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Beruhigend zu sehen, dass es auch in Deutschland noch ein paar kluge Köpfe gibt, die etwas Geistreiches auf die Beine stellen können. Zwar hat der Kurzfilm „Balance“ mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel, doch seine Thematik ist absolut zeitlos. Damals bestätigte man die Qualität dieses Animationsfilms mit einem Oscar – nicht ohne Grund.

Fünf Menschen befinden sich auf einer schwebenden Plattform und versuchen das Gleichgewicht zu halten. Äußerlich unterscheiden sie sich nur durch Nummern auf dem Rücken. Sie fahren ihre Angeln aus und jemand erwischt eine Schatzkiste, die aber so schwer ist, dass diese das Gleichgewicht auf dem Plateau massiv stört – und dennoch will jeder an sie herankommen, was schlimme Konsequenzen nach sich zieht.

Da sind definitiv mehrere Interpretationsmöglichkeiten gegeben. Gruppendynamik und Kooperation, Machtausspielen und Neid fallen einem sofort als Schlagwörter ein. Denn wie lange hält eine Gruppe zusammen, wenn es um einen Schatz (Novum innerhalb der Arbeitswelt, im Privatbereich vielleicht sogar eine Frau?) geht? Wie viel ist jeder bereit zu opfern, um an dieses wertvolle „Teil“ zu gelangen? – Letztlich ist alles ein Balanceakt und das illustrieren die Lauensteins hier sehr treffend.

Innerhalb dieser knapp acht Minuten konzentriert man sich nur auf das Wesentliche. Musik kommt ausschließlich aus der Schatzkiste, ansonsten unterstreichen Delay-Effekte die weitreichende Konsequenz des Handels einer jeden Figur.
Eine ausgefeilte Mimik ist für die Figuren nicht notwendig – ihre Bewegung steht im Vordergrund und so verfolgt man als Zuschauer recht gebannt jeden Schritt

Es entstand ein unterhaltsamer und verständlicher Balanceakt, denn die Moralkeule schwingt dabei nicht gleich die komplette Plattform kaputt, sondern veranschaulicht nachvollziehbar die Konsequenzen egoistischen Handels, von dem sich nun mal niemand von uns freisprechen kann. Praktisch eine Grisaille zum Nachdenken.

Einfach, aber gelungen.
8 von 10 Punkten

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