PUNISHER: WAR ZONE
Einst war sein Name Frank Castle. Er war der gewissenhafteste Cop von ganz New York, bis seine Frau und seine Kinder bei einem Familienpicknick ermordet wurden. Der Name Castle verschwand und der Punisher entstand. Der Totenschädel auf seiner Brust war von nun an das Letzte, was die New Yorker Verbrecher vor ihrem Tode zu Gesicht bekamen. Im Jahre 1974 hatte der Punisher seinen ersten Auftritt als Nebencharakter in Marvels „Amazing Spider-Man“ Nr. 129. Über die Jahre bekam der umstrittene Charakter, welcher dank seiner gnadenlosen Ausübung von Selbstjustiz eher Antiheld als Superheld ist, mehrere eigene Comicserien spendiert und ging dabei durch etliche Höhen und Tiefen. Mit PUNISHER: WAR ZONE (2008) entstand unter der deutschen Regisseurin Lexi Alexander die nunmehr dritte Kinoverfilmung, doch bevor diese von der Leine gelassen wird, lasse ich die beiden ebenfalls gelungenen Vorgänger noch einmal kurz Revue passieren…
Das Jahr: 1989. Der Punisher: Dolph Lundgren. Die Mission: Wahllos Verbrecher bestrafen, bis diese aus Kanonenfutterknappheit sogar aus Japan importiert werden müssen.
Die erste Verfilmung erzählt anstatt der eigentlichen Entstehungsgeschichte eine beliebige Episode aus dem Alltag des Punishers. Es gibt keinen Totenschädel auf der Brust und auch kein wirkliches Punisher-Feeling, dafür aber brutal-unterhaltsames 80er-Jahre-Actionkino. Trotzdem findet man mit UNIVERSAL SOLDIER (1992), MEN OF WAR (1994) oder SILENT TRIGGER (1996) einige bessere Werke in der Filmografie vom blonden Hans.
Das Jahr: 2004. Der Punisher: Thomas Jane. Die Mission: Den Gangsterboss Howard Saint bestrafen, da auf dessen Anordnung Castles gesamte Familie ihr Leben lassen musste.
Die zweite Verfilmung erzählt als einzige die Entstehung des Punishers chronologisch und nicht in Rückblenden. Nur hier ist der Bösewicht des Films direkt für die Ermordung der Familie sowie die Entstehung des Punishers verantwortlich. Es geht etwas taktischer als sonst zur Sache und weitaus weniger blutrünstig. Meiner Meinung nach hätte dieser an sich gelungene Actionthriller ohne Bezugnahme auf den Punisher noch etwas besser funktioniert.
Das Jahr: 2008. Der Punisher: Ray Stevenson. Die Mission: Der Gangsterboss Billy Russoti (Dominic West) wurde zur Bestrafung auserkoren. Da Russoti lediglich schwer entstellt wird, kehrt er als Jigsaw zurück und befreit seinen Bruder Loony Bin Jim (Doug Hutchison) aus der Irrenanstalt, um bittere Rache zu nehmen. Es entbrennt ein Privatkrieg, in welchen auch FBI-Agent Paul Budiansky (Colin Salmon) hineingezogen wird. Dieser muss erkennen, dass die "Punisher Task Force" auf Seiten des Punishers zu stehen scheint und dessen "Arbeit" eher fördert, anstatt ihn zu verhaften. Bald beginnt auch er, den Punisher mit anderen Augen zu sehen. Gerade rechtzeitig: Inzwischen haben Jigsaw und Loony Bin Jim eine Meute von brutalen Killern um sich versammelt, um dem Punisher eine tödliche Falle zu stellen…
Die Entstehungsgeschichte von PUNISHER: WAR ZONE ging spurlos an mir vorüber, bis ich eines Tages den berühmt-berüchtigten „Comic-Con“-Trailer sah und sofort wusste: Ich liebe diesen Film! Ein authentisch aussehender Punisher, ein übelst entstellter Jigsaw, eine düstere Comicoptik und derbe Gewalt, welche keinerlei Vergleich zu scheuen braucht. In den amerikanischen Kinos ist der Film derbe gefloppt, wurde von den Kritikern ebenso derbe zerrissen und zu allem Überfluss hat Sony sogar den deutschen Kinostart gecancelt, woran unsere liebe FSK aber sicher eine Teilschuld tragen dürfte. Doch all die negativen Vorzeichen konnten mich nicht davon abhalten, umgehend die US-DVD in den Player wandern zu lassen und ich habe genau das bekommen, was ich erwartet hatte: einen extrem geilen, extrem harten und extrem unterhaltsamen Comic-Actioner mit reichlich B-Movie-Flair!
