Review

Abgesehen von der mehr als flüssigen Wassersymbolik ein zurückhaltend, aber gekonnt gestalteter Film, der vor allem durch seine meist hellen, einen klaren Blick verschaffenden Bilder überzeugt sowie durch die geschickte Inszenierung von Menschen und Räumlichkeit (Orgelspieler thront über allen anderen, obwohl er ihnen moralisch unterlegen ist; verzweifelte Mutter sucht verloren in weitläufiger Platz- und Parkanlage vor einem Café nach ihrem Kind, kann kaum Kontakt zu anderen Passanten aufnehmen; trauernde Eheleute können sich in der Enge ihrer Küche nicht aufeinander zubewegen, wirken in ihren Emotionen und Ansichten stark getrennt; etc.) und findet immer wieder passende Anknüpfungspunkte, um zwischen den Zeitebenen der Erzählung zu wechseln.

Dieses Schuld und Abbitte Drama handelt von zwei traumatisierten Menschen. Auf der einen Seite die Mutter, die ihr Kind verloren hat, ihre Trauer nicht überwinden kann und deren Eheleben unter dem schmerzhaften Verlust leidet und die Genugtuung verlangt.
Auf der anderen Seite der Mann, der wegen der Tötung eben jenes Kindes verurteilt worden ist und nach der Haftentlassung einen Job als Orgelspieler annimmt, ein geregeltes Leben aufbauen will, von den Geistern der Vergangenheit aber nicht los gelassen wird.

Der Film illustriert, was in Täter und Opfer vorgeht, wie das Geschehene auf ihnen lastet und den Alltag dominiert. Ein Film über die Schwierigkeit, ein traumatisches Ereignis zu verarbeiten und mit der Vergangenheit abzuschließen.

Störend wirkt der brachiale Wechsel der Erzählperspektive in der Mitte. Zwar ist es begrüßenswert, dass der Film um Ausgeglichenheit bemüht ist und die Befindlichkeiten beider Parteien gleichberechtigt zeigt.
Doch wäre eine parallele Erzählweise vielleicht besser gewesen als ein hintereinander folgendes Bringen der Handlungsstränge beider Figuren, die schließlich aufeinander treffen in einem dramatischen Finale (das weitgehend gelungen ist, aber sich in der Szene am Bach mit einer zu bemühten Parallelität von Vergangenheit und Gegenwart selbst ins Bein schießt ; und als Epilog darf der vorbestrafte Orgelspieler in der Küche der Pastorin sehr wohlfeil die Moral der Geschichte aufsagen, was doch ärgerlich ist).

Dafür sind jene Szenen grenzgenial, wo der traumatisierte Mann an seiner Kirchenorgel sitzt und die Art seines Spiels ein Spiegelbild seiner Emotionen und Befindlichkeiten darstellt. Regelrecht lustig wird es gar, als er auf einer Hochzeit dermaßen aggressiv in die Tasten haut, dass man annehmen könnte, das sei keine Hochzeit, sondern die Apokalypse. Man merkt halt: Der Mann hat viel Wut. Wut auf sich selbst, Wut auf die Welt, Wut auf seine Unfähigkeit, sich von den Geistern der Vergangenheit zu lösen. 

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