Nach seiner Malerausbildung verschlägt es Michelangelo Merisi da Caravaggio nach Rom. Krankheit und Erfolglosigkeit lassen den jungen Künstler bald verzweifeln. Erst als Kardinal Del Monte sein Talent erkennt, erhält der Maler gut bezahlte Aufträge. In einem Gasthaus begegnet er dem Spieler Ranuccio und dessen Freundin, der Prostituierten Lena. Das Paar steht dem Maler nicht nur Modell, es entwickelt sich zwischen ihnen auch eine Dreiecksbeziehung. Lena macht die Bekanntschaft des einflussreichen Kardinals Borghese. Als sie schwanger wird, ist unklar, wer der Vater ist.
Caravaggio ist sicher nicht das, was man unter einem Mainstream Film verstehen könnte, sondern eher ein sehr künstlerisches Portrait eines Künstlers, dessen wildes Leben bereits 1610 nach nicht einmal 40 Jahren ein unrühmliches Ende fand. Allerdings dürfte dieser britische Fernsehfilm mehr für ein Nischenpublikum interessant sein, denn man versuchte quasi dem Thema geschuldet auch die Erzählweise arg in die künstlerisch experimentelle Ecke zu drängen. So springt man beispielsweise auch munter durch die Altersstufen des Barockmalers, beginnend dem Tode nah auf dem Sterbebett, hin zum Jugendalter, als er mit seinem Talent die Kirche auf sich aufmerksam macht und so durch deren Aufträge der beißenden Armut entkommen kann. Alles sehr ungewohnt für Otto Normalseher.
Ich hab beispielsweise keine Ahnung, warum man permanent künstliche Anachronismen, wie Taschenrechner oder elektrisches Licht eingebaut hat, oder warum ständig so ein homoerotischer Unterton durchs Bild schwebt, wenn Caravaggio vorzugsweise halbnackte Kerle portraitiert. Er holt Kerle von der Straße und baut da so etwas wie eine WG auf, die dann aber auch zu einer fatalen Dreiecksbeziehung führt. Die Bordsteinfreundin seines Kumpels wird schwanger, keiner weiß von wem, und kurze Zeit später tot aufgefunden, was dann zu Caras Verbannung führt.
Keine Ahnung inwieweit das alles historisch korrekt ist, aber allein durch die Einbeziehung zahlreicher Erfindungen, die es damals einfach noch nicht gab, scheint hier doch ein sehr freizügiger Umgang mit den historischen Fakten vorgeherrscht zu haben. Auch das Budget gab kaum etwas her, die Ausstattung fiel doch sehr spartanisch aus und so mußte man sich eben mehr auf die Dialoge verlassen. Ich fands doch sehr trocken das Ganze und ähnlich wie bei Tempest, muß man doch sehr Kunstaffin sein, um hier vielleicht fasziniert zu sein. Mir war es dann doch etwas zu schwer verdaulich.
4/10