Review

Es war einmal...Tarsem Singhs Regiedebüt!
"The Cell", besagter visionär visuell bebilderter Film, hat zwar nicht eben einen Ruf wie Donnerhall, nimmt aber optisch immer noch eine gewisse Ausnahmestellung unter den "Serienkillerfilmen" ein, weil er eben berauschende psychologische Traumtableaus bot, die bei den meisten Zuschauern enormen Gefallen fanden. Daß der Film drumrum dann eher psychologisch bieder, das Drama aufgesetzt und der Thrill ermüdend platt ausfielen, schmälerte den Reiz etwas, aber selbst bei der Jahre später produzierten neuen Produktion "The Fall", in der die visuellen Schmankerl noch etwas erhabener ausfielen, war das Ungleichgewicht zwischen erzählerischer und optischer Komponente noch deutlich.

Aber das ist eine andere Geschichte, denn auch "The Cell" wart fortgesetzt - und wie so oft als Billigschnellschuß für den DTV-Markt, wo sich optischer CGI-Schnickschnack recht kostengünstig als Ersatz für desorientierte Sets und Bauten eintauschen läßt, solange sich halbwegs an der Ausgangsstoryline entlang hangelt.
Die war nun leider der absolute Schwachpunkt am Vorgänger, insofern ist es nicht verwunderlich, daß "The Cell 2", die erste Filmarbeit des TV-Regisseurs Tim Iacofano, nicht eben souverän ausfällt.

Gleich zu Beginn verweisen wir noch einmal auf J-Lo aus dem Original, um uns dann entschieden die neue Traumprofilerin zu präsentieren, die, wie überraschend, auch brünett und exotisch daher kommt. Maya (Tessie Santiago erfüllt zumindest die Mindestanforderungen) ist mitsamt den Behörden (FBI) auf der Jagd nach einem 23fachen Killer, der seine Opfer immer gern mehrfach innerhalb kürzester Zeit steben läßt, um sie immer wieder zu beleben. Sie ist auch gleichzeitig sein einziges überlebendes Opfer und hat seit ihren zahlreichen Todeserfahrungen jetzt das gewisse Etwas, mit ihrem Peiniger Kontakt aufzunehmen, weswegen sie immer ein spezielles Kopfhörerset trägt, das ein totales Eindringen in seinen/ihren Kopf verhindert.
Prompt kommt man ständig zu spät oder wird an der Nase herumgeführt.

Alles ändert sich dann natürlich, als man längerer Pause in einer ländlichen Gegend wieder auf ein Opfer trifft und gleichzeitig die Nichte des lokalen Sheriffs entführt wird. Das wäre jetzt noch eine solide Basis für eine Story geworden, auch wenn der Käse mit der Kopfapparatur schon albern genug ist, dient sie doch nur dazu, den Täter immer schön im Schatten zu belassen.
Allerdings ist der Plot dermaßen eindimensional, daß es sowieso maximal einen Verdächtigen gibt, der sich von Anfang an aufdrängt und der ist es dann auch dummerweise. Das müssen auch die Autoren gemerkt haben, denn nach nicht mal zwei Filmdritteln lüftet man einfach so den Schleier, den man ja unbedingt zu Beginn brauchte und verrennt sich in absolutem Psychokokolores und sogenannten "plot devices", um mühevoll 78 Minuten Lauflänge voll zu bekommen. Also gerät der arme Sheriff unter Verdacht; ein als Arschloch gebrandmarkter FBI-Mann wird zum totalen Arschloch (Steigerung ist wichtig!), das Opfer entwickelt erfolgreiche Fluchttendenzen und der Täter hat auch noch Angst vor der Dunkelheit. Seine Motivation ist ein undurchsichtiger freudianischer Mumpitz und schlußendlich geht das Duell in der Realität einher mit einem Kampf in der Gedankenwelt (nicht etwa in den Träumen), weswegen wir statt aufwändiger Kulissen auch auf einem simple Fabrikhalle zurückgreifen können, um einen total unlogischen, aber dafür enorm wirren Schluß zu stricken.

Die anderweitig soliden Darsteller sind dabei gar nicht so übel, haben aber gegen den Murks des Drehbuchs, der auch noch etwas Torture-Horror-Look (schmutzig beleuchtet, ungesund geputzt) in die Waagschale wirft, weil das ja in ist. Leider nervt der Killer, sobald er enttarnt ist, durch seine enorme Durchschnittlichkeit und Beliebigkeit, hat keinerlei bedrohliche Attribute und es ist total unglaubwürdig, daß sich niemand gegen diesen Muckel wehren konnte, aber wenns der Handlung hilft...

Abschließend gesprochen: es gibt sicherlich Schlimmeres auf dem DTV-Sektor als einen falsch gewichteten und nur sehr selten spannenden Killer-Thriller, ich finde aber auch keinen besonderen inhaltlichen oder visuellen Kick, der eine Empfehlung rechtfertigen würde, abgesehen von der relativen Kürze. Stangenware mit etwas Mystery-SF-Mumpitz, aber ohne jede der Qualitäten des Originals. Und die haben Singhs Film damals leider auch nicht gerettet. (3/10)

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