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Footballer wissen oft nach dem Karriereende nicht, was sie denn jetzt machen sollen. Howie Long und Brian Bosworth sind jedenfalls beide auf die Idee gekommen, ihre Brötchen zukünftig mit Filme-Drehen zu verdienen. Dem anspruchsvollen Filmfan taten sie damit keinen Gefallen: Ihre B-Actioner sind zumeist mehr oder minder miese Dutzendware, für den Heimkino-Markt kostengünstig produziert. So auch „Midnight Heat", bei dem man annehmen könnte, dass nicht nur der Hauptdarsteller Bosworth, sondern auch der Drehbuchautor in seiner Karriere schon öfters eins auf die Birne bekommen hat.

Die Story: Der Bankier John (Bosworth) verliert nach einem Autounfall sein Gedächtnis und kann sich nur langsam wieder an seine Frau, seinen Job und sein Leben nicht erinnern. Doch einige Erinnerungen wollen partout nicht in das Leben eines pflichtbewussten Angestellten passen: John quälen Alpträume vom Knast, einer Gangstergang und Prügeleien. Langsam kommt er seinem Doppelleben auf die Spur: Früher war er unter dem Namen Wayne Garret scheinbar ein Krimineller. Er muss so schnell wie möglich seine wahre Identität herausfinden, denn seine ehemaligen Komplizen unter Führung von Payne (Brad Dourif, „Death Machine", 1995) wollen ihn töten...

Anhand dieser reißerisch-simplen Story lässt sich schon erkennen, dass den Drehbuchautoren von „Midnight Heat" nicht wirklich etwas Neues eingefallen ist. Nach temporeichen Beginn baut der B-Movie-Actioner kontinuierlich ab. Hin und wieder ein paar ganz passable Explosionen, ein paar ziemlich uninspirierte Schießereien und zaghafte Humor- und Schauspielversuche Bosworths, die zuweilen wie eine unfreiwillig komische Selbstparodie wirken, verleihen dem Film seine Schauwerte. Dennoch klaffen im Kitt zwischen diesen durchaus kurzweiligen Elementen riesige Löcher, von denen ich die zahlreichen Längen mal großzügig übersehen möchte. Das größte Manko: Erst zum Ende hin erfährt man, was „die Bösen" wirklich vorhaben und bis dahin beschränkt sich alles auf ein simples Baller-Festival ohne wirkliche Motivation. Das Drehbuch schleppt sich regelrecht über die Laufzeit von 90 Minuten und weißt doch erhebliche Lücken in der Substanz auf. Spannung vermag angesichts dieses Dilettantismus auch nicht aufzukommen. Selbst „Spill - Schleichende Seuche" - ein weiterer Bosworth-Film - war da besser.

Fazit: Für Freunde der gepflegten, leicht trashigen B-Movie-Action sehr unterhaltend, für alle anderen aufgrund intellektueller Unterforderung ermüdend bis langweilig. „Midnight Heat" ist ein Actionfilm mit niedriger Klasse, aber durchaus gelungenen Stunts. Deshalb mies, aber ansehbar.

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