Review

Eine neue Leere

Eine italienische Familie mit zwei Kindern im Teenageralter lebt ein auf den ersten Blick ziemlich glückliches und normales Leben. Doch ein trauriger Schicksalsschlag stellt ihr Leben auf den Kopf und ihren Zusammenhalt auf die Probe…

Liebe deine Nächsten

Manche Filme und Filmemacher brauchen nicht viel, um einen wahrhaftig zu rühren und zu berühren. Das echte Leben reicht. Mitsamt der Trauer und dem Tod, der da manchmal über einen kommt. Doch wer schafft es schon, dieses „echte Leben“ und wahrhaftige Emotionen auf Film zu bannen? Nanni Moretti und „La Stanza Del Figlio“ zum Beispiel. Eine Familie, ein Schicksalsschlag, große Gefühle in kleinen Gesten. Wie gut kennt man seinen Sohn? Was, wenn das Unglaubliche passiert, und man wirklich seinen Sohn überlebt? Etwas, das kein Vater je wollen würde? Wie verarbeitet man das? Kann man danach noch anderen Schmerz fühlen? Noch arbeiten gehen? Sich als Psychiater die Sorgen anderer anhören? „Das Zimmer meines Sohnes“ überspannt den Bogen nie, weder in Sachen Trauer noch Tragik, nicht in Sachen Laufzeit und Längen, geschweige denn Kitsch und Klischees. Dieses italienische Drama ist einfach echt. Und doch geprägt von einem sensationellen Soundtrack, starken Darstellern und einer fast schon trocken-warmen Anti-Hollywood-Art. Wie aus dem echten Leben. Und doch poetisch as heck. Das kann einen praktisch nicht kalt lassen. Zeitlos. Toll. Ein europäischer Dramaklassiker der 00er. Intim. Persönlich. Geradeaus. Leise und bei einem bleibend. Understatement und Wahrhaftigkeit. Blicke, die Bände sprechen. 

Fazit: sehr minimalistisches, natürliches, ruhiges und realistisches Familiendrama, in dem generisch, trist und klischeehaft klingende Themen wie Elternschaft, Trauer, Tod, Abschied und familiärer Zusammenhalt sehr, sehr, sehr angenehm und kraftvoll und pietätvoll rübergebracht werden. Stark. Nicht nur italienisch. Nicht nur männlich und väterlich. 

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