Bei Coming of Age-Beiträgen, die hauptsächlich in der freien Natur spielen, denkt man häufig an Kings „Stand By Me“, - ein bestimmtes Ereignis oder Abenteuer setzt einen Reifeprozess in Gang, der Freunde meist noch stärker zusammenschweißen lässt.
In diesem Psychodrama von Julian Richards geht es weitaus bedrohlicher zu, denn sechs britische Vorstadt-Kids im Alter von Vierzehn treffen im Wald auf einen psychopathisch veranlagten Wegelagerer: Dieser Sommer wird Narben hinterlassen.
Bingo, Leanne, Paul, Mugsy, Jonesy und der an den Rollstuhl gefesselte Ben schwänzen die Schule, mopsen sich ein Moped und heizen damit durch den nahe gelegenen Wald, bis sie den Fremden Peter anfahren.
Gar nicht verärgert gesellt er sich zur Gruppe und motiviert sie, seinen verschwundenen Hund zu suchen. Als sie ins Lager zurückkehren, werden sie von zwei älteren Schülern provoziert, bis Peter seine Luftpistole zückt und die beiden in die Flucht schlägt. Doch es wird nicht das letzte Mal sein, dass diese Waffe das Tageslicht erblickt…
Die Geschichte legt von vornherein ein ordentliches Tempo vor, bringt seine knappe Figurenzeichnungen treffend auf den Punkt, so dass dem Betrachter der eine oder andere Jugendliche allein vom Verhalten her vertraut erscheinen dürfte. Dabei sticht niemand sonderlich hervor, doch aufgrund der intensiv agierenden Jungdarsteller nimmt man ihnen ihre Rolle problemlos ab.
Dazu gehören kleine Zankereien ebenso wie ein geheimer Flirt mit dem einzigen Mädchen und vor allem das allgemein glaubhafte Verhalten, als die Situation umschwenkt und aus Spaß ernst wird.
Spannung bezieht die Handlung hauptsächlich dadurch, dass der Zuschauer mehr weiß als die Kids, die in ihrer leichten Naivität nahezu blindes Vertrauen zum Fremden aufbauen, der wiederum sehr geschickt den lockeren Kumpeltyp gibt, ihnen den Spaß erlaubt, ein Liebespaar im Auto zu beobachten und kurz darauf als Retter gegen die Älteren im Vordergrund steht.
Als er die Jungs jedoch zu einem leicht masochistischen Spiel auffordert, bei dem sie Peter treten und schlagen sollen, gerät die Situation zwangsläufig außer Kontrolle.
Der komplexe Charakter Peters erfährt zwar nur einen angedeuteten Hintergrund eines Militärtraumas und eines Asthmaleidens, doch seine Unberechenbarkeit macht ihn zu einer latenten Bedrohung, von der man nie einschätzen kann, was ihm als nächstes in den Sinn kommt, selbst als einer der Jungs fliehen kann.
Aufgrund des fast fehlenden Scores und den Verzicht auf visuelle Spielereien wirkt die Atmosphäre noch authentischer, - der ordinäre Wald bietet eine Menge Schlupfmöglichkeiten, doch für den, der sich dort etwas besser auskennt, auch einen gewaltigen Vorteil.
Leider kann der Spannungsbogen nicht konstant Aufrecht erhalten werden, gerade im letzten Drittel mangelt es an Beweggründen und der rote Faden gleitet dem Skript ein wenig aus den Händen. Natürlich muss die prekäre Situation eine Steigerung erfahren, mindestens ein Ereignis muss stattfinden, damit so etwas wie eine Pointe erzeugt wird, doch das findet leider kaum statt. So endet die Sache mit einem nahezu offenem Ausgang, bei dem man sich zwar seinen Teil denken kann, doch als Aussage ist da zu wenig Griffiges vorhanden.
Beinahe so, als hätte man zum Schluss gar nicht mehr gewusst, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen sollte, oder schlimmer, es von Beginn an nicht näher definiert hatte.
Insofern trüben die letzten Minuten des recht kurzen Psychodramas (64 Minuten und ein recht langer Abspann) den Gesamteindruck ein wenig und man könnte darüber spekulieren, ob eine Fortsetzung Sinn machen könnte.
Ansonsten hat Richards mit einfachen Mitteln und glaubhaften Figuren einen fesselnden Beitrag kreiert, der ohne nennenswertes Blutvergießen auskommt, stattdessen aber recht gekonnt mit dem schmalen Grad zwischen Spiel und Ernst, zwischen Kinderwelt und Erwachsenen-Problem und der Macht der Beeinflussung balanciert.
7 von 10