„Faces of Gore“ ist ein pseudodokumentarischer Film, der dem Publikum ganz genau das zeigt, was es nie geglaubt hat erblicken zu können oder zu müssen. Er zeigt dem Zuschauer Bilder vom Tod. Da geht es um verkohlte Leichen nach einem Brandunglück oder zermalmte Körper nach Motorradunfällen. Man sieht strangulierte Selbstmörder – Tage nach ihrem Tod und das, was ein aufgebrachter Volltrunkener mit einer abgebrochenen Flasche so alles anstellen kann. Die Dokumentation zeigt also Bilder, die Normalbürger sonst nie zu sehen bekommen würden und das über anderthalb Stunden. „Faces of Gore“ zeigt das alltägliche Leid und hält mit der Handvideokamera voll drauf. Das Filmmaterial stammt größtenteils aus asiatischen Ländern. Wie man an die Rechte kam, das alles zu veröffentlichen, ist mir zwar ein Rätsel, aber ich gehe davon aus, dass die Toten wohl vorher kaum um Erlaubnis gebeten wurden. Der Film wird von einem dusseligen pseudo- moralischen Kommentar begleitet, in dem es immer wieder irgendwelche Warnungen gab: „Fahre nie besoffen alles zu Schrott“, „Steche im Suff nie mit abgebrochenen Flaschen um dich“. Immer ist natürlich der erhobene Mittel…ähhh Zeigefinger im Spiel. Das Pseudomoralische zeichnet sich aber größtenteils durch die lächerliche Moderation eines gewissen Dr. Vincent van Gore aus. Das Schicksal der Toten wird allein schon durch diesen Namen ins Lächerliche gezogen. Ein weiterer Tiefpunkt ist dann wieder ein Pseudointerview mit einem Pseudokiller, der anscheinend nur alle sofort umbringen will – lächerlich! „Faces of Gore“ entspringt einer pseudomoralischen Gesellschaft, die den Tod tabuisiert - einer Gesellschaft, die das Schönsein – das Jungsein vergöttert und den körperlichen Verfall und das Siechtum als nicht akzeptabel, nicht zeigbar und pervers darstellt. Nur in so einer Gesellschaft ist es überhaupt möglich das Leid Anderer als Videounterhaltung für zwischendurch zu konsumieren. Tot als Unterhaltung. Der Tod als Reality-Soap. Kann der wirkliche Tod unterhalten? Ja er kann. Zumindest haben die Bilder mich unterhalten. Wer niemals echte Tote sehen musste, für den kann es ganz sicher interessant sein – unterhaltsam sein, die grässlich entstellten Leichen zu sehen. An den Anblick gewöhnt man sich schnell und dann ist das Tabu gebrochen. Man hat dann das ganz Normale gesehen. Zusammen mit dem Leben, das Normalste der Welt – den Tod. Ist man pervers, wenn man Tote sehen will? Nein, nur neugierig. Pervers ist die Gesellschaft, die den Tod tabuisiert. Wer gerne mal Leichen sehen möchte, sollte sich „Faces of Gore“ also ansehen. Das Beste ist man stellt die DVD-Anlage auf Stumm, um vom idiotischen Kommentar des Dr. van Gore verschont zu bleiben. „Faces of Gore“ kann dann allein durch die Authentizität seiner Bilder beeindrucken. Das sind Bilder, die dem Zuschauer sonst vorenthalten bleiben, da man ihm nicht zumutet, diese verkraften zu können. Wenn man es nicht so mit Leichen hat oder wenn man einen schwachen Magen hat oder sonst auch kein Blut sehen kann etc., sollte man die Finger von dem Film lassen. Zwar handelt es sich hier um ein halbseidenes Nischenprodukt aus der rechtlichen Grauzone, pseudodokumentarischer Rumfilmerei, jedoch ist mir kein anderer Film bekannt, der so schnörkellos und offen den Tod in all seiner natürlichen Grausamkeit zur Schau stellt.