The Matrix
Inhaltsangabe spare ich mir diesmal, ich denke jeder (außer meiner Mutter) kennt diesen Film. Wenn nicht: GUCKEN!
Bewertung:
Film 8.5/10
Begründung:
Ja, mal wieder ein Klassiker. Hab mir heute in der Schule vorgenommen, mal wieder Matrix zu schauen, nachdem wir einen Ausschnitt in Philosophie interpretiert haben.
Matrix ist auf jeden Fall einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ausgewogener kann ein guter Action-Sci-Fi-Special-Effect-Thriller kaum sein: eine sehr gute Story, die ein sehr altes, philosophisches Thema wieder aufgreift, gepaart mit klasse Action und guten Darstellern. Der erste Teil des Films wird von der Story dominiert, zieht sich aber nie in die Länge. Die Wachowski Brüder schaffen es, ein sehr komplexes Thema ausführlich zu erzählen, und trotzdem den Film nie langatmig werden zu lassen. Kurze, packende Actionszenen, choreographiert von Yuen Wo-Ping ('Crouching Tiger, Hidden Dragen') lockern das Thema immer wieder auf und lassen dem Zuschauer kaum eine Atempause. Da man als Zuschauer mit Neo in die reale Welt und in die Matrix eingeführt wird, sind die Erklärungen auch nicht zu abgehoben und, zumindest für mich, immer nachvollziehbar (obwohl ich schon von vielen Leuten gehört habe, das sie nicht unterscheiden konnten zwischen realer Welt und der Matrix).
Die Darsteller sind allesamt Top. Zwar fordert 'The Matrix' keine wirklich hervorragende schauspielerische Leistung, doch was gefordert wird wurde gut umgesetzt. Jeder Charakter ist absolut cool gezeichnet und am liebsten würde man als Zuschauer in die Welt von Neo, Morpheus und Trinity eintauchen. Gleich zu Beginn identifiziert man sich mit Neo: man weiß nicht, was vorgeht und vorallem nicht, was denn die Matrix ist.
Ich könnte mir niemand anderen als Keanu Reeves als Neo, niemand anderen wie Laurence Fishburne, der Morpheus verkörpert und natürlich niemanden außer Carrie-Anne Moss für Trinity vorstellen. Das sind, bisher, auf jeden Fall die Rollen ihres Lebens und auch die Rollen, die sie weiterhin prägen werden. Ich könnte zum Beispiel nie 'Memento' gucken, ohne an Trinity zu denken.
Auch die Nebenrollen sind alle gut besetzt, obwohl mir Apoc und Swich allein vom Erscheinungsbild nie wirklich gefallen haben. Beide wirken im vergleich zu den Hauptdarstellern sehr uncool und untalentiert. Zum Glück sterben ja beide recht früh ;) .
Die Bilder in 'The Matrix' finde ich auch sensationell. Gerade die Kamera macht den Film zu dem, was er jetzt ist: einer der besten Actionfilme überhaupt. Angefangen von unzähligen Spiegelungen der Charaktere in den Sonnenbrillen, was ich für einen sehr coolen Effekt halte, bis zu Aufnahmen von Kugeln in Slo-Motion, die auf den Boden fallen. Sowas sah man, zumindest im westlichen Kino, noch nie und gerade das zeichnet 'The Matrix' aus.
Natürlich habe ich jetzt das wichtigste Stilmittel weggelassen: die mittlerweile (leider zu oft) kopierte Bullettime, zu der mir, vor 'The Matrix', kein Film einfällt, der so etwas schon einmal eingesetzt hat. Die Slo-Motion Kameraschwenks passen ideal zum ganzen perfekt choreographierten Gesamtbild des Film und unterstützen außerdem auch die Story: nur durch die Bullettime kommt die Schnelligkeit der Agenten bzw. von Neo passend rüber. Man erkennt gleich, wie übertrieben und unmenschlich die Bewegungen sein müssen, wenn sie selbst in verlangsamter Version spektakulär aussehen.
Auch die Farbgebung finde ich sehr gut gelungen. Die Matrix sieht immer ein bisschen grün aus, genau wie auch der Code. Eine Analogie ist unverkennbar. Hingegen ist die reale Welt düster und blau gehalten, weswegen ich auch die oben erwähnten Leute nicht verstehen kann, die beide Welten nicht auseinander halten konnten. Allein durch die Optik geschieht das ohne Probleme, ganz zu schweigen vom logischen Aspekt.
So, nun der, meiner Meinung, für mich interessanteste Teil meines Reviews: die Interpretation. Wie schon gesagt, wir haben und heute in Philosophie mit dem Film beschäftigt, genau gesagt mit der Szene, in der Neo vor die Wahl gestellt wird (auch ein zentrales Motiv des Films): die rote oder die blaue Pille und anschließend in der realen Welt aufwacht.
Wie ich oben schon erwähnt habe, wurde ein sehr altes Thema aufgegriffen und in einen modernen Kontext gebracht: Platons Höhlengleichnis.
Für alle, die es nicht kennen: Man stelle sich vor, es gäbe eine Gruppe von Menschen, die bereits ihr ganzes Leben in einer dunklen Höhle eingesperrt und angekettet sind. Außer einem Feuer, was hinter den Gefangenen lodert, dringt kein Licht in die Höhle. Also ist auch das einzige was sieh sehen, ihre Schatten an den Wänden. Würde man nun einen dieser Gefangenen aus der Höhle herausführen und ihm die wirkliche Realität zeigen, wäre er natürlich total überwältigt, da er bisher nichts anderes kannte außer der Höhle und den Schatten an der Wand.
Die Analogie zu 'The Matrix' ist klar: Neo ist der, der aus der Scheinwelt von Morpheus hinausgeführt wird. Dabei ist natürlich zu unterscheiden, das im Fall von 'The Matrix' die reale Welt nicht besser ist als die Scheinwelt, eher umgekehrt. Also birgt der Film auch noch ein Ethisches Problem: Darf Morpheus Neo überhaupt die reale Welt zeigen, und Neo somit seinen Traum einer durchaus besseren Welt berauben?
Man könnte über diese, und viele andere Ansätze weiter diskutieren, aber ich finde das allein die Fragestellung genügt um euch zum Nachdenken anzuregen. Und gerade das schätze ich auch so an 'The Matrix' - dass ein hoch philosophisches Thema gut in das Mainstreamkino untergebracht werden konnte. So kann die Masse auch mal ansatzweise erleben, wie das ist, wenn man sich Stundenlang den Kopf über Filme von David Lynch oder Donnie Darko o.ä. zerbricht, die natürlich noch viel anspruchsvoller sind als die vorgekaute These in 'The Matrix'.
Alles in allem natürlich ein Top Film, ich würde sagen auch auf jeden Fall in meiner Top10 ever. Ich hoffe, Teil 3 führt die Story sinnvoll zu Ende, dann wird nicht nur der erste Teil einer meiner All-Time-Favorites bleiben.