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Hurra, sie sind zurück: die schwer angesagten College-High-School-Teenage-Pubertätsfilmchen mit Deflorationsgarantie, die mittels ihres enormen Potentials recycelter Pimmelwitze immer noch angeblich sozial kompentente Menschenmassen in der Anonymität eines Kinosaals in ein kreischendes Bündel fremdschämender Peinlichkeit verwandeln können.
Es gibt eine Skala für diese Art von Filmen, die sich in erster Linie an ein noch nicht oder gerade erst erwachsen geschriebenes Publikum richten, am oberen Ende in punkto Qualität stehen so halbwegs charmante Beiträge wie „American Pie“ und den Bodensatz schießen so urbane Kracher wie „Mein verschärftes Wochenende“ warm.
Natürlich besteht Hoffnung, „Spritztour“ (harhar, kernige Übersetzung) würde sich in der oberen Hälfte ansiedeln, doch vergeblich: selbst mutmachende Ansätze humorvoller Inszenierung werden hier gnadenlos wieder platt getreten und das mittels eines Konglomerats von Versatzstücken, die nur von den Besten geklaut sind.

Das läßt sich am besten via des Inhalts beweisen: noch jungfräulicher Mittelklasseschlaffi, der endlich mal seine Unschuld abstoßen will (siehe: „American Pie“), klaut eine heiße Karre (siehe: „Ferris macht blau“), um sich auf eine Überlandreise mit zwei Freunden zu begeben (siehe: „Road Trip“), weil irgendwo auf einem Restaurantparkplatz in Knoxville eine heiße Blondine darauf wartet, mal ordentlich rangenommen zu werden (siehe: „Der Volltreffer“).
Aber wie das nun mal so ist, wenn man mit seiner besten Freundin unterwegs ist und seinem nerdigen, aber überpotenten besten Kumpel, gerät man in allerlei Abenteuer, die man so noch nicht gesehen hat: da wird doch glatt der Wagen beschädigt; sarkastische Amish reparieren ihn wieder, während sie selbst auf einer Party die Kuh fliegen lassen und viele seltsam schräge Leute machen einem das Leben zur Hölle, bis man zwischendurch selbstmurmelnd auch mal im Knast landet.

Es ist nicht das Schlimmste, das die Macher von „Sex Drive“ wie Horde notgeiler Hunnen praktisch jeden erfolgreichen Teenagerfilm der letzten 25 Jahre geplündet haben (obwohl die Idee, daß man das Skript tatsächlich nach einer literarischen Vorlage runtergetippt hat, wie der beste Joke überhaupt anmutet), aber wenn ich schon alte Wände neu verputze, dann muß ich wenigstens die Chuzpe haben, da etwas ungemein Frisches rüberwachsen zu lassen – und davon ist hier nichts zu sehen.

Immer wenn die Storymaschinerie leer zu laufen droht (also alle fünf Minuten in einem Film, der sich von Minute 1 an komplett vorhersagen läßt), kommt man mit einer ach so kreischigen Fick- oder Grossout-Szene daher. Bei die Hinterwäldlers wird erst mal gepoppt, bis der Redneckehemann heimwärts kommt oder die notgeile Tussi ihrem Stecher den Darm auf den Bauch entleeren will, den Großeltern hängt der Sack aus den Shorts, im Gefängnis wartet ne Kollektivzelle mit sinistren Typen und was so passiert, wenn man an einen seltsamen Anhalter gerät, wird an Profanität nur noch vom kollektiven Tankpissen übertroffen. Hohoho...

Soll nicht heißen, daß nicht Potential dagewesen wäre. Zwei offensichtlich bei Beavis und Butthead entlehnte Schulfreunde, die ihre Anmachsprüche maschinengewehrartig wie hungrige Nestvögel abschießen, haben durchaus Kultpotential und Seth Green rettet als leicht zynischer Amish zeitweise den Tag, weil seine Figur komplett irritierend neben der Spur liegt. Als Highlight kann man auch noch Clark Duke vermerken, der als bebrillter und unattraktiver Kumpel Lance durch monumentales Selbstvertrauen praktisch alles erreicht.

Wäre schön gewesen, wenn da die Hauptdarsteller hätten mithalten können, doch die TV-Jungstars Josh Zuckerman und Amanda Crew glänzen maximal als clerasilfreie Zone. Zuckerman ist eine durch und durch blasse Qualle, die nur als Projektionsfläche für schlüpfrige Witze herhalten muß und Crew ist deutlich älter als ihre angeblichen 18 Jahre und wird nur als „love interest“ und „Stimme der Vernunft“ benötigt.

So reiht sich ein Episödchen ans Nächste, bei dem sich auch noch James „Cyclops“ Marsden herabläßt, als homophober Bruder (dem das Auto gehört) eine Art Seann-William-Scott-Parodie hinzulegen, die beim Grimassierwettbewerb sicher das goldene Schleifchen gewonnen hätte.

„Spritztour“ richtet sich eindeutig an ein entweder unreifes oder zur unbegrenzten niveautechnischen Runterregulierung befähigtes Publikum, anstatt die Stärken von Witz und Charme bei dieser Gelegenheit auszuspielen – stattdessem setzt man mal wieder auf den Fremdschämekelfaktor für einen garantiert folgenden Extended-Cut mit mehr blanken Möpsen auf DVD. Im US-Kino ein Flop mit gerade mal 8 Millionen doch eher ein Verlustgeschäft, wird der DVD-Verkauf sicher den Break-Even bringen – wenn ich charmante Geschmacklosigkeiten möchte, wünsche ich mir dann aber doch lieber Alyson Hannigans „Michelle“ zurück. (3/10)

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