In WAR ZONE kennt der Punisher wirklich keine Gnade mehr: Die Verbrecher werden stapelweise über den Haufen geschossen, wobei neben blutigen Körpertreffern auch einige ziemlich derbe Kopfschüsse zu bestaunen sind. Gesichter werden mit Faust oder Stuhlbein eingeschlagen, die Genicke brechen unter lautem Knacken und unser Antiheld kann sich auch Martial Arts-technisch gut verkaufen, wie er an mehreren Stellen unter Beweis stellen darf. Ray Stevenson kommt als Punisher optisch perfekt rüber und verkörpert den innerlich zerrissenen Antihelden ohne jeden Anlass zur Kritik. Auch den angeblichen Leerlauf zwischen Auftakt und Showdown konnte ich nicht ausfindig machen: Meiner Meinung nach dreht der Film mit der Einführung Jigsaws und der Befreiung seines Bruders erst so richtig auf. Dominic West ist als zusammengeflickter Jigsaw eine optische Wucht und liefert sich mit seinem Filmbruder Doug Hutchison ein derartiges Overactingduell, dass es für B-Movie-Anhänger eine wahre Freude ist. Dabei morden die beiden ebenso gnadenlos wie der Punisher und bei dem nicht auf den Comicheften, sondern auf einer Idee der Regisseurin basierenden Psychopathen Loony Bin Jim sind sogar leichte Anfälle von Kannibalismus zu verzeichnen.
Den versehentlich durch den Punisher getöteten Undercover-Agenten und den daraus resultierenden Subplot um dessen Frau und Tochter empfand ich ebenfalls als gelungen: Er verleiht unserem Antihelden durch die Parallelen zum Schicksal der eigenen Familie zusätzliche Motivation und wohin diese führt, brauche ich sicher nicht näher zu erläutern. Auch die zahlreichen Helfer des Punishers stören mich nicht: Microchip (Wayne Knight) und Detective Soap (Dash Mihok) haben längere Cameos, welche als Hommage an die beiden wichtigsten Sidekicks der Comichefte gedacht sind und Agent Budiansky bildet das „gute“ Gegenstück zum Punisher, welches auf der „richtigen“ Seite des Gesetzes steht, aber auch im „richtigen“ Moment in die „falsche“ Richtung schauen kann. Der angeblich nicht vorhandene Stil des Films wurde ebenfalls kritisiert, wogegen ich einen in sich geschlossenen Comiclook erkenne: WAR ZONE ist durchgehend in düsteren Schwarz-/Weisstönen gehalten, welche je nach Szenario durch einen passend gewählten, dritten Kontrast ergänzt werden. Lediglich über einige missglückte CGI-Effekte ließe sich meckern, aber da wir hier von maximal drei oder vier CGI-Explosionen sprechen, ist dieser Kritikpunkt für mich nicht mehr als Erbsenzählerei.
Sicherlich hat Lexi Alexander kein anspruchsvolles, tieftrauriges Superheldendrama à la SPIDER-MAN geschaffen. Natürlich haben ein BATMAN BEGINS oder THE DARK KNIGHT das intelligentere Drehbuch und auch die besseren Schauspieler zu bieten. Politisch korrekter sind die letztgenannten Filme sowieso. Wir bekommen hier quasi das bockige Gegenstück zu den immer kritikerfreundlicher werdenden Comic-Blockbustern der letzten Jahre geboten. PUNISHER: WAR ZONE ist eine gnadenlose, rüpelhafte Sau von Film, welche ganz besonders (oder eigentlich sogar nur dann) unterhalten kann, wenn man filmtechnisch nicht allzu kleinkariert an die Sache herangeht und ein Herz für menschenverachtenden Rachestoff im besten 80er-Jahre-Stil in sich trägt! PUNISHER: WAR ZONE ist ein Film für Fans und nicht für selbsternannte Kritiker oder so genannte Cineasten! PUNISHER: WAR ZONE will einfach nur fett die Scheiße rocken und ER ROCKT DIE SCHEISSE… DERBE FETT!!!
9/10 Punkten, diBu!