Eine lange Kamerafahrt ohne Schnitt, ein Nachtclub im Schein des künstlichen Lichts der Schrift und Laternen. Von außen durch das Innere, vorbei an Tischen, Leuten, durch die Musik und letztlich bis zu Jack Horner, seines Zeichens Regisseur. Dieser wird auf den jungen Eddie Adams aufmerksam, will mit ihm Filme drehen und zieht ihn so hinein in die Welt des Pornos und des vermeintlichen Glamours.
Denn wie so oft - nach einem Höhepunkt geht es erst einmal nach unten. Das von Paul Thomas Anderson geschriebene und inszenierte Drama um Aufstieg und Fall ist recht geradeaus, der Weg ist durch gleichgelagerte Filme vorgezeichnet. Und dennoch kann „Boogie Nights“ mit einigen Pfunden wuchern.
Denn trotz der wenig überraschenden narrativen Ebene schafft Anderson es trotz der Laufzeit, stets das Interesse und Fluss aufrechtzuerhalten. Auch in der zweiten Hälfte, in welcher mehr und mehr die Risse in dem zuvor so bunt bebilderten Mikrokosmos zutage treten. Je später, desto abwärts. „Boogie Nights“ nimmt im weiteren Verlauf ernstere Züge an und bleibt auf diesem Weg eine ganze Weile. Es ist durchaus bemerkenswert, wie konsequent der Film diesen tonalen Wechsel durchzieht, auch wenn mir der Film zu versöhnlich endet. Bis dahin schafft es das Skript aber, Ereignisse witzig, tragisch oder beides zugleich darzustellen.
Visuell ist „Boogie Nights“ fabelhaft und bietet Plansequenzen sowie eine detailreiche Ausstattung, welche die jeweilige Zeitepoche der 1970er / 1980er lebendig und greifbar werden lassen. Atmosphärisch kann der Film etwas, ist hier ausladend, bietet dazu manch auffallend gut gewählte Blickwinkel und Kadrierung. Musikalisch fällt die Fülle an bekannten Songs auf, doch auch der Score von Michael Penn passt und untermauert gerade im letzten Drittel die teils unangenehme Stimmung gekonnt.
Die Kompensation und Suche, der sich die Figuren hingeben, schwingt immer mit und trotz des an Oberflächlichkeit nicht armen Geschäftsfeldes bemüht sich das Skript bei ihnen um eine gewisse Tiefe. Das gelingt mal mehr, mal weniger, doch haben alle Charaktere spürbar Persönlichkeit und profitieren von einem mitunter ambivalenten Verhältnis, das man zu ihnen je nach Abschnitt aufbauen mag. Dazu trägt auch das Ensemble bei, in welchem sich bekannte Gesichter en masse finden. Ein paar stechen heraus, Burt Reynolds, Julianne Moore, William H. Macy, Heather Graham, Don Cheadle, Philip Seymour Hoffman. Und gilt auch für den Rest, dass es keine Ausfälle gibt, ist ausgerechnet Mark Wahlberg als zentrale Figur ein Schwachpunkt. Ist sein dulliger Eddie zu Beginn noch passend, sehe ich irgendwann zu viel Wahlberg selbst und letztlich ist es gut, dass der Film in der zweiten Hälfte den Fokus nicht mehr so stark nur auf ihn legt.
Hier und da wirkt der Fortgang etwas ziellos, wobei es schon bemerkenswert ist, was Anderson in seinen jungen Jahren hier auf die Leinwand gebracht hat. Auch wirken manche Plotpunkte eher nötig denn nachvollziehbar (Eddies Mutter), man braucht sie eben an dieser Stelle, um weiterzukommen. Dennoch ist „Boogie Nights“ ein sehenswertes Drama, dabei auch immer wieder mal witzig, ein Panoptikum von Figuren, die einander finden und mitnehmen. Man ist über die Laufzeit dabei und der Trip macht Spaß, solange er dauert. Eine Geschichte von rauf und runter nach bewährtem Muster, die vornehmlich mit ihrer Ausstattung und Besetzung glänzt. Eine unterhaltsame Zeitreise.