"Das Rückgrat einer jeden Gesellschaft ist Gerechtigkeit."
Die mittlerweile fünfte Auskopplung des Folter Franchise knüpft direkt an Teil 3 und 4 an.
Nach dem Tod von Jigsaw (Tobin Bell) sind die Spiele nicht vorbei. Agent Peter Strahm (Scott Patterson) verdächtigt Detective Mark Hoffman (Costas Mandylor) gemeinsam mit dem Puzzlemörder tätig gewesen zu sein und dessen Werk weiter zu führen.
Während Strahm nach belastenden Hinweisen gegen Detective Hoffman sucht tritt Jigsaw's Ex-Frau Jill Tuck (Betsy Russell) ein unerwartetes Erbe an... und 5 Personen erwachen in einem Kellergemäuer um sich einem weiteren perfiden Spiel zu stellen.
Nachdem in den beiden direkten Vorgängern die Gewichtung auf den Folterinstrumenten lag und das Verwirrspiel am Ende von "Saw IV" viele Fragen auslöste, setzt der fünfte Teil der kontrovers diskutierten Horrorreihe wieder etwas mehr auf Handlung und löst einige Fragen, wirft aber ebenso neue auf.
Der Plot wurde in zwei scheinbar voneinander gelöste Abschnitte aufgeteilt.
Der Strang in dem sich fünf Personen mit zahlreichen Fallen auseinander setzen müssen, dient vor allem dem voyeuristischen Aspekt, den die "Saw"-Reihe schon immer an den Tag legte und wirkt diesmal sehr aufgesetzt. Dieser Teil der Handlung ähnelt sehr dem bereits in Teil 2 verwendeten Strang, in dem sich ebenso eine hohe Anzahl von Personen durch ein mit Fallen versehenes Haus kämpfen. Das Haus ist hier allerdings einem Kellergewölbe gewichen.
Zum Nachteil erweist sich, dass man den gefangenen Figuren einmal mehr nur wenig Profil gegeben hat. Statt einer plausiblen Erklärung, weswegen sie an dem mit tödlichen Fallen gespickten Spiel teilnehmen oder einem Bezug zu parallel laufenden Ereignissen, giften sich diese nur an, was keine emotionale Bindung zulässt. Somit führt das Ableben dieser Charaktere kaum zu einer Gefühlsregung des Zuschauers.
Anders verhält es sich mit dem Erzählstrang um den FBI-Agenten Strahm und dem in Jigsaw's Fußstapfen wandelnden Hoffman. Die Charaktere sind bekannt und werden fortgeführt. In Form von vielen Rückblenden die bis zurück zu den Anfängen reichen, werden eine Menge Details und Abläufe erklärt, was zu vielen "Aha" Erlebnissen führt, vorausgesetzt man hat Kentniss von den Vorgängern. Dieses sollte man auch unbedingt mitbringen, denn sonst bleibt ein großer Teil der Handlung nebulös und unverständlich.
Auffällig ist der leicht zurückgeschraubte Härtegrad und die Einfallslosigkeit der Fallen. Die letzten Teile haben sich noch gegenseitig durch verdrehte Gliedmaßen, zerfetzte Körper, zermatschte Köpfe oder sonstige ekelerregenden Brutalitäten gegenseitig überboten. "Saw V" ist hier etwas sauberer insofern Köpfe nicht zermatscht, sondern sauber abgeschnitten werden. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, der "gefühlte" Schmerz fällt diesmal allerdings niedriger aus. Zumindest bis sich das wirklich abartige Finale offenbart.
Inszenatorisch wurde auf bewährte Kost gesetzt, die auch erneut voll aufgeht. Neben den schon bekannten Melodien bleibt die Präsentation düster, dreckig, chaotisch und verschmiert.
Die Erzählung selbst bleibt durchgehend temporeich und weist eine angespannter Atmosphäre vor. Die Spannung hat teilweise etwas unter dem fehlenden Bezug zu den Charakteren zu Leiden.
Neben Abnutzungserscheinungen, besonders durch den an den zweiten Teil erinnernden Ablauf, fallen noch viele offene Handlungsstränge und ein paar wissenschaftliche bzw. medizinische Halbwahrheiten unangenehm auf.
Die Besetzung erweist sich als zwiespältig. Das eingespielte Team, beginnend mit Tobin Bell über Costas Mandylor bis zu Scott Patterson, legt eine vorzügliche Vorstellung hin. Gerade bei Kenntnis der alten Teile ist der Bezug zu Person und Figur sofort wieder hergestellt.
Anders verhält es sich bei neu hinzu kommenden Darstellern, besonders den fünf tragenden Rollen der Folter-Thematik. Meagan Good ("Stomp the Yard", "Tödlicher Anruf") könnte ihr unausgereiftes Talent sicher durch ihr Aussehen überblenden, dummerweise ist ihre Rolle nicht dazu ausgeschrieben um als Eye-Candy zu unterhalten. Ähnlich verhält es sich bei Sarah Power.
Julie Benz ("John Rambo") hat das Pech nicht sonderlich Leinwandpräsent zu sein. Zumindest was zu sehen ist passt. Greg Bryk ("Shoot 'Em Up") und Carlo Rota wirken übereifrig und dadurch dauerhaft nervig.
Im Grunde haben die letztgenannten kaum Spielraum um aus ihren Charakteren etwas ordentliches heraus zu holen. Sie dienen nur als Kanonenfutter. Die Schuld liegt somit am sperrigen Drehbuch und dem, in diesem Bezug, mangelhaften Charakterdesign, was in diesem Genre sehr häufig vorkommt.
Gesamt gesehen dient "Saw V" als Brücke zwischen dem was bisher war und dem was hoffentlich noch kommt. Der Horrothriller fesselt nicht ganz so sehr wie die Teile 1, 3 + 4, bietet aber dafür viele Antworten auf bisher untergegangene Details.
Eine weitere Fortsetzung ist bereits angekündigt. Da sich das Franchise mittlerweile aber immer mehr abnutzt ist zu hoffen, dass sich diese Fortsetzung als nunmehr endgültiges und abschließendes Finale erweist. Selbstverständlich mit der gewohnten Inszenierung und einer besseren Zusammenspiel zwischen Horror, Handlung und Schauspielern.
8 / 10