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Thomas Anderson hat zwei Identitäten: Auf der einen Seite ist er unter seinem bürgerlichen Namen bei einer Software – Firma angestellt, auf der anderen ist er ein Hacker, der unter dem Namen Neo bekannt ist. Schon seit langem quält ihn die Frage, was die Matrix ist. Aufklärung bringt Morpheus, einer der gesuchtesten Computerverbrecher der Welt: Die Matrix ist die Welt, in der die Menschheit glaubt zu leben. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um ein komplexes Computerprogramm, erstellt von den Maschinen, welche die Menschheit in der „wirklichen“ Welt versklavt haben und sie als Batterien für ihren Energiebedarf missbrauchen. Nur wenige konnten sich aus ihrem Joch lösen und versuchen nun, gegen den schier übermächtigen Gegner zu kämpfen, den sie selbst erschaffen haben. Morpheus hält Neo für den Auserwählten, der laut Prophezeiung den Menschen die Freiheit bringen soll. Doch auch die Maschinen sind nicht untätig: Ihre Agenten, fast unbesiegbare Computerprogramme, machen erbarmungslos Jagd auf Neo...

Man kann getrost sagen, dass mit „Matrix“ eine neue Ära des westlichen Kinos angebrochen ist. Auf geniale Art und Weise ist es den Brüdern Wachowski gelungen, die Ästhetik des fernöstlichen Kampfsports mit klassischen Science – Fiction – Elementen zu verbinden und so aus verschiedenen Einflüssen etwas völlig Neues zu kreieren. Von der Brachialität „80’er Jahre – Action“ abgerückt, setzt „Matrix“ weniger auf Rohheit oder Gewalt, als vielmehr auf Eleganz und Akrobatik. Natürlich ist Kennern des Hong – Kong – Kinos diese Art der Ästhetik alles andere als fremd, in Kombination mit den Elementen des westlichen Kinos entstand jedoch eine Mischung, die bis zu dem Zeitpunkt einzigartig war.
Die Handlung ist für einen Mainstream – Film sehr intelligent, man könnte sie grob gesagt als eine Mischung aus „Terminator“ – Motiven und „Dark City“ bezeichnen, nur daß „Matrix“ einen sehr viel philosophischeren Unterton besitzt, als beide Erstgenannten. Natürlich kann man dem Film schon anlasten, ein wenig zu sehr bei „Dark City“ geklaut zu haben, das Endergebnis hat jedoch kaum etwas mit dem Werk von Alex Proyas zu tun und wirkt damit zu jedem Zeitpunkt eigenständig.

Was „Matrix“ allerdings so einzigartig macht, ist die visuelle Umsetzung des Geschehens. Die Actionszenen und auch der Rest der Aufnahmen glänzen durch viele, geschickt eingesetzte Kameratricks und optische Spielereien. Die berühmteste davon ist wohl die „Bullet – Time“ Technik, die durch den Einsatz von vielen verschiedenen Kameras eindrucksvolle Schwenks bei eingefrorenem Bild erlaubt. Diese ist bis heute oft kopiert und parodiert worden und wird wohl auch in Zukunft die Ästhetik der Actionfilme maßgeblich mitbestimmen.
Dazu kommen die schwarzen Mäntel und Sonnenbrillen der Protagonisten, welche die Mode seither entscheidend mit beeinflusst haben.

Die Schauspieler liefern eine insgesamt gute Leistung ab. Keanu Reeves, sicherlich nicht der Talentierteste seines Faches, spielt Thomas Anderson/Neo und ist damit quasi über Nacht zu einem der gefragtesten Stars in ganz Hollywood aufgestiegen. Zwar hat er auch schon zuvor Hauptrollen in erfolgreichen Filmen bekleidet, aber die Figur des Neo hat sein Image nachhaltig geprägt.
Als Morpheus ist Laurence Fishburne zu sehen, der eine Glanzleistung in „Boyz in the hood“ hingelegt hat und auch „Matrix“ durch seine Präsenz bereichert. Es wäre schön, ihn in nächster Zeit wieder häufiger im Kino sehen zu können.
Trinity wird von Carrie – Anne Moss verkörpert. Auch, wenn sie in den Fortsetzungen eher störend auffällt, passt ihre Figur im ersten Teil noch perfekt ins Gesamtbild.
Sehr gut ist vor allem Hugo Weaving, der in der Rolle von Agent Smith zu sehen ist. Seine extrem ruhige Art, gepaart mit dem völligen Unverständnis für das Verhalten der Menschen lässt ihn aus der Liste der üblichen Filmbösewichte positiv herausstechen.

Die Musik von Don Davis unterstreicht mit ihren elektronischen Verzerrungen und Effekten die Atmosphäre von „Matrix“ perfekt. Nicht zuletzt durch diese werden die Bilder so eindrucksvoll.

Man kann den Film mögen oder hassen, aber es ist unmöglich, an diesem Phänomen vorbeizukommen. Somit haben Andy und Larry Wachowski mit "Matrix" wirklich eine Art modernen Klassiker geschaffen, der genreübergreifend für frischen Wind im westlichen Kino gesorgt hat. Beim ersten Mal Ansehen ist mir lediglich das abrupte Ende negativ aufgefallen. Vor dem Hintergrund der beiden Fortsetzungen ist dies allerdings verständlich.
9/10 Punkte

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