1989 schlüpfte Dolph Lundgren in die Rolle des Frank Castle, im Remake durfte Thomas Jane ran, nun ist Ray Stevenson (The Book of Eli, King Arthur) an der Reihe. "Punisher: War Zone" ist das Sequel zu "The Punisher" und spielt sechs Jahre nach Franks Rachefeldzug. "The Punisher" basiert auf der gleichnamigen Marvel Comicreihe und gerade dieses Sequel befindet sich sehr nah an der Vorlage. Eigentlich sollte man in der heutigen Zeit froh um solch einen blutigen aber auch anspruchslosen Film sein, doch die Produktionskosten von 22 Millionen Dollar wurden lange nicht eingespielt. "Punisher: War Zone" war ein richtiger Flop, obwohl die deutsche Regisseurin Lexi Alexander (Hooligans, Fool Proof) ihr Handwerk beherrscht. Produzentin Gale Anne Hurd produzierte auch schon das vier Jahre zuvor entstandene Remake.
Frank Castle (Ray Stevenson) hat den Tod seiner Frau und Kinder immer noch nicht überwunden. Seit sechs Jahren befreit er die Stadt von kriminellen Subjekten, nun ist Billy Russoti (Dominic West) an der Reihe. Doch Frank verfehlt den Mafiaboss Billy, der jedoch schwer entstellt wird. Billy kehrt als Jigsaw zurück und will Rache. Dafür befreit er seinen wahnsinnigen Bruder James (Doug Hutchison) aus der Irrenanstalt. Zusammen wollen sie eine Armee auf die Beine stellen und den "Punisher" zur Strecke bringen. Doch auch Detective Martin Soap (Dash Mihok) und FBI-Agent Paul Budiansky (Colin Salmon) sind hinter Frank her, der nun zwischen den Fronten steht.
Wie seine Vorgänger spricht auch "Punisher: War Zone" nur ein bestimmtes Publikum an, ganz besonders den Actionfan. Brachialgewalt ist wieder die Antwort auf alle Fragen, das Gesetz oder Rechtssystem muss hinten anstehen. Selbst die Polizei schmeisst ihre Prinzipien über Bord und kooperiert sogar mit dem "Punisher". In Punkto Story sollte man keinen Anspruch erwarten, denn Frank ist immer noch auf dem Kriegspfad. Die Geschichte um den Tod seiner Familie wurde hier leicht abgeändert. Die Ermordung war kein direkter Racheakt, sondern eher eine Zeugenbeseitigung. Nun rottet Frank alle Mafiabosse aus, zu letzt ist Billy "Der Schöne" Russoti dran, welcher in einer Glasrecycelmaschine landet und im Gesicht entstellt wird. Seine zusammengeflickte Visage erinnert schwer an eine Comicfigur, genauso sein überdrehter Bruder James, der unheimlichen Spass am Töten hat. Frank will seinen Job eigentlich an den Nagel hängen, doch bevor er geht will er das fiese Duo erledigen, welches auch die Familie eines ermordeten FBI-Spitzels bedroht. Vor kitschigen Szenen werden wir verschont, denn Angela (Julie Benz) und Töchterchen Grace (Stephanie Janusauskas) haben nur wenig Screentime. Lexi Alexander gelingt es das Tempo kontinuirlich hoch zu halten, ein wenig mehr Action könnte dennoch vorhanden.
Meist sind angesprochene Szenen sehr kurz gehalten, dafür aber ultrabrutal. Es bleibt nicht nur bei graphischen Einschüssen, sondern auch die Morde des Fieslingsduos haben es in sich. Der rote Lebenssaft darf ordentlich spritzen, CGI kommt nur seltenst zum Einsatz. Neben den krachigen Shootouts muss Frank auch einige Nahkämpfe bestehen, besonders im Finale. Die Choreographien können sich stets sehen lassen, auch wenn manchmal ein wenig schnell geschnitten wurde, um das nicht vorhandene Können der Darsteller zu vertuschen. Trotzdem hinterlassen die Actionszenen einen guten Eindruck, auch kommt ein breites Waffensortiment zum Einsatz. Das eigentlich kleine Budget ist höchstens an den wenigen und schmächtig ausfallenden Explosionen zu bemerken. Der Look ist sehr düster, die Stadt als Ort des Verbrechens. Oder man nehme Franks Behausung in der U-Bahn. Dazu der rockige Score, in dem Rob Zombie, Slayer, Slipknot oder Justice ihr Können unter Beweis stellen. Nur mit Ray Stevenson als Frank Castle bin ich nicht so ganz einverstanden. Völlig emotionslos spult er seine Rolle hinunter, macht aber in den Actionszenen eine gute Figur. Dafür geben Dominic West (300, Hannibal Rising) und Doug Hutchison (Bait - Fette Beute, The Burrowers) ein herrlich überdrehtes Fieslingsgespann ab.
Anspruchslose aber auch recht schnörkellose Actionunterhaltung mit schwachem Hauptdarsteller. Action dürfte auch ein wenig mehr vorhanden sein, aber das Gegebene hat es wirklich in sich, auch die Qualität stimmt. Trotzdem bleibt das Original mit Lundgren mein Favorit.