"Boogie Nights" erzählt die fiktive Geschichte des Eddie Adams (Mark Wahlberg), der im Amerika der 70er von zuhause ausreißt, unter die Fittiche des Pornoregisseurs Jack Horner (Burt Reynolds) kommt und selbst der Star der Branche wird. Doch Kokain lässt ihn den Bodenkontakt verlieren und macht ihn impotent, der Abstieg ist nicht mehr aufzuhalten...
Ich ziehe meinen Hut vor Paul Thomas Anderson, der mit "Boogie Nights" einen der herausragendsten Filme der letzten Jahre geschaffen hat, der völlig zu Unrecht kaum Beachtung findet. Sein Bemühen, einen möglichst realistischen und gleichzeitig unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen der Pornobranche zu gewähren ist jederzeit spürbar. Davon zeugt eine Top-Ausstattung, die das Flair der 70er wiederauferstehen lässt, wodurch "Boogie Nights" stellenweise ein echtes Feel-Good-Movie ist.
Doch nach der sehr spaßigen ersten Hälfte ist erst einmal Schluss mit lustig, der Film wird danach überraschend ernst, teilweise echt traurig, wenn man sieht, wie es mit den Hauptfiguren bergab geht. Auch ein Verdienst der tollen Darsteller. Ich hätte nie gedacht, dass Wahlberg zu solch einer Leistung fähig ist, allerdings stielt ihm der alte Hase Burt Reynolds ganz klar die Show, der mit seiner unterschwellig-schleimigen Figur des Regisseurs Jack Horner alle in den Schatten stellt. Übrigens ist der komplette Cast gespickt mit bekannten Gesichtern, z.B. Julianne Moore, Heather Graham, William H. Macy, Luis Guzmàn und Philip Seymour Hoffman, der mal wieder den kaputtesten Charakter von allen spielen darf.
Neben den super Sets trägt der Soundtrack einen Großteil zur Atmosphäre bei, sämtliche bekannte Discohits der späten 70er und frühen 80er sind zu hören, am geilsten kommt das im Haus des abgedrehten Junkie zum Schluss, wo es zu einer spektakulären Schießerei kommt.
Die Sexszenen sind überraschend freizügig für ein R-Rating und auch ein paar Sprüche kommen recht derb. Da hat die MPAA wohl ein Auge zugedrückt, weil das Ganze doch wie eine Dokumentation aufgezogen ist. Hierbei noch ein Riesenlob an die Kamera, die einige spektakuläre Fahrten bietet (Eingangssequenz!) und zudem alle Pornoaufnahmen authentisch nach 70ern ausschauen lässt, wozu ein Farbfilter einen Großteil beiträgt.
Als Fertigprodukt entsteht ein aufregender Genremix aus Erotikkomödie, Drogendrama und Thriller im Doku-Stil mit leichter Überlänge, aber trotzdem absolut kurzweilig. Kann man schwer beschreiben, den muss man einfach gesehen haben!