Manchmal mag man jemanden aus dem Filmgenre nur für einen speziellen Film – und William Malones Debüt „Scared to Death“ (aka „Entsetzen“) ist leider nicht dieses Werk.
Der Regisseur, der sich solide im Horror- (oder Scifi-Horror)-Bereich breitgemacht hat, besitzt kein wirklich umfangreiches Portfolio, aber für seine Filme gibt es so manchen Liebhaber. Sein Debüt jedoch, da liegt noch einiges im Argen (gut, er war 27 damals), auch wenn man den Film als eine der Gründungsblaupausen vieler Schnellschüsse aus den späten 80ern und 90ern nehmen konnte, die im Kielwasser solcher Erfolge wie „Predator“ allerlei Monstren, Mumien und Mutationen auf urbanes Gebiet losließen.
Der Enthusiasmus hinter der Produktion ist spürbar – allein hapert es praktisch in allen signifikanten Bereichen an Geld, Kunstfertigkeit oder (Schnitt-)Talent, so dass die Produktion stark in Richtung Trash-Charme abdriftet.
Gut, es war das Debüt, er hat praktisch überall alles selbstgemacht oder mitgeholfen, es hat sein Auto verkauft und sein Haus beliehen und die Chose hat nur 74.000 Dollar gekostet. Wenn das stimmt, ist das Ergebnis geradezu sensationell.
Nach einem typischen Slasher-Intro, welches uns Zuschauern beweist, dass ein unheimlicher Frauenmörder umgeht, der offenbar ein wenig wie das Monster aus der schwarzen Lagune aussehen muss, rollt sich dann vor unseren Augen ein typisches Monstermovie ab, mit all seinen Fallstricken und typischen Versatzstücken.
Die Polizei kriegt mal wieder nichts gebacken, weil so ein Monster halt keine Fingerabdrücke hinterlässt und deswegen muss Ted Londergan ran. Oder doch lieber nicht?
Wer jetzt erwartet, dass Ted so eine Art ungeliebter Dirty Harry-Typ ist, der wird enttäuscht, denn Ted ist vielmehr Ex-Cop, weil er neben seines Talents ein humorig-galliger Nonkonventionalist ist, der die Aufgabe stets als eine Art Funjob betrachtet. So lernt er dann auch die hübsche Jennifer kennen, die offenbar die zweite Hälfte dieses Ermittlungsduos bilden soll, weil er nämlich in ihren Wagen reinfährt und sich dann aus der Affäre labern will, aber an ihr kleben bleibt.
Zunächst stehen die beiden auch erstmal nur für lustige Intermezzi zur Verfügung, während immer mal wieder unvorsichtige Frauen in längeren Filmsequenzen dem uns noch unbekannten Syngenor zum Opfer fallen. Eine davon, rund um eine Gruppe Rollerskater in einem Parkhaus gedreht, dauert etwa drei Zeitalter.
Dieser Häppchenplot geht vor allem deshalb so abgehackt voran, weil Malone den Film in nur vier Wochen drehte und offensichtlich den Cast für einzelne Sequenzen voneinander trennte, um die Szenen besser und schnell kontrollieren zu können. Also laufen die Figuren häufig allein durch Gänge, Kanalisationstunnel oder Gebäude und sollen für Spannung sorgen. Das hat aber auch zur Folge, dass gewisse Figuren relativ sinnbefreit sich in gefährlichen Situationen allein entfernen oder einfach mal kurz aus der Handlung verschwinden.
Für den nicht sehr zwingenden Plot braucht der Film nur 4 Rollen: Ted, Jennifer, eine geheimnisvolle Frau namens Cherry und Teds Ex-Partner Lou, der noch am ehesten seine Murmeln beisammen hat. Auch ja, und natürlich den Typen, der in dem Gummikostüm des Syngenor steckt, der hier den Damen stets das Rückenmark auslutscht. Irgendwann zwischen den wenig ergiebigen Ermittlungen (die übrigens so lange stocken, bis Sherry nach zwei Kurzauftritten dann endlich in den Plot gedrängt wird und die Backstory des Viechs zum Besten gibt, also bis zum letzten Viertel), packt (einigermaßen ordentlich designte) Lulatsch dann auch Jennifer, bringt sie aber entgegen seiner sonstigen Vorgehensweise nicht um, sondern infiziert sie mit irgendwas, was sie ins Krankenhaus und aus dem Plot holt. Ein Schelm, wer da an eine ungewollte Schwangerschaft denkt, aber das ließ Malone dann doch aus. Warum die Holde dann verschont wurde, weiß niemand, vielleicht lags an ihrer Bodylotion.
Insgesamt ist die Chose episodisch, erzählerisch leer, repetitiv und irgendwann auch sehr langweilig, weil man dann weiß, dass aus minimalen Mitteln und Bauten hier das Maximale an Zelluloid geprügelt werden sollte. Die Darsteller sind etwas, worüber man schweigen sollte, John Stinson bekam nie wieder eine Hauptrolle und Diana Davidson (Jennifer) trat sogar nie wieder vor irgendeine Filmkamera.
Erwähnenswert bleibt eigentlich nur das große Finale, welches in einer alten Fabrik stattfindet und bei dem man mal kurz bei James Cameron anrufen kann, ob er ggf. damals ein paar Anregungen entliehen hat – denn die beiden Nebenrollen des Quartetts machen den Gummimutanten mit einer Stahlpresse platt.
Für Monsterfans reicht das vielleicht trotzdem, man kann sich aber zwischendurch mal locker einen Kaffee machen oder ein Blech Kuchen backen, man verpasst nichts. (2/10)