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Vier Jahre lange hatte man nichts mehr von Louis Morneau gehört, dann meldete er sich mit einem direct to video Sequel zurück „Joyride 2“.
Hier geht ein Jungvolkquartett, zwei Mädels, zwei Typen, ergo zwei Paare auf den Trip über die gefährlichen Highways: Melissa (Nicky Aycox) und Bobby (Nick Zano) sind ein eher braves Paar, Kayla (Laura Jordan) und ihr via Internet getroffener Freund Nik (Kyle Schmid) sind dagegen ausgeflippter. Also zwei potentielle Überlebende, zweimal potentielles Kanonenfutter, denn nur die Tugendhaften überleben den Horrorfilm normalerweise – aber das heißt ja noch nicht, dass es in diesem Falle so sein muss.
Nach einer Panne (natürlich vom Aufschneider Nik verursacht) borgt man sich auf einer verlassenen Farm ein Auto und lässt einen Zettel zurück. Dummerweise gehört die Karre Rusty Nail (Mark Gibbon) und der macht Jagd auf die Jugendlichen…

Ja, es ist bloß direct to video, also waren sparen angesagt, was man schon bei der Besetzung sieht. Anno 2001 durfte sich noch hoffnungsvolles Jungvolk in dem Horrorvehikel für die Kinoleinwand tollen, für den DVD-Markt gibt es vier ganz solide spielende, aber im Endeffekt austauschbare Blassbacken, die vor dem bösen Trucker flüchten. Diesen verkörpert Mark Gibbon dann immerhin mit halbwegs beeindruckender Präsenz, auch wenn er als geheimnisvoller Übelwicht weniger Screentime als die Youngster hat.
Die Innovation parkt auch lieber auf dem Standstreifen während „Joyride 2“ vorbeizieht, denn der Killer wird noch blasser als im Vorgänger gemacht, eine echte Provokation gibt es nicht mehr – er braucht halt einen fadenscheinigen Grund um die Teens zu verfolgen. Und die Logik verabschiedet sich noch weiter, den für den obligatorischen Cliffhanger überlebt der pöse Pursche hier schlussendlich gar einen Klippensturz mitsamt Truck, fast so, als wolle er sich als potentieller Nachfolger des unkaputtbaren Jason empfehlen.

Andrerseits will Morneau auch scheinbar nicht mehr als kleine, effekthascherische B-Ware inszenieren, reduziert seinen Film auf das Wesentliche und hält die Verschnaufpausen zwischen den Truckerspielchen klein – gerade an diesen Hänger krankte der Vorläufer ja. Alle paar Minuten muss das Quartett neue Prüfungen bestehen oder versucht zumindest alternative Lösungen zu finden, denn der Trucker stellt ihnen Aufgaben, die Erniedrigung und Selbstverstümmelung beinhalten – und das will nicht jeder über sich ergehen lassen, am wenigsten Nik, der als Laberkopf und Feigling natürlich den Unsympathen unter den Opfern darstellen soll, erstaunlicherweise aber nicht direkt weggekillt wird.
Sicher, bei der Bestimmung der Überlebenden bleiben Überraschungen dann doch aus, doch Morneau hält mit seinem inszenatorischen Talent dagegen, wenngleich er die Actionkeule nicht so sehr schwingen darf wie in seinen besten Filmen. Doch es gibt brauchbare Stunts und derbe Effekte zu sehen, wobei vor allem das sadistische Spiel, dass Rusty Nail mit zwei Entführten spielt, auffällt: Sicher lassen „Hostel“ und vor allem „Saw“ schön grüßen, doch Morneau lässt die Szene nicht zum reinen Torture Porn verkommen, zeigt nicht mehr als nötig, walzt die Folter nicht zu lang aus und sorgt dafür, dass man noch mit den Figuren mit leidet. Diese starken Momente bleiben im Gedächtnis, so austauschbar der Rest vom Film auch ist.

So erweist sich „Joyride 2“ als gehobenes Mittelmaß, dem Kinovorgänger durchaus ebenbürtig: Sicher ohne dessen Darstellerqualitäten und production values, dafür aber mit talentierter B-Regie und einem auf das Nötigste reduzierten Plot. Nichts weltbewegendes, aber ein solider Horrorhappen zwischendurch.

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