Review

INHALT

Es wird parallel das Leben des Mörders Ulrich Lenz (Josef Hader) der Tochter des Vaters Peter Grabowski (Matthias Habich) über viele Jahre nach der Tat bis hin zu der Verhaftung gezeigt.

BEWERTUNG

Diese lapidare Beschreibung lässt einen lauen Vorabend Film vermuten der über eine Fernsehaustrahlung nicht hinauskommen kann. Dies ist nicht so. Es handelt sich um ein unglaublich intensives und athmosphärisch dichtes Drama mit sehr guten Schauspielern. Die beiden Protagonisten leben beide in Ihrer nach innen intensiven, nach aussen normalen Welt und das hadern mit den Ereignissen aus der jeweils gegenteiligen Sicht wird sehr gut transparent. Es geht also nicht wie meist in den Filmen um die Aufklärung der Tat, sondern um das Überleben mit oder auch trotz der Tat auf der Täter- und Opferseite.

In den gezeigten ca. 15 Jahren der Handlung wird durch die Verfeinerung der DNA Analyse der Ring um den potentiellen Täter immer enger gezogen. Ein Grossteil des Films schildert allerdings die Jahre zuvor, das Ringen des Täters um ein normales Leben, seine kurz hervorblitzenden Gewaltausbrüche in seinen zerrissenen Beziehungen und das übermächtige Bangen als Täter nicht verhaftet zu werden und das letzte was noch wichtig ist, seine Tochter, auch noch zu verlieren. Auf der Gegenseite scheint es so, dass der Vater sich erhebliche Vorwürfe bezüglich des Todes seiner Tochter macht und auch niemals mit der Tat emotional abschliessen könnte.

Somit eskalieren diese beiden zugespitzten Seiten in intensiver Weise als der Täter gefasst wird und sich auch die beiden sogar persönlich begegnen. Hier soll nicht zu viel von der Story verraten werden. Hier beginnt eine zusätzliche inhaltliche Tiefe und Stärke des Films. Unerwarteterweise hält der Film am Ende noch einen gehörigen Story-Twist parat auf den man im Laufe der Handlung kaum kommen konnte und der noch weiter zur Aufwertung des Film beigetragen hat.

Der Film zeigt in sehr eindringlicher Weise dass der Täter keine wilde Bestie, sondern ein Mensch "wie du und ich" ist und dass die Menschen durch ihre humanistische Einstellung zum Leben - unabhängig von Religionen - in der Lage sind sich zu verändern und anderen zu vergeben und neue Wege zu gehen. EIN HALBES LEBEN ist ein ultra-realistisches Drama welches alle oben genannten Faktoren in knapp 90 Minuten so verdichtet, dass selbst mir als hartgesottenen Seher auch härtester filmischer Elaborate am Ende des Films die Augen feuchter waren als zuvor. Diesen Emotionalitätskick möchte ich mit einem Sonderpunkt bewerten.

9/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme