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Auf einer Baustelle findet der junge Alan Parrish ein Brettspiel, welches es in sich hat. Die Figuren bewegen sich nach dem Würfeln von selbst, es geschehen nach jeder Runde merkwürdige Dinge und bei einer Partie mit seiner Bekannten Sarah wird Alan in das Spiel gesogen. Sechsundzwanzig Jahre später wird er zufällig wieder daraus befreit. Doch muss er erkennen, dass das Spiel noch nicht vorbei ist.

Ach ja, die 90er. Das heißt, dass das Brettspiel schon einmal keinen eigenen Origin-Film bekommt. Es ist da, es funktioniert nach einfachen Regeln, fertig. Danke dafür. Das von Joe Johnston inszenierte Fantasyabenteuer arbeitet sich somit an seiner Grundidee ab und schafft dies ohne große Umwege. Wenn man von einem zweifachen Prolog absieht. Ansonsten zieht er in angenehmen Tempo vorwärts wie seine Figürchen auf dem Spielbrett.
Seine zeitliche Herkunft macht sich dabei auch in der Erzählstruktur bemerkbar. Natürlich will er Spektakel liefern, doch hetzt der Film eben nicht von einem Krawall zum nächsten. Zwar steigert es sich zum Ende hin, doch findet man immer wieder etwas Zeