Scheinbar gibt es neuerdings eine Abwrackprämie für B-Actioner Restposten, für die Regisseur Danny Lerner ein Großteil seines Budgets verschleudert hat. Der Rest ging für Dolph Lundgren drauf, der im Mittelpunkt dieser Abenteuerreise mit Krawumms steht.
Der Schwede mimt hier den Special Forces Agent Mike Riggins, der wegen diverser Bagatellen wie Waffenschmuggel im russischen Knast abhängt, bis ihn der dubiose CIA-Mann Connelly (Michael Paré) ein verlockendes Angebot vorschlägt: Gegen Geld soll er die entführte Milliardärstochter Ana (Gina May) aus einem Militärstützpunkt befreien. Als dies gelingt, sind jedoch verschiedene bewaffnete Einheiten hinter dem fliehenden Paar her...
Mal abgesehen von einer wohl eher obligatorischen Liebesszene herrscht hier kaum ein Augenblick Stillstand. Das beginnt mit einer wuchtigen Prügelei im Knast, geht über die Befreiungsaktion auf dem Stützpunkt, hangelt sich über diverse Verfolgungsjagden und Explosionen und endet bei einigen blutigen Schießereien. Natürlich fällt hierbei die mangelnde Kontinuität auf, teilweise scheint es so, als sei das Skript um die Footage Szenen herum geschrieben worden, wodurch ein paar gewaltige Handlungslücken entstehen, - aber auch nur, wenn man sich nicht von der latent wütenden Action unterhalten fühlt.
Dolph mimt den wortkargen Einzelgänger mit angebrachter Coolness und wirkt für seine 51 Lenze noch verdammt frisch und durchtrainiert. Dabei muss er gar nicht mal so viel körperlich austeilen, die meisten Gegner werden mit Schusswaffen oder kleinen Bomben dezimiert. Auf Seiten der Bösen (und bis auf seine weibliche Begleitung sind dies nahezu alle) tun sich keine großen Mimen auf, ihre rohen Handlungen, einfach mal eine Gruppe unbedarfter Zivilisten abzuknallen, spricht eine eigene Sprache.
So beschränkt sich die Story tatsächlich auf eine turbulente Verfolgung mit zahlreichen Auseinandersetzungen, hier und da wird aufgezeigt, wer zu welchem Lager gehört und Absichten treten nach und nach zutage, doch auf die Geschichte an sich konzentriert man sich beileibe nicht.
Recht goldig ist noch die klischeemäßige Entwicklung zwischen Held und Love Interest, vom Anzicken und widerspenstigen Verhaltensweisen bis zur offensichtlichen Zuneigung, vom Kofferraum des Fluchtwagens bis ins Bett auf einem Bauernhof.
Das Spiel „Einer gegen alle“ funktioniert insofern reibungslos. Der Held ist nahezu unverletzbar, selbst wenn dieser seelenruhig sein Motorrad besteigt und Scharfschützen auf den Dächern in Position gehen. Da fliegt im Verlauf so einiges in die Luft, Autos fliegen durch die Gegend, ein halbes Haus wird bombardiert und eine Tankstelle dem Erdboden gleich gemacht. Ein präparierter Truck sorgt für zahlreiche demolierte Außenstände und selbst ein Panzer überrollt kleinere Fahrzeuge und durchbricht Mauern.
Dabei sind die meisten Effekte handgemacht, was sich primär bei den Explosionen positiv bemerkbar macht, nur die Kamera könnte während einiger Sequenzen etwas spielfreudiger sein, - das ist dem Handwerk verschiedener B-Regisseure anzukreiden.
Puristen und Genre-Kenner werden das Stückwerk ergo als völlig zusammenhanglos ankreiden und im Endeffekt zeugt dieses Feuerwerk auch von wenig Eigenkreativität.
Auf der anderen Seite genießt man zwischendurch gerne mal eine Latte von Schauwerten, die mit einer sympathischen Hauptfigur angereichert eine herrlich bunte Mischung ergeben.
Um die Wartezeit für „The Expendables“ unter der Regie von Stallone zu überbrücken, reicht das fürs erste.
6,5 von 10