Eine Boxerin, ein Manager und ein Veranstalter stehen im Mittelpunkt dieses Independent-Streifens, der einen recht merkwürdigen Eindruck hinterlässt.
Reinen Action-Fans dürften die harmlos in Szene gesetzten Boxkämpfe kaum gefallen, auf der anderen Seite stehen zwei spannende Figuren im Vordergrund, die das Geschehen stets in Bewegung halten und sympathisch erscheinen lassen.
Der Vergleich zu Eastwoods „Million Dollar Baby“ scheint zwar recht weit hergeholt und „Fight Night“ kann auch nicht ansatzweise dessen Tiefgang erreichen, doch eins haben beide gemein: Man achtet weniger auf die Kämpfe als auf das Drumherum.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Michael Dublin, genannt Dub. Ein Typ im Maß-Anzug, ständig mit Kippe im Mund, doch genauso ständig auf der Flucht vorm wütenden Mob. Nicht selten manipuliert er Untergrund-Kämpfe und zockt die Leute beim Wetten ab, bis man ihm auf die Schliche kommt. Über Umwege lernt er die toughe Katherine kennen, die er fortan unter seine Fittiche nimmt, denn wer würde schon auf eine Frau setzen?
Bis ihm sein Rivale und ehemaliger Arbeitgeber Richter auf die Pelle rückt und mit unsanften Methoden Druck macht, Katherine solle den nächsten Fight verlieren. Es kommt zum unausweichlichen Showdown zwischen Katherine und Richter, die sich bereits vor Jahren im Ring begegneten…
Vom Verlauf der Geschichte her bietet die Story reine Massenware: Emporkömmling gegen Routinier oder einfacher, - Gut gegen Böse.
Die Entwicklung des scheinbar ungleichen Paares Dublin/Katherine bringt jedoch den Stein des Unterhaltungswerts ins Rollen. Denn beide flüchten vor ihrer Vergangenheit und beide haben mit dieser noch nicht abgeschlossen. Während Katherine als Sechzehnjährige von ihren Eltern verstoßen wurde und sich seither quasi durchboxt, überspielt Dublin dunkle Flecken seiner Vergangenheit mit Arroganz und flotten Sprüchen, muss im Verlauf jedoch feststellen, dass er eben nicht der gewissenlose Abzocker ist, da er durch Katherine Veränderungen durchmacht.
Dabei driftet die Stimmung nie ins Kitschige ab, handelt demgegenüber manche Punkte sogar ein wenig zu oberflächlich ab, um ein konstantes Erzähltempo nicht zu vernachlässigen.
Gerade wenn sich Mann und Frau zu Beginn einer Zusammenarbeit spinnefeind sind, landen sie irgendwann ohnehin im Bett und in diesem Punkt wird man hier eines Besseren belehrt.
Aufheiternd gestalten sich kleine Rangeleien und Wortgefechte, wobei die weitgehend unerfahrenen Darsteller keinen schlechten Eindruck hinterlassen.
Der könnte eher durch die unspektakuläre Choreographie der Kämpfe entstehen. Zwar arbeitet die Kamera sauber und auch die Farbgebung ist stilsicher, doch bei manchen Moves wird zu deutlich, dass die Kämpfer nicht wirklich hart treffen, zumal bis auf den Endkampf ohnehin kein Blut fließt. Die Athleten geben zwar teilweise illustre Erscheinungen ab, aber etwas mehr Härte und Biss hätte den Fights wahrlich gut getan. Gleiches gilt für die Wahl der Kampfarenen, die sich im Verlauf zu sehr ähneln und innerhalb des Boxens kaum für Abwechslung sorgen.
Da überrascht eher die reichlich übertriebene Maske, denn wie Katherine zuweilen mit geschwollen Augen und roter Gesichtshälfte absteht, wundert es, wie relativ unversehrt sie wenig später zum nächsten Kampf übergeht.
Man hört, der Streifen hat auch mit deutlichen Schwächen zu kämpfen und doch ist es diese etwas eigenwillige Mischung, die dem Gesamteindruck eine positive Tendenz beschert.
Mag es der Religionslehrer-Bart sein, der den Bösewicht schon fast allein zum Bösewicht macht oder die Tatsache, dass er sich nach dem Showdown noch Zeit nimmt, die Geschichte zweier Figuren zu einem versöhnlichen Ende zu führen.
Reine Kampfsport-Fans dürften allein angesichts des eindeutigen Titels enttäuscht werden, auch wenn der Endkampf einer ordentlichen Dramaturgie folgt.
Beim Boxkampf würde man sagen: Hier siegt der Taktiker, nicht der Prügler.
6,75 von 10