Review

komplette Serie inkl. Pilotfolge

Fast 18 Jahre habe ich nun gebraucht um diese TV-Serie endlich bis zum Ende anzuschauen!!

Als Twin Peaks zum ersten Mal im dt. TV gezeigt wurde war der Hype um diese Serie von Kult-Regisseur David Lynch einfach unerträglich. Mindestens so unerträglich kam mir damals das Produkt selbst und seine miese dt. Synchronisation vor.

Einige Gründe liegen neben der gerade erwähnten Synchronisation auch gleich in der Handlung begründet...

In Twin Peaks, einem vermeintlich verschlafenen Kuh-Nest in der amerikanischen Provinz wird eines morgens die Leiche der Dorfschönheit Laura Palmer gefunden. Der Dorfsheriff Harry S. Truman (Michael Ontkean) und seine Deputies sind mit der Aufklärung dieses Mordes sichtlich überfordert und deshalb wird das FBI in Form von Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) nach Twin Peaks entsandt um den Fall zu lösen. Während seiner Ermittlungen stößt Cooper auf allerhand Intrigen, durchgeknallte Twin-Peaks-Bewohner mit ihren Alltagssorgen und Liebeleien, einen einarmigen Schizophrenen, einen tanzenden Zwerg, das Böse in Form von Bob und und und...

Dieser kurze Umriss der Story macht schon deutlich, denke ich, daß wir es hier nicht mit einer der unzähligen stromlinien-förmigen TV-Serien aus den USA zu tun haben. Grundsätzlich ist das schon mal ein dicker Pluspunkt, da die damaligen Serien alle irgendwie gleich waren, egal in welchem Genre sie angesiedelt waren - sei es Krimi, Drama, Sci-Fi oder Komödie.

Lynch hat alle Zutaten der genannten Genres in einen Topf geworfen, dreimal umgerührt, mit seiner eigenen typischen filmischen Handschrift gewürzt und etwas geschaffen, was es bis dato noch nicht gab. Einen genre- und themenübergreifenden Crossover sozusagen, der nicht nur thematisch sondern auch ablauftechnisch neu war, denn seine Serie läuft zudem auch nicht wie damals üblich in abgeschlossenen ca. 45-minütigen Einzelepisoden ab!
Folge für Folge wird die Story vorangetrieben und der Zuschauer quasi gezwungen die Flimmerkiste anzuschalten um Woche für Woche dem Mörder von Laura Palmer näherzukommen.
Ein bis heute nicht gerade sehr zuschauerfreundliches und akzeptiertes Konzept, denn wer will sich schon im wöchentlichen Turnus an einem bestimmten Tag vor die Glotze setzen um den Fortgang der Story zu verfolgen - und das teilweise noch bei Serien mit bis zu 26 Episoden pro Staffel!
Gottseidank ist das heutzutage wesentlich einfacher, da so gut wie jede Serie irgendwann auf DVD erscheint und man dadurch eine ganze Serie/Staffel locker an einem Wochenende anschauen kann und das auch noch ohne die lähmende Werbung, in manchen Fällen gegenüber der TV-Version sogar noch unzensiert!

Mir persönlich sind derartige Serien deutlich lieber, da sie mehr Möglichkeiten bieten eine fesselnde Handlung mit wirklich gut ausgebauten Charakteren zu transportieren. Also auch hier ein vermeintlicher (persönlicher) Pluspunkt von Twin Peaks.

Die hier agierenden Darsteller/Innen sind größtenteils gut und sogar teilweise namhaft, was die ganze Produktion erneut über den damaligen Durchschnittsbrei erhebt. Ebenfalls ein Pluspunkt!

Das alles vereint unter der Aufsicht von Mastermind David Lynch sind dann aber auch schon die positiven Aspekte der ganzen
Sache!

Die Probleme fangen bei der Inszenierung und der Story an und sind, für mich zumindest, gravierend!

Die erste Staffel lebt noch größtenteils von eine gewissen Spannung, wer denn nun der Mörder von Laura ist, ist aber leider auch durch jede Menge an storytechnischem Müll ( z. B. die einäugige Nadine usw. usw.) sehr ausufernd geraten und viele einzelne Episoden sid deswegen wirklich kaum zu ertragen - sozusagen der Fluch des Crossovers! Trotzdem ist diese erste Staffel noch recht ordentlich geraten, dafür hat Twin Peaks seinen guten Ruf durchaus zurecht!!

Blöderweise beliess man es in diesem Fall nicht dabei mit der Enthüllung des Mörders Schluß zu machen. Aus irgendwelchen Gründen wurde eine zweite Staffel gedreht, die dann einige noch nicht zuende geführte, aber auch nicht wirklich interessante
Handlungsstränge mit etwas Stuß garniert aufbereitete und im Laufe von ca. 14 Episoden ganz gnadenlos an die Wand gefahren wurde.
Zugegeben ist das Ende der letzte Episode wirklich gut gelungen und macht ironischerweise sogar Lust auf mehr, aber diese Fortsetzung wurde leider in den 13 Episoden davor finanziell bzw. unterhaltungstechnisch geradezu grandios versemmelt!

Was bleibt ist der recht ordentlich Eindruck der ersten Staffel,
die man sich durchaus mal anschauen kann. Das Wesentliche hat man damit gesehen, der Rest ist nicht der Rede wert und führt sowieso zu nichts!!

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