Jigsaws Gehilfe zu sein und ermittelt trotz Beurlaubung auf eigene Faust.
Derweil versuchen fünf einander Fremde, die an miteinander verknüpften, elastischen Drahtseilen verbunden sind, aus dem Raum zu entkommen, bevor nach 15 Minuten eine Bombe detoniert. Doch es ist für die Überlebenden nicht die letzte Station…
…mit diesen fünf knüpft man an die eigentlichen Schauwerte der Reihe an. Man setzt ein wenig auf das weit verbreitete Misstrauen untereinander und Intrigen, den einen oder anderen auszuschalten, um selbst zu überleben.
Das funktioniert teilweise ganz solide, da der komplette Parcours gut durchdacht ist, wenn auch die Fallen nicht ganz so fies sind und die Charakterzeichnungen der Protagonisten reichlich zu wünschen übrig lassen.
Nur leider werden die Bilder dieser Szenerie lediglich eingestreut und im Gesamtbild zu wenig Beachtung geschenkt.
Der Plot macht kein Geheimnis daraus, welcher Cop – Strahn oder Hoffman – Verbündeter zu Jigsaws Lebzeiten ist und offenbart früh, was wir in „Saw II“ in der Perspektive noch nicht sahen. Dadurch kommt Tobin Bell glücklicherweise ein weiteres Mal zum Einsatz, - ein Lichtblick, denn das Zusammenspiel Strahn/Hoffman ist schon aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit eine absolute Katastrophe, die hätte man auch gleich als Zwillinge ins Spiel bringen können.
Dass dieser Teil nur als weiterer Warmläufer für Teil sechs zu sehen ist, wird ebenfalls an einigen Stellen offensichtlich.
Zum einen wird Jigsaws Ehefrau erneut ins Spiel gebracht, indem sie von ihm als Nachlass eine Truhe erhält, über deren Inhalt wir aber noch nichts erfahren und zum anderen wird nicht ersichtlich, ob die letzten beiden Teilnehmer des oben genannten Spiels überleben oder nicht, was uns wiederum „Saw VI“ erörtern wird.
Nun hat dies allerdings nicht mehr viel mit dem Ursprung der Reihe gemein, auch wenn dieses Sequel nicht ansatzweise so fahrig daherkommt, wie sein wirrer Vorgänger.
Doch ohne Jigsaws rundum perfide durchdachten Spiele, eingebunden in seine selbstgerechten Kommentare und den dazu in Panik geratenen Gesichter der Opfer, ist die Sache einfach nicht mehr rund.
Gut, hier wird mal eine Bauchdecke von einem riesigen Pendel durchtrennt, Finger abgesägt, eine Enthauptung (etwas oberhalb des Kinns) angepeilt, eine Kreissäge an die Mitte der Handfläche angesetzt oder einfach mal jemanden der Arm gebrochen (bevor er komplett zerquetscht wird), - (jetzt sind alle Splattereinlagen verraten) – doch das Mitfiebern hält sich auch hier, aufgrund stetiger Parallelmontagen größtenteils unsympathischer Zeitgenossen, arg in Grenzen.
Wir wissen nun mal längst, dass Jigsaw tot ist und alles was zeitlich dazwischen stattfand zumindest für ihn reibungslos ablief. Es geht letztlich nur noch um seine Helfer, von denen man mittlerweile weiß, dass diese eben mehr als nur Amanda (die einzige Überlebende aus Teil eins) bestehen.
Doch je mehr Opfer zwischenzeitlich zu beklagen sind und die Serienmorde irgendwann den zweistelligen Bereich überschreiten, verkommt das Ganze zur Groteske, da auch ein Jigsaw nicht an zehn Orten gleichzeitig Fallen entwerfen und seine jeweiligen Helfer mit entsprechenden Maßnahmen erpressen kann.
Bis hierhin ist das immer noch okay, die Inszenierung einigermaßen gefällig und eine brauchbare Portion Fallen mit Splattergehalt ist auch zu finden, doch für „Saw VI“, wenn man schon mal dabei ist, könnte man die Spielchen wieder etwas ausgedehnter betreiben und ein paar Figuren ins Geschehen platzieren, die einem ein Mitfiebern ermöglichen.
Denn trotz vorhandener Kurzweil: Das ist hier zu wenig gegeben.
6,5 von 10