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Mit Brian Bosworth drehte Regisseur Allan A. Goldstein zwei Filme: Die Gurke „Spill“ und diesen akzeptablen Actionthriller.
Hauptfigur ist der Banker John Gray (Brian Bosworth), der eines Tages von einem Auto angefahren wird. Zwar überlebt er ohne Verletzungen, doch leidet unter Amnesie. Er wird wieder in sein Leben eingeführt, doch vermischt Erinnerungen: Obwohl er keinen Alkohol trinkt, kippt er gerne Jack Daniels, hat Alpträume von Verstümmelung, wundert sich über den Verbleib einer Tätowierung am Arm usw. Das Ganze ist ziemlich geschickt gemacht, da man sich fragt, ob John eventuell von seiner (angeblichen) Ehefrau belogen wird.
Zudem schwirrt John noch eine Telefonnummer im Kopf herum, die sich als zu einer Bar in Los Angeles gehörig herausstellt. John ruft dort an, worauf der Wirt ihn beschimpft und als Wayne Garret bezeichnet. Auf diesen Namen befindet sich auch Schließfach in der Bank, in der John das findet, was immer in solchen Schließfächern ist: Viel Geld und eine Pistole (OK, es könnten noch Ausweispapiere auf einen anderen Namen drin liegen).

Zuhause findet John die Ehefrau nur noch ermordet vor und man versucht auch ihn zu töten, doch kurz darauf beguckt der Killer selbst die Radieschen von unten. John macht sich auf den Weg nach Los Angeles, um herauszufinden, was hinter der ganzen Sache steckt…
„Midnight Heat“ folgt zwar alten Genremustern, fängt aber immerhin sehr viel versprechend an: Die Frage nach Johns wahrer Identität und den Hintergründen für die ganze Chose lässt sich ausnahmsweise mal nicht nach 5 Minuten beantworten und an sich ist die ganze Angelegenheit recht geschickt konstruiert. Leider schafft Allan A. Goldstein es nicht, die anfängliche Spannung über die komplette Filmlänge hinweg aufrecht zu erhalten, sodass das Interesse an der Klärung mit zunehmendem Verlauf immer weiter abnimmt. Zum Schluss muss „Midnight Heat“ dann rund 1 Minute vor Schluss noch eine extradämliche Wende einbauen, die den Gesamteindruck vom sonst ganz gut erdachten Plot dann doch ein wenig schmälert.
Zudem hapert es bei „Midnight Heat“ öfter mal an kleinen Details, angefangen bei diversen sehr ausgelutschten Klischees. So hilft John einer Frau in der Bar und hat damit dann direkt Übernachtungsgelegenheit, wenn man ihn beinahe umgebracht hat, und Love Interest für später übrig (die Gute ist natürlich Single und hat auch nix Besseres zu tun als ihm bei seinen gefährlichen Recherchen zu helfen). Zum anderen sind die Dialoge etwas dämlich, zumindest in der deutschen Fassung (ob John auch im O-Ton laut vor Freude jauchzt, wenn er mit einem Jeep über Bahnschienen springt?).

Doch hier geht es nicht um Dialoge, sondern um Action und die ist nicht überragend, aber akzeptabel. Die beste Szene ist leider schon die erste Konfrontation zwischen John und den Fieslingen, die mit Autos und Schießprügeln ausgetragen wird. Im weiteren Verlauf kracht es noch ein paar Mal, meist wird geprügelt und sich unblutig erschossen, doch die Menge könnte mehr sein. Die Inszenierung ist OK, nur den letzten Kampf hätte man noch deutlich spektakulärer gestalten müssen, da er einfach kein vernünftiges Finale abgibt (der Showdown hätte etwas länger sein müssen). Der Härtegrad ist ganz OK, die FSK 18 Freigabe allerdings nicht so recht verständlich und die Indizierung ein schlechter Witz.
Als knüppelharter Undercovercop mag Brian Bosworth akzeptabel sein, aber in „Midnight Heat“ fällt sein Mangel an schauspielerischem Talent negativ auf: Mit nur anderthalb Gesichtsausdrücken kann man eben Freude über das wieder gefundene Gedächtnis, Trauer über den Tod der Frau, Angst, Wut und dergleichen halt nicht differenziert darstellen. Die Nebendarsteller sind nur geringfügig besser, lediglich Brad Dourif als Oberfiesling strahlt noch echtes Charisma aus.

Unterm Strich ist „Midnight Heat“ ein passabler B-Actionthriller mit recht gut erdachten Plot und netten Actioneinlagen. Schade, dass es etwas zu wenig kracht und die Spannung gegen Ende stark nachlässt.

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