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Mit „Eine Frage der Ehre“ wagte sich Rob Reiner an das Genre des Militärthrillers und konnte auch hier überzeugen.
Zwei Marines überfallen einen der Ihren und stopfen ihm nachts einen Lappen in den Mund – woran dieser stirbt. Die Ermittlerin JoAnne Galloway (Demi Moore) will den Fall vertreten, da sie glaubt, das Ganze sei ein befohlener Code Red gewesen ist. Ein Code Red ist eine offiziell verbotene Disziplinarmaßnahme, die Soldaten auf Befehl an Kameraden durchführen. Schon hier zeigt „Eine Frage der Ehre“ sein zentrales Thema: Die Befehlsstrukturen des US-Marines, denn dieses Thema kommt im Verlauf des Films immer wieder auf.
Da sie zwar gute Arbeit leistet, aber kaum Fälle vorweisen kann, stellt man als Hauptverteidiger den jungen Anwalt Daniel Kaffee (Tom Cruise) auf. Dieser ist jedoch der König des Kuhhandels und bringt es innerhalb seiner gerade mal neunmonatigen auch jede Menge abgeschlossener Fälle – ohne einen einzigen im Gerichtssaal verhandelt zu haben. Cruise spielt Kaffee als aufgeblasenen und selbstgefälligen Schnösel. Die Rolle, die er oft spielt, und in der er auch gut ist. Böse Zungen behaupten, damit spiele er nur sich selbst, aber hier passt diese Ader im Gegensatz zu Filmen wie „Mission: Impossible – 2“.

JoAnne, Kaffee und sein Partner und Kumpel Sam Weinberg (Kevin Pollak) machen sich an den Fall und Kaffee will wieder per Kuhhandel abschließen, aber er hat nicht mit JoAnnes Hartnäckigkeit gerechnet. Sie zwingt ihn, genau zu recherchieren und sie will auch vor Gericht gehen, da es Wunsch der beiden Angeklagten ist. Doch bei den Recherchen legt man den Ermittlern Steine in den Weg...
Interessant und ohne Patriotismus beschäftigt sich „Eine Frage der Ehre“ mit den Strukturen der US-Marines und kann hier auch punkten. Natürlich wird das Ganze dramatisiert und überspitzt, aber dennoch versteht Regisseur Rob Reiner es, den Film spannend zu halten. So besitzt die Handlungen einige Wendungen, die meist glaubwürdig sind, und der Ausgang des Films ist nicht allzu vorhersehbar.
Einzige Schwäche von Reiners Film ist die Tatsache, dass er es an einigen Stellen nicht schafft, die Klippen des leicht kitschigen Schmu zu umschiffen. So werden einige durchaus realistische bzw. für einige Figuren unschöne Momente durch allzu dick aufgetragenes Gesülz über Loyalität, Ehre, Freundschaft usw. zunichte gemacht. Zum Glück gibt es nicht besonders viele dieser Passagen, so dass man diesen Mangel verkraften kann.

Den Dialogen merkt man teilweise an, dass Rob Reiner klar im Komödienfach zu Hause ist, denn viele Gespräche bieten Pointen und trockene Kommentare, während einige Streitereien zwischen Kaffee und JoAnne an Screwball-Comedys erinnern (auch hier ist die Love Story zwischen den beiden vorprogrammiert). Vor allem Cruise als schlitzohriger Anwalt kann punkten und viele kleine Pointen lockern den Plot auf.
Tom Cruise ist in seiner Standardrolle á la „Top Gun“ oder „Tage des Donners“ überzeugend und auch Demi Moore kann wie so oft in der Powerfrauenrolle überzeugen. Garniert wird das Ganze mit einer Reihe erstklassiger Nebendarsteller wie Jack Nicholson (herrlich als absolutes Arschloch Colonel Jessep), Kevin Bacon, J.T. Walsh, Kevin Pollak usw.

Spannender und humorvoller Militärthriller mit guten Darstellern. Nur ein etwas weniger Kitsch an einigen Stellen wäre wünschenswert gewesen.

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