Review

Ich muss zugeben, dass ich einer von diesen Leuten waren, die Matrix nie gesehen haben, weil all die Parodien auf die bekanntesten Szenen dem Interesse an dem Film deutlich einen Kinnhaken verpasst haben. Ich dachte mir, dass ich so einen Film nie ernst nehmen kann, wo solche Szenen vorkommen - vor allem die, in der Neo einer Pistolenkugel ausweicht. Letztendlich wurde mir der Film doch mal vorgeführt und ich war positiv überrascht, auch wenn ich mir bei diesen bestimmten Szenen ein grinsen nicht verkneifen konnte.

Aber so seine schön komplexe Story wie die von Matrix war im Moment wie ein angenehmer, kalter Windhauch, nach all dem inhaltlichen Müll, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Endlich mal wieder etwas zum mitdenken. Obwohl alles so vielschichtig ist, werden nur relativ wenige Charaktere vorgestellt, weswegen man nie den eigentlichen Grundkern aus dem Auge verliert. Diese Geschichte rund um die Agenten, die Matrix und generell der Weltansicht war und ist noch relativ unverbraucht, weswegen kaum Langeweile aufkommt. Alles ist groteskt dunkel oder surreal, dagegen wirken die Szenen, die innerhalb einer normalen Wohnung oder einer einfachen Straße spielen, beinahe bieder.

Am dem Aufbau gibt es kaum etwas zu meckern. Am Anfang beginnt zwar alles recht unüblich und grell, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an diesen Stil. Hänger gibt es eigentlich nie, eine spannende Szene folgt auf die nächste. Höchstens für einen, der sich die Filme öfters ansieht, kann sowas wie Trägheit aufkommen, wenn die Matrix immer wieder erklärt wird, Wunderkind Neo mit Morpheus trainiert oder ein Komplott im Gange ist, was man schon vorraussieht.

In so einem komplexen, dichten Märchen kann es allerdings mehrmals vorkommen, dass sich einige merkwürdige Fehler einschleichen oder eine unfreiwillig komische Szenenabfolge. Zum Beispiel wenn Neo sich nach hinten wirft um den Kugeln auszuweichen - es wirkt beinahe lachthaft, dass er letztendlich trotzdem von einer Kugel getroffen wird. Sowas verzeiht man aber relativ gern. Doch trotzdem wirkt einiges auch abnormal-amüsant, so zum Beispiel beinahe jede Verrenkung in der Matrix. Wenn Leute hundert Meter weit springen, zu eine Million Schläge in der Sekunde ausholen oder rumballernd Wände entlangen laufen. Von dem sagenumwobenden Orakel mal ganz abgesehen, was sich als handelsübliche Hausfrau in einer Mietwohnung rausstellt. Eigentlicht ist es nebenbei gesagt schade, dass ein Film durch all seine unzähligen Parodien fast gar nicht mehr ernst genommen werden kann, wenn man sich als Zuschauer nicht zusammenreißt.

Die Schauspieler sind auch nicht weiter zu beklagen. Keanu Reeves spielt den Neo durchweg sympathisch und gleichzeitig mit der nötigen Portion Ernst. Laurence Fishburne stellt den Morpheus vielleicht etwas zu mystisch da, während Carrie-Anna Moss anscheinend kaum ein einziges mal im Film lächelt oder gar lacht - stattdessen sagt sie recht häufig "Scheiße", was in der allgegenwärtigen Situation allerding auch verständlich ist.

In Klischees driftet alles relativ selten ab, auch wenn sich die Drehbuchautoren auch hier am Ende den ein oder anderen Fopa geleistet haben. Zum Beispiel dass Neo erst zu dem unglaublichen Auserwählten wird, wenn eine Frau ihm sagt, dass sie ihn liebt. Das ist doch leider langsam doch eine 08/15 Standart-Lösung für solche Filme, und nach 10 weiteren Jahren Existenz kann sowas unter Umständen sogar nerven.

Trotzdem ist Matrix ein überdurchschnittlicher Film geworden, der eine komlexe Dichte gekonnt mit Popcorn-Kino kreuzt und gerade deswegen wohl so erfolgreich geworden ist. Es stimmt zwar, dass einiges nach einem Jahrzehnt nur noch unfreiwillig lustig rüberkommt, aber da der ganze Film aus sowas ja nicht besteht, kann man zugunsten der einwandfreien Handlung gerne mal vergessen.

Fazit

Sehr sehenswertes Sci-Fi-Märchen, was es schafft, die Ebene der Komplexität mit der des Action-Kinos zu verbinden. Teilweise gut aufgelegte Schauspieler versüßen einem den Filmgenuss, während man einige berühmte Szenen schlichtweg nicht mehr ganz ernst nehmen kann.

8/10

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