Ende des letzten Jahrtausends schaffte es ein bis heute faszinierender Film in die Kinos, hinterließ damals bei mir einen bleibenden Eindruck. Es ging um eine vorgegaukelte Realität, in der wir alle uns bewegen, der wirklichen Welt dahinter und dem Kampf um die Freiheit.
Geschrieben und inszeniert von den Wachowski-Geschwistern bot „The Matrix“ dabei nicht nur eine faszinierende Optik, der Film füllte diese auch mit existenziellen Fragen und einer für Genreverhältnisse tiefgründigen Geschichte. Zwar waren die inhaltlichen Zutaten nicht unbedingt brandneu, doch wie sie arrangiert und ausgespielt wurden, begeisterte damals und tut dies überwiegend auch noch heute.
Ist Realität Ansichtssache, wählt man sich diese aus oder ist sie unausweichliche Vorgabe? Philosophisch angehaucht durchziehen solche Fragen das ganze Konzept, wirken dabei aber nie zu verkopft. Dazu trägt auch bei, dass man nicht an Exposition spart, aufgrund der Thematik wird das aber nie langweilig und bleibt immer interessant – wobei sich das Skript bisweilen merklich selbst gerne reden hört. Auch der religiöse Mitschwung, der vielleicht nicht vermeidbar ist, stößt etwas auf in solch einem technisierten Szenario. Dazu ist die Gegenüberstellung Mensch – Maschine recht einfach gehalten, bietet aber trotz dieser Dualität noch genug Facetten.
Eine Zweiteilung findet sich auch in der optischen Präsentation wider, am auffälligsten sind hier wohl die Farbfilter in Grün und Blau für die jeweilige Ebene. Doch auch sonst ist „Matrix“ visuell mehr als ansprechend. Kamera, Licht und Setdesign sind auffallend gelungen, nur bei manchen digitalen Effekten (die damals Bombe waren) ist das Auge aus heutiger Sicht vielleicht verwöhnter und so sieht nicht mehr alles frisch aus. Störend ist dies allerdings nicht, dazu stimmt zu vieles. Die schön choreographierten Nahkampfszenen, auch mit Wirework realisiert, fetzen einfach, gleiches gilt für die Einsätze diverser Feuerwaffen. Zeitlupen, schwarze Klamotten und Bullett-Time. Chic.
Der Cast ist passend gewählt, Keanu Reeves als Neo taugt als Identifikationsfigur, Carrie-Ann Moss und Laurence Fishburne komplettieren das zentrale Trio charismatisch. Ein Highlight ist noch Hugo Weaving als stoischer Agent Smith, seine Ausführungen trägt er mit einer brodelnden Kälte vor.
Der von Don Davis beigesteuerte Soundtrack untermalt okay, mehr im Gedächtnis bleiben da die angespielten Songs von Rob Zombie oder der Propellerheads. Style wird hier groß geschrieben, aber im Vergleich zu so manchem Genrekollegen geht das hier Hand in Hand mit einem ansprechenden Inhalt und ist somit Ergänzung und nicht Alleinstellungsmerkmal.
Und wenn am Ende „Wake up“ von Rage Against the Machine aus den Boxen knallt, hat man einen modernen Klassiker des SciFi-Action-Kinos gesehen. Eine faszinierende Geschichte in exzellenten Bildern, wenn auch der Zahn der Zeit an manchen Effekten genagt hat und man trotz des gelungenen Konstrukts nicht alles hinterfragen sollte. Trotzdem lohnt es immer wieder, in „Matrix“ einzutauchen.