Review

Was ist die Matrix?

Gute Frage, nächste Frage. Wie sind die Filme so?

Na ja. Polarisierendes Thema. Vorangehend sollte man auf jeden Fall einmal eine Lanze für diese Trilogie brechen und klar stellen, dass die Gebrüder Wachowski dem Kinopublikum seiner Zeit mit Sicherheit eins der innovativsten Filmkonzepte aller Zeiten aufgetischt hat: die Welt, wie wir sie kennen, ist eine von Maschinen generierte Scheindimension, um alles beherrschen zu können. Allerdings gibt es Rebellen, die hinter die Fassaden blicken konnten und nun von einer Stadt der echten, unterirdischen Welt respektive diversen von Raumschiffen aus gegen die Herrschaft der Computer ankämpfen. Dazu loggen sie sich in die Matrix – also die Welt, wie wir sie kennen – ein und suchen nach einer Lösung des Problems. Diese Lösung manifestiert sich in erster Linie in dem Hacker Neo, gespielt von Keanu Reeves, der schon in diversen unseriösen Filmen zuvor per Luftgitarre Erfahrung mit einem ähnlichen Thema sammeln konnte. Der wird von den Rebellen dann erweckt und kämpft dann zusammen mit diesen gegen das schier unschlagbare Regime vom Programmen.

Gar nicht mal so schwer zu begreifen, oder doch?

Allerlei schwerwiegende, hochphilosophische Ansätze verkomplizieren die Nachvollziehbarkeit der FX – Orgie drastisch, so Dinge wie Prophezeiungen, Vorherbestimmungen und, und, und machen das Action – Dauergewitter zu einem nicht selten sehr dialoglastigen Hollywoodspektakel.
Gegen all diesen ganzen Scheiss (mit Verlaub) steht zunächst einmal reichlich Action. Aber nix mit alter Schule, hier werden extravagante Akrobatik- und Schießeisenmanöver mit bildhübsch und teuer anzusehenden Special Effects verbunden, die – kombiniert mit den herrlichen Stop- und Slow Motion Effekten – für reichlich Aberwitz und Atemlosigkeit sorgen. So weichen die Kollegen in ihren netten Outfits Kugeln aus (oder halten sie schlichtweg an), ziehen diverse Superman - Nummern ab und prügeln sich in Martial-Arts-Einlagen, dass man meinen müsste, das eingenommene Speed hätte sie eigentlich auf der Stelle töten müssen. Dies rührt storytechnisch daher, dass die „Erwachten“ nun mal genau_das sind und durch ihr Begreifen der Matrix auch innerhalb dieser tun und lassen können, wozu sie lustig sind. Gerade der allseits beliebte Neo wird im Laufe der drei Teile echt immer krasser – auch wenn man sich leider mitunter ziemlich verarscht vorkommt, wenn man Zeuge diverser Actionszenen wird, die nur noch selbstzweckhaft eingespielt wurden und im Film rein gar keinen Sinn mehr ergeben. Gleichzeitig kommt ebenfalls sehr schnell die Frage auf, was an diesem Effektgewitter denn überhaupt noch echt ist. Wozu braucht es solche Kampfsportasse wie beispielsweise den allseits berüchtigten Daniel „Power Force“ Bernhardt, der als Agent Johnson ein paar echt gute Auftritte hat – aber letztlich alles aus der Computerretorte stammt?
Wo wir auch schon beim Thema Darsteller angelangt wären. Die Matrix warf ihre Akteure in reichlich extravagante Schale, und die Sonnenbrillen und Mäntel wurden zum Teil echt verdient zu Stil gebenden Modefaktoren. Reeves wirkt mehr wie ein übercooler Routinier, so auch Lawrence Fishbourne als wegweisender Morpheus, während Carrie-Anne Moss als Trinity (für mich ist und bleibt sie eine der Schönsten dieser Welt) die Lackquote aufrecht erhält und gerade in ihren emotionalen Parts nicht nur mich voll auf ihre Seite ziehen kann. Ansonsten finden sich die größten Stärken eher in den Nebenrollen versteckt: Joe Pantoliano ist immer noch Over the Top, und Hugo „Elrond“ Weaving als Agent Smith zieht mir gerade während der beiden Sequels diverse Lacher hervor.

Lobenswert sei sowieso irgendwie der ganze Stil der drei Streifen zu erwähnen (um mal wieder was auf die Habenseite zu schreiben). Die Soundtracks sind jedes Mal einsame Spitze, und ein paar von ihnen haben sogar den Weg in mein CD-Regal gefunden. Die Outfits sind schlichtweg cool, da kann man nix dran rütteln, und sehr häufig kommt atmosphärische Dichte bei dem ein oder anderen Schauplatz auf – ich denke da zum Beispiel an das Gespräch zwischen Neo und dem Orakel auf dem Innenhof im zweiten Teil oder die unzähligen nächtlichen Stadtbilder, kombiniert mit diversen, kühlen Farbfiltern, die an nackte Technomanie unseres Zeitalters erinnern. Wollen wir aber mal nicht zu tiefgründig werden, denn – so hart das klingen mag – so tiefgründig ist der ganze Matrix – Firlefanz leider nicht. Der letzte Teil der Reihe verpasste dem Ganzen dann noch den endgültigen Knockout; denn die endlosen Ballereien in der „richtigen“ Welt kranken meiner Meinung nach an zuviel ekligem Dramatikschmalz und lassen viel von den Grundzügen des ersten Teils vermissen. Während Teil zwei mit der Hatz nach dem Schlüsselmacher noch einigermaßen die Balance hielt und viele Parallelen zum genialen Urfilm aufrecht erhalten konnte, geht’s in Teil 3 echt nur noch den Bach runter...

Nun, eine Bewertung fällt schwer. Ich habe auf jeden Fall eine Note vergeben, die für die gesamte Serie steht, und die kann aufgrund des ständig nach unten gehenden Trends nicht höher ausfallen als so.

Klappe und Action.

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