Der Gorebauer in mir hat Feiertag
Psychos überall, platzende Köpfe wie Melonen, ein Frank Castle nahezu ohne Figurenzeichnung, eine Menschenverachtung die Ihresgleichen sucht und ein Humor fieser, frecher, schwarzer als die Nacht… „Punisher: Warzone“ macht es einem nicht leicht ihn zu lieben. Und trotzdem tue ich es? Vielleicht gerade wegen dieser hollywooduntypischen Abgewichstheit?! Erzählt wird in der bereits dritten Verfilmung des beliebt-brutalen Marvelcomicbestsellers wieder von Frank Castle, dessen Familie (dieses Mal bereits vor den Credits) ermordet wurde und der nun sämtliche Gangsterfamilien der Stadt platt macht - und mit „plattmachen“ meine ich wirklich platt. Platt wie die platteste Plattflunder aller Plattflundern. Mitsamt herausgerissenen Wirbelsäulen, weggeboxten Fratzen, aufgeschlitzten Kehlen und herausgerissenen Gedärmen…
Die Comics ins Absurde getrieben… oder waren sie da schon immer?
„Punisher: Warzone“ übertreibt es nach allen Regeln der Kunst - was mich ihn noch mehr respektieren lässt als eh schon. Geschmackloser als jedes denkbare „Toxic Avenger“-Remake, näher an sowas wie „Hobo with a Shotgun“ als an anderen Versionen seiner Figur, ganz klar durchzogen mit bösesten Splattereien aber noch viel böserem, teils auch infantilem Humor. Das kann denke ich einigen schon übel aufstoßen. Vielleicht hätte man die früher „Sittenwächter“ genannt. Oder Kostverächter. Oder altbacken. Oder einfach „auf der falschen Wellenlänge“ für dieses wunderbare „Schundwerk“. Vielleicht kann sich der ein oder andere „seriösere“ Kritiker auch einfach nicht dazu durchreißen das zu mögen oder zuzugeben, wieviel Spaß er damit hatte oder man im richtigen Mindset damit zumindest haben kann. Wenn man es denn den saftigen Schmarrn nicht zu ernst nimmt. Genauso wie man Troma oder Cannon damals beileibe die meiste Zeit nicht zu ernst genommen hat. Und genau eine solche unverschämte Splatterspassgranate ist „Punisher: Warzone“ für mich. Kurzweilig, erstaunlich körnig und hochwertig produziert, wie eine Mischung aus „Dredd“ und Troma. Und eine durchaus super solide, neue Facette des „Punisher“-Filmkosmos'. Heute kann ich unverblümt sagen: Ich mag alle drei Versionen und will mich da gar nicht festlegen, welche ich auf die Nummer 1 setzen wird. Das ist tagesformabhängig. Plus Ray Stevenson war ein Guter. Und eine solche Drecksschleuder ist heute glaube ich nicht mehr denkbar aus Hollywood. Jetzt schon ein rachsüchtiges, rostig-rödelndes Relikt.
Punish it to the MAX!!!
Fazit: Der splattrigste, witzigste und menschenverachtendste der drei „Punisher“… Ein Fest des schlechten Geschmacks, ein bitterböses Brett der Gewalt, eine schwarzhumorige Splittergranate, die man nicht zu ernst nehmen sollte!