Review

"Er tut doch nix anderes mit den Typen als das, was wir zwei uns nur ausmalen."

Bereits seit sechs Jahren mischt Frank Castle (Ray Stevenson), besser als Punisher bekannt, die Unterwelt auf. Infolge seines rigorosen Rachefeldzuges stattet er dem Mafiaboss Gaitano Cesare einen Besuch ab. Während des Feuergefechts kann sein Handlanger Billy Russoti (Dominic West) flüchten. Als der Punisher versucht ihn in einer alten Fabrikanlage zu stellen, fällt dieser in einen Flaschenhäksler und wird durch die Glasscherben völligst verunstaltet. Castle erschießt parallel versehentlich einen Undercover-Agenten des FBI. Durch Schuldgefühle sucht er Vergebung durch die Witwe Angela Donatelli (Julie Benz) während der entstellte Russoti seinen Bruder Loony Bin Jim (Dough Hutchison) aus einer Irrenanstalt befreit um gemeinsam mit ihm einen Kreuzzug gegen den Punisher zu starten.

Bislang hatte Marvels Vorzeigerächer keinen guten Stand im Kino. Ende der 80er war es Dolph Lundgren, der sich in einer unterhaltsamen B-Movie-Orgie den Ärger von der Seele schoss. Thomas Jane durfte in einer Neuauflage 2004 ran, verschmäht durch ein zu zäh gestaltetes Storytelling und die zu weich dargestellte Figur des Punisher. Mit "Punisher: War Zone“ gibt sich die Figur des Punisher ein drittes Mal die Ehre. Diesmal allerdings nicht als Remake sondern unabhängige Weiterführung, inszeniert von Lexi Alexander, die bereits mit "Hooligans“ kontroverse Filmkost präsentierte. Und kontrovers dürfte auch ihre Antihelden-Verfilmung aufgenommen werden.

Ganz offensichtlich legte Alexander großen Wert auf die Übersetzung der brachialen Gewalt auf die Leinwand. Wer die Comicvorlage kennt weiß, dass der Punisher rücksichtslos, ohne Mitgefühl und Gnade vorgeht und einzig in den Kategorien schwarz und weiß, gut und böse denkt. Somit ist Alexander's Interpretation naheliegender an der Vorlage als die bisherigen Publikationen. Dummerweise stellt sich dies gleichzeitig als eines der größten Probleme des Films dar.
Der Gewaltlevel liegt so weit oben, dass die Identifikation mit dem Antihelden komplett verhindert wird. Da der Großteil des Films aus Actionszenen besteht, könnten einzig die rar gesähten ruhigeren Momente der Figurenzeichnung dienlich sein. Allerdings gaben sich die Macher keine Mühe ihre Figuren plausibel oder glaubhaft zu präsentieren. Sie agieren einzig nach ihrer naiven Lebenseinstellung, jeweils ihren eigenen extremen Wertigkeiten folgend. Die zusätzliche inhaltliche Leere verbreitet da bestenfalls Langeweile. Dann doch lieber zurück zur Action.

Diese ist zumindest im Finale ordentlich kurzweilig, denn da fetzt es schon gewaltig. Auch zwischendurch sind zerfetzte Köpfe, aufgespießte oder durchbohrte Leiber und massenweise Blutfontänen keine Seltenheit. Die Tötungen geschehen schnell, kompromislos und sehen Dank des Verzichts auf übermäßige Verwendung computerunterstützender Bilder ansprechend aus. Gleichzeitig versprühen sie einen plakativen Beigeschmack. Die Aussage des Films ist schon gefährlich diskutabel und wird durch ihre hohe Zeigefreudigkeit an Gewalt nur noch weiter überspitzt. Dies geht so weit, dass wohl einzig Freunde harter, sinnfreier Actionfilme einen gewissen Unterhaltungswert darin sehen werden. Schade, denn an den anderen Verfilmungen hat man bereits gesehen, dass inhaltlicher Tiefgang zwar einerseits ausbremst, dem gesamten Werk aber einen besseren und vor allem glaubwürdigeren Rahmen gibt. "Punisher: War Zone“ ist in dieser Hinsicht einzig und allein stumpfsinnig.

Trotz opulentem Soundtrack, stets düsteren Bildern und aufwendiger Präsentation ist der Actionfilm nur selten atmosphärisch. Viele der Actionszenen sind oberflächlich und orientieren sich an Aufbauten eines typischen 80er Jahre Slasher-Films. Kein Wunder also, dass "Punisher: War Zone“ der Ruf eines Trash-B-Movies angehängt wurde.
Einige Elemente passen nicht zueinander. So unterbrechen unfreiwillig komische Momente den sonst ernsten Tonfall. Es mangelt an echten Höhen und einer Spannungskurve, die erst zum Finale hin etwas angezogen wird. Lieblos wirkt hier so einiges.

Die bullige Erscheinung von Ray Stevenson ("King Arthur", "Rom") verleiht seiner Figur des Punisher eine bedrohliche Präsenz, allerdings verpasst es der Darsteller gleichzeitig für menschliche Züge zu sorgen. Daher wirkt dessen Interpretation zu übermenschlich und trotzt jeder Gefahrenquelle.
Mit übermäßigen Enthusiasmus zelebrieren Dominic West ("300“, "Die Vergessenen") und Dough Hutchison ("The Green Mile“) ihre Verkörperung der Gegenseite. Zu extrem um nur einen Hauch glaubwürdig zu wirken.
Schmückwerk sind Julie Benz ("Saw V“, "John Rambo") sowie Wayne Knight ("Space Jam", "Jurassic Park") die Dank der dünnen Handlung nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Ein breites Publikum spricht "Punisher: War Zone“ nicht an. Die Geschichte ist zu dünn und vorhersehbar, überfrachtet mit plakativen, wenn auch ansehlichen, Gewaltexzessen. Die einzig auf Action ausgelegte Rahmenhandlung begeistert bestenfalls ein hartgesottenes Publikum, das sich von harter Aussprache und deftiger Gewalt nicht abschrecken lässt, sowie ein Faible für 80er Slasher-Streifen hat. Figureninteressierte bleiben bei den schon vorhandenen Pseudo-Vorgängern, die zwar weniger temporeich sind, dafür aber inhaltlich fülliger.

5 / 10

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