Review

Ich bin zwar über 30, aber man ist ja bekanntlich so alt wie man sich fühlt - und, jau, ich kann über vorpubertäre Komödien immer noch lachen.
Mit "Spritztour" kommt seit langem mal wieder ein Ableger der "American Pie"- Generation (bzw. Nutella-Generation wie sie bei uns genannt wird), der durch seinen Humor, seine Charaktere und seine skurille Unberechenbarkeit punkten kann.

Der 18-jährige Ian Lafferty (Josh Zuckerman) ist Jungfrau,total verklemmt, in seine beste Jugendfreundin verliebt und fristet sein Darsein als Donut-Verkäufer. Zudem wird er von seinem älteren Bruder Rex (James Marsden) tyrannisiert, der Angst hat, dass sein kleiner Bruder eine tuntige Schwutte wird. Die einzige Stärke die Ian besitzt ist, bei Facebook sich mit Frauen zu unterhalten (natürlich mit gefälschten muskulösen Bildern, auf die er seinen Kopf kreirt hat). Dort lernt er "Ms. Tasty" (Katrina Bowden) kennen, die ihn unbedingt kennen lernen will, da er verdammt sexy ist und einen fetten Pontiac GTO fährt (was natürlich auch gelogen ist - den der Ponti ist seinem Big Brother).
Ian stibitzt kurzerhand den GTO seines Bruders, macht sich mit seinem besten Freund Lance (Clark Duke) und (unfreiwillig) mit seiner Jugendfreundin Felicia (Amanda Crew) auf, quer durch die USA zu reisen, , für "Ms. Tasty" kennenzulernen, um endlich seine Jungfräulichkeit zu verlieren...

Wie gesagt. Die Mischung macht es. Und bei "Spritztour" ist die Mischung nicht gestreckt, sondern astreines Unterhaltungs-Haschisch.
Die Charaktere triefen zwar vor Klischees, aber was soll man auch bei solchen Produktionen anderes erwarten. Zuckerman hat zwar nicht das Charisma eines Shia LaBeouf, aber dennoch spielt er sich schon in der peinlichen Anfangs-Sequenz in die Herzen der Zuschauer. Das kennt man doch von "American Pie" ? Genau, und nicht nur das. Denn der Bruder des Hauptakteurs sieht nicht nur aus wie der sprücheklopfende Stiffler aus diesbesagten Film, sondern klopft und handelt genauso.
Der beste Freund von Ian ist Lance, und stellt den absoluten Gegenpart dar. Lance sieht eigentlich, einfach ausgedrückt, scheiße aus, strotzt aber nur so vor Selbstvertrauen und knallt eine Jagdtrophäe nach der anderen.

Der Humor besinnt sich nicht nur auf Klo- und Scheißhauswitze, mit zunehmender Spielzeit gewinnt er sogar noch mehr an Fahrt, als plötzlich Seth Green ("Trouble ohne Paddel", " Die Killerhand") auftaucht, und mit seinem zynischen Humor seine Amish-Gemeinde und sämtliche Vorurteile von Außenstehenden auf die Schippe nimmt. Green in seiner Kurzrolle würzt "Spritztour" mit seinen ganz eigenen Zutaten und ist der heimliche Star in diesem Film.
Die Reise zum Zielpunkt "Ms. Tasty" verläuft rasant ab, mit vielen Ereignissen, mit denen man nicht rechnet (wie es eben bei so einem Roadtrip so ist) und man fragt sich, ob Ian jemals sein Ziel erreicht, "Ms. Tasty" kennenzulernen.
Gut, ob er das Ziel erreicht, will ich hier nicht verraten, aber der Schluss verläuft sehr originell ab (wie der ganze Film eben): Mit viel Humor und unerwarteten Wendungen.

Neben dem rockigen Soundtrack, in denen beispielsweise AC/DC, Airbourne oder Datarock glänzen, hat Fall Out Boy bei der "Rumspringa"-Party (die Party für alle Amish, bevor sie erwachsen werden - ich schreie mich gleich weg) einen Gastauftritt.

"Spritztour" sei jedem ans Herz gelegt, der sich noch an seine ersten Sackhaare oder den ersten, selbst "beigeführten" Orgasmus  erinnern kann. Bei so einer gutaufgelegten Kombo zwischen Charakteren, Humor, Spannung, Timing und unerwarteten Handlungsverlauf habe ich mich schon lange nicht mehr so köstlich amüsiert.

Weil "Spritztour" gänzlich untergegangen zu sein scheint, gibt es bei der ofdb ein extra-Pünktchen, um darauf aufmerksam zu machen.

9/10

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