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-->Eine tragische Dreiecksgeschichte also wieder einmal, diesmal aber filmdeutscher Provenienz und zurecht gebogen aus den drei Figuren Thomas (Benno Fürmann), Ali (Hilmi Sözer) und Laura (Nina Hoss). Die Story beruht hierbei auf dem bereits 1934 veröffentlichten Roman von James M. Cain Wenn der Postmann zweimal klingelt, der zuletzt 1981 von Bob Rafelson mit den seitens der Yellow Press als Skandal-Paar gehypten Darstellern Jack Nicholson und Jessica Lange furios verfilmt worden ist.
Der Prolog ist verwirrend: es geht um Familienbande, um Erbschaft und Schulden. Dann liegt ein Mann bewußtlos auf dem Rasen, niedergeschlagen und ausgeraubt. Es ist Thomas, ehemaliger Afghanistan-Kämpfer, später unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen, jetzt arbeitslos und alleiniger Bewohner des von der verstorbenen Mutter geerbten Häuschens irgendwo in der nordostdeutschen Provinz. Im Supermarkt will Thomas mit Wertgutscheinen vom Sozialamt bezahlen, weshalb ihm Zigaretten und Alkohol von der genervten Kassiererin gesondert in Rechnung gestellt werden. Auf dem Rückweg trifft er unvermutet auf den türkischstämmigen Unternehmer Ali, der mit seinem Pkw in den Graben gerutscht ist und der Hilfe bedarf. Ali fasst augenblicklich Zutrauen zum zupackenden, physisch überlegenen Thomas, bietet ihm einen Job als Fahrer an, denn er selbst hat aufgrund seiner Alkoholprobleme gerade für ein Jahr den Führerschein abgeben müssen. Thomas willigt nach nur kurzem Überlegen ein, zumal er Laura entdeckt: eine blonde, 34jährige attraktive Frau - Alis Ehefrau, weitaus jünger als ihr Mann, aber von ihm auf eine rechtlich schwer vertrackte Weise finanziell abhängig. Und so kommt, wie es einfach kommen muss: die beiden beginnen eine holprige, sexuell aufgeladene Affäre, die sie vor dem cholerischen und von massiven gesundheitlichen Problemen gebeutelten Ali zu verbergen suchen...
Die aus dieser unheilvollen Konstellation aus Leidenschaft, Schuld, Eifersucht und Verbrechen entstehenden Konsequenzen malt Regisseur Christian Petzold ("Die innere Sicherheit", "Yella") äußerst gradlinig und schnörkellos. Bei ihm ist alles pure Ökonomie: der Handlungsfaden, die Zahl der Drehorte und Darsteller, die Motive der Handelnden selbst. Thomas hat kein Geld, aber Schulden; Ali achtet penibel auf die Tageseinnahmen seiner 45 Buden und wittert (nicht zu Unrecht) allzeit Betrug und Unterschlagung; Laura wiederum drücken arge Bankschulden, die ihr Mann für sie übernommen hat. Dennoch versucht sie ihn mithilfe des Betreibers eines Getränkemarktes zu bescheißen.
Am Ende läußt alles - so die Moral der Geschichte - aufs Geld hinaus, auch wenn es nichts mehr nützt, weil die wirklichen Verhältnisse den Figuren über den gesellschaftlich beschränkten Kopf wachsen. "Man kann sich
nicht lieben, wenn man kein Geld hat" sagt Laura in einer Schlüsselszene. Folgerichtig gerät auch der Filmschluß zum knappen, minimalistischen Ende: sharp, short, shocking.
Petzolds Studie über brandaktuelle Formen menschlicher Lebensgier und Verleugnungskräfte ist radikal, stilistisch aufs Nötigste reduziert und sehenswert. Dennoch gibt es aufgrund eines für den Betrachter nachhaltigen Unbehagens nur 6,5/10.