Querelen zwischen Studio und Regisseurin, schlechtes Einspielergebnis – um „The Punisher: Warzone“ war es nicht gut bestellt, doch zumindest für Genrefans ist das Ergebnis durchaus sehenswert.
In der dritten Inkarnation bekommt Ex-Cop Frank Castle (Ray Stevenson), mittlerweile bekannt als der Punisher, nun die dritte Variante vom Tod von Frau und Kindern angedichtet, hier wurden diese nun gemeuchelt als die Castle-Familie bei einem Picknick zufällig Zeuge einer Mafia-Exekution wurde. Wie in der 89er-Verfilmung wird dies aber nur kurz via Rückblende plus Erzählung angeschnitten, „Punisher: Warzone“ beginnt zu einer Zeit, als Frank Castle längst als Punisher Hunderte von Gangster unter die Erde gebracht hat.
Bei seiner neuesten Mafia-Aufräumaktion gerät auch Billy Russoti (Dominic West) mit seiner Truppe ins Visier der Selbstjustiz-Ich-AG. Die meisten Handlanger Billys killt Castle, Billy selbst wirft er in einen Flaschenzerkleinerer, woraus der eitle Mafioso nur mit vollkommen vernarbtem Gesicht entsteigt. Das Gesicht wird notdürftig geflickt, der verantwortliche Arzt gekillt – quasi die Brutalo-Variante des entstellten Jokers und tatsächlich nennt sich Gangster nun auch nur noch Jigsaw.
Unter neuem Namen geht er seinen Geschäften aber vehementer denn je nach. Ziel seiner Aktionen ist auch die Familie eines bei ihm eingeschleusten FBI-Agenten, den Frank bei seinem Eingreifen umbrachte. Frank eilt zum Schutz der Familie...
Um es gleich vorweg zu sagen: „Punisher: Warzone“ ist ein Film für Genrefans und auch nur für die, denn von rein ideologischer Warte kann man den Film kaum schönreden. Gleich mehrfach wird die Ineffektivität des Rechtssystems betont und Franks Aufräumen als lohnendere Alternative hingestellt. Gnade und Resozialisierung sind da Fremdworte, Kriminellen gibt man direkt den Fangschuss – da verwundert es, dass der Soundtrack „Historia Calamitatum“ von der linken Punkband Rise Against verwendet, während der Film an sich doch merklich rechts in seiner Attitüde ist. Doch auf rein filmischer Ebene ist die Untermalung natürlich ausgesprochen dynamisch.
Im punkto Soundtrack kann man „Punisher: Warzone“ eh kaum etwas ankreiden: Die Mischung aus treibenden Rock-, Metal- und Punkstücken untermalt den derben Rachetrip wunderbar treibend. Auch sonst kann man an Lexi Alexanders Inszenierung nicht herummäkeln: Schön düster gehalten, teilweise schon mit Annäherungen an den modernen Horrorfilm der Marke „Saw“, doch stets ziemlich energetisch erzählt sie ihre simple Geschichte zumindest visuell sehr ansprechend.
Das, was erzählt wird, ist hingegen pragmatisch erzählter Actiongrundstoff. Der Punisher dezimiert nach und nach sämtliche Gegnerhorden, bringt noch einen an das Rechtssystem glaubenden FBI-Agenten auf den rechten Weg der Selbstjustiz, öffnet sich der zu beschützenden Familie gegenüber, während Jigsaw immer wieder versucht den Punisher umzubringen. Gelegentliche Verstrickungen wie russische Geschäftspartner Jigsaws verkomplizieren den Plot nur minimal, stattdessen geht es geradlinig von einer Actionszene zur nächsten, was aufgrund des hohen Tempos einige Kurzweil bringt.
Die Action ist dann meist mit lachenden, gelegentlich aber auch mit weinenden Augen zu begutachten. Gerade das doppelte Abräumen zu Beginn sowie der Showdown liefern derbe, schick choreographierte Feuergefechte mit hohem Bodycount, dass es eine wahre Freude ist. Nahkämpfe hat der Punisher nur wenige, der Fight mit Jigsaws Bruder ist jedoch eine nette Dreingabe. Ausgesprochen hoch ist der Härtegrad, denn es werden in einer Tour Genicke gebrochen, Köpfe zertrümmert und Menschen durchbohrt. Doch hier liegt auch das Manko: Teilweise sind die überzogenen Gewaltszenen einfach zu sehr auf Krassheit aus und man vernachlässigt dafür die eigentlichen Schauwerte, namentlich spektakuläre Action. Manche Szene wie z.B. die Tötung des Irrenhauswärtes, sind einfach zu vordergründig, da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
Ray Stevenson ist der bisher schwächste Punisher mit seinem leicht speckigen Aussehen, doch er erfüllt die Aufgabe immer noch ziemlich gut und lotet teilweise auch die emotionalen Seiten des vom Leben enttäuschten Frank aus. Dominic West labert teilweise mit etwas aufgesetztem Akzent, doch nach seiner Transformation gibt er einen launigen Anarcho-Bösewicht ab – man beachte seine Rekrutierungsreden gegen Ende, bei denen der US-Army-Gebahren verarscht. Solche comichaften Momente gibt es mehrere in „Punisher: Warzone“, sodass die reaktionären Tendenzen ansatzweise gebrochen werden. Julie Benz hat eine kleine Rolle, spielt diese aber sehr überzeugend und Doug Hutchison als Psycho ist ebenfalls eine Bereicherung.
Ganz klar: „Punisher: Warzone“ ist in erster Linie was für hartgesottenen Actionfans, für die gibt’s aber die Extraportion Blut, derbe Actionszenen und stylische Inszenierung. Die Geschichte ist eher zweckmäßig, der Film ideologisch eher daneben und die Gewaltszenen etwas zu sehr überzogen. Erreicht nicht ganz die Klasse der Erstverfilmung, übertrifft aber die teilweise etwas lasche Version von 2004.