Sadististicum ist ein Film, der mich durch und durch überzeugt hat. Kaum zu glauben, dass ein so kleines Label, einen solchen Film, der mit Sicherheit zu einem Klassiker des Genres avancieren wird, produzieren konnte. Sadisticum gehört zu den Filmen, über die man noch tagelang nachdenkt und bei dem einem das Gesehene immer wieder beschäftigt.Es ist ein authentischer wirkender Film, der die erschreckende Gefühlswelt eines Psychopathen, sofern man von dieser überhaupt sprechen kann, detailliert darstellt.
Erschreckend ist die Unaufgeregtheit und Ruhe, die Christian Wewerka diesem Charakater verleiht. Für ihn ist es eine völlig natürliche Sache, dass er durch das Quälen von Menschen Befriedigung erzielen kann. Ihn interessiert mehr die Perfektionierung der Quälerei und damit seines Lustgewinns, als irgendein moralischer Konflikt.
Wewerka spielt hier einen neuen Typ des psychopathischen Verbechers, der allein durch die fehlende Empathie mit seinen Opfern und der Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt zu solchen Taten fähig ist. Man kann hier durchaus von einem neuen Typus von Gewaltverbecher sprechen, der bezeichnend für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist, die immer neue Exzesse der Gewalt erlebt, die in der mangelden Fähigkeit des Mitleids mit dem anderen ihre Ursache hat.Der psychopathische Killer bedient sich des modernen Kommunikationsmittel Internets um Gleichgesinnte zu finden und deren Bewunderung zu erlangen. Er sucht also gezielt eine voyouristische, an Gewalt sich berauschende Öffentlichkeit, der ebenfalls jeglicher Sinn für Moralität und Gewissen fehlt. Auch hier thematisiert Radtke in erschreckender Weise die moralische Verkommenheit unserer modernen Zeit, in der sich der kranke Bodensatz einer Gesellschaft mit Hilfe des Internets solidarisiert und eine Gegengesellschaft erschafft, in der ihre mörderischen Fantasien ausgelebt, akzeptiert und sogar bewundert werden:Mit gierigen Augen und sadistischer Freude beoabachten die Zuschauer jeden Schritt ihres Gastgebers, der sie in die "Kunst" des besonders qualvollen Tötens eines Opfers einweiht. Radtke zeigt in erschreckend realistischer Weise die Folterung der Opfer so detailliert, das es auch für abgebrühte Kenner des Horrorfilm Genres nicht immer leicht ist, das Geschehen auf dem Bildschirm weiterzuverfolgen.Sehr geschickt schafft es Radtke, den Spannungsbogen über die gesamte Laufzeit des Films aufrecht zu erhalten, der schließlich in einem actioneichen Finale endet, in dem eine SEK Einheit versucht Wewerka zu fassen und dabei selbst in die Falle des sadistischen Killers gerät.
Der Schluss nimmt eine überraschende Wendung und stellt dem Zuschauer unwillkürlich die Frage, inwieweit nicht auch im sogenannten "Durchschnitts- und Nornmalbürger" eine böse und sadistische Seite steckt.