Review

Das Portrait eines Sadisten erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl und man rutscht als Regisseur schneller in die immer noch angesagte Torture-Porn Welle, als diesem lieb sein kann. Sebastian Radtke fängt das insofern geschickt an, indem er zwar nicht vor derben Gewaltszenen halt macht, diese aber so grotesk und gleichermaßen pervers in den Fokus rückt, wie sie nur aus Sicht des Psychopathen selbst ablaufen können.
Woran es dem Streifen eher mangelt, ist ein ordentliches Maß psychologischer Tiefe, denn allzu viel erfährt man nicht über die Beweggründe des namenlosen Sadisten.

Eigentlich nur, dass dieser bereits mit siebzehn zwei Leichen im Keller hat und später, genau dreißig Jahre danach, durch ein einschneidendes Erlebnis an seine Kindheit erinnert wird und aufs Neue entführt, quält und foltert. Sein Geltungsdrang geht dabei soweit, dass er Folterseminare abhält und sich schließlich auf ein perfides Spiel mit der Polizei einlässt.

Mit der Glaubwürdigkeit ist das so eine Sache, denn wo sind innerhalb der dreißig Jahre die sadistischen Veranlagungen geblieben und wie hat der Mann es fertig gebracht, einen scheinbar angepassten Spießbürger zu spielen? Solche Triebe sind latent vorhanden und können nicht mal eben verdrängt werden, schon gar nicht im Gegensatz zu dem, was den Killer letztlich Genugtuung und totale Zufriedenheit verschafft.
Denn akribisch setzt er sich mit anatomischem Basiswissen auseinander, damit ja keine lebenswichtigen Organe verletzt werden und die Qualen so lang wie möglich andauern, bevor der Tod eintritt.

Dabei ist es erschreckend, mit welch einer ruhigen Sachlichkeit der Schlächter zu Werke geht, während er den Zuschauern einzelne Schritte erklärt, etwa, wie effektiv man eine Hand mit einfachsten Werkzeugen bearbeiten kann und das Abtrennen von Fingern an jedem Glied durchaus zweimal erledigt werden kann. Wenn da ein Schraubenzieher am Fingernagel ansetzt, wird einem auch als erfahrener Zuschauer ein wenig mulmig.

Ein großer Verdienst solch eindringlicher Momente ist vor allem das sehr überzeugende Spiel des Hauptdarstellers Christian Wewerka, der den Bösewicht mit beängstigender Natürlichkeit verkörpert und auf mimischer Basis mit vielen Nuancen arbeitet.
Gleichermaßen kommt das grundsolide Handwerk hinzu. Besonders die Industrial-Klänge unterstreichen gekonnt die kühle, fast surreal anmutende Atmosphäre, während die Wahl, sowie die Ausleuchtung der spärlichen Kulissen effektiv arbeitet, nur manchmal ein wenig zu sehr auf visuelle Spielereien setzt.

Auf inhaltlicher Ebene lahmt die Geschichte hingegen ein wenig, was sich nicht zuletzt an der auffällig kurzen Laufzeit von rund 50 Minuten (ohne Credits) bemerkbar macht.
Zwar hilft das Voice-over der Hauptfigur ungemein, sich ein wenig in dessen diffuser Welt zurecht zu finden, doch ein wirkliches Vorankommen ist nur schwerlich auszumachen.
Es ist mehr die Momentaufnahme eines gestörten Menschen, der zum Höhepunkt seines Schaffens ansetzt. Spannend gestaltet sich das weniger, vielmehr konzentriert man sich auf einen kleinen Twist, der allerdings kaum verwundert und von vornherein nur konsequent erschien.

Somit fällt der Nervenkitzel ein wenig einseitig aus, - die Opfer sind folgerichtig völlig wehrlos auf dem Stuhl gefesselt und der Peiniger behält zu jeder Zeit die Oberhand, egal ob man Winkelschleifer oder Hammer und Meißel einsetzt.
Ordentlich blutig und von der technischen Seite her überzeugend fällt das Ganze zwar aus, doch beim Profil des Täters fehlt einem schließlich doch etwas Greifbares, was alles ein wenig fundierter erscheinen ließe.
Produktionstechnisch in Ordnung, doch mehr als ein leicht oberflächliches, wenn auch erschütterndes Portrait eines Psychopathen ist dabei nicht herausgekommen.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme