„Saw“ entwickelt sich langsam zur Nervensäge, aber beileibe nicht im gewollten Sinn. Der nächste Streich folgt dabei aber zugleich, im Jahresrhythmus. Das lässt Böses ahnen.
Man zerbricht sich offenbar mehr den Schädel, also so manche effekthascherische Falle, wer denn noch dem diabolisch moralischen Charme von „Original-Jigsaw“ verfallen könnte, was der Zuseher langsam nicht mehr tut. Ein ums andere Mal werden Rückblenden eingestreut, die ein bisschen Licht in die dunkle Vergangenheit von John Kramer bringen sollen. Wen interessiert das aber noch nach mehrmalig unnötigen Aufgüssen, die den ursprünglichen, morbid schweißtreibenden Duft in der Sauna verfliegen lassen haben?
Zweifelhaft versucht man Adrenalin in den leblosen Körper des originalen „Jigsaw“ zu pumpen, weil ohne ihn das Spiel nicht funktioniert. Reichlich Blutkonserven lässt man anderweitig literweise zerplatzen, aber grausame Schauwerte im Sinne von bitterbösen Fallen, tragen die Fortsetzung der Fortsetzungen schon lange nicht mehr.
Tobin Bell steht für die teuflische Seele der Filmreihe, er ist und war der Architekt des Bösen. Dagegen ist Detective Hoffmann, der sein Werk fortführt, ein blasses Nebenprodukt, das einfach als Mittel zum Weck gebraucht wird. Gleichwohl Costas Mandylor im Gegensatz zu vielen anderen Gestalten, die sich hier in Schauspiel üben, verhältnismäßig noch zu den besseren seiner Zunft gehört.
Das Problem ist auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Gott und die Welt verfällt „Jigsaw“, immerhin ist man wenigstens darum bemüht, das Ganze im Rückblick zu erklären. So hält man auch John Kramer am leben und kann darüber hinaus seine Frau bzw. sein Verhältnis dazu einbringen und ein Stück weit durch ältere Szenen die besseren Zeiten der Reihe aufleben lassen.
Doch auch wenn der Zweck die Mittel heiligt und die Erklärungen schlechter sein könnten, ist das alles sehr offensichtlich und deutet auf den Verschleiß der Filmreihe hin. Das Ganze ist im Nachhinein zurechtgebastelt worden, da es ja irgendwie weitergehen muss. Hauptsache es werden noch ein paar Leute in das Kino gezogen – und auch ein Jahr darauf auch.
Dabei nerven altbekannte Schemata mehr, als dass sie helfen würden. „Jigsaw“ steht bzw. schwebt über allem, Detective Hoffmann spielt seinen Handlager und Agent Strahm (Scott Patterson) ist ihm mehr oder weniger dicht auf den Fersen. Nebenbei ist wieder die Falle der Falle ein Thema, wo fünf Menschen durch irgendeinen Fehler bzw. eine Gemeinsamkeit miteinander verbunden sind und im wahrsten Sinne das Spiel des Lebens spielen müssen.
Darstellerisch waren die Insassen solcher Konstruktionen noch nie begnadet, aber dieses Mal kommt eine Portion Klischees (man nehme den verheult theatralischen Sohn reicher Eltern) und Unlogik hinzu. Nein, man geht lieber nicht zu zweit in groß wirkende Nischen, sondern zerfleischt sich, weil man doch so egoistisch ist, lieber selbst. Einer muss ja durch eine Nagelbombe in Stücke gerissen werden, sonst geht das Gesamtkonzept nicht auf. Andererseits meint man manchmal, im Kontrast zu Papis verzogenem Liebsten, dass manch einer vor Coolness Eiswürfel pinkelt, selbst wenn es darum geht, seine eigene Hand in eine Kreissäge stecken zu müssen.
Es ist ein Trauerspiel, eine unbedeutende Innovation hier und da, kann darüber nicht hinwegtäuschen, dass „Saw“ im Endstadium des Verwesungsprozesses angelangt ist. Immerhin bleibt einem am Ende „Schema F“ erspart, wo man noch überrascht hätte tun müssen, wenn „Jigsaw“ wieder einmal einen seiner neuen Jünger aus dem Hut zaubert.
„Saw 5“ ist jedenfalls der erste Tiefpunkt dieser an sich viel versprechenden Reihe. Die spektakuläre Anfangsfalle, „Jigsaw“, das übliche Kunstbluttfestival, der schnelle „Stakkato-Schnitt“, ein infernal moralische Kontext und die Augen öffnende Überraschung am Ende haben ausgedient, weil die Filmreihe eigentlich schon lange hätte Tod sein sollen und zweifelhaft am Leben gehalten wird. „Saw“ ist zur Geldkuh geworden, die eigentlich keine nahrhafte Milch mehr gibt. Na ja, aber lassen wir uns überraschen. Man hat sich selbst hohe Maßstäbe auferlegt, insofern bleiben hier wegen des funktionierenden Grundgerüstes noch (5/10) Punkte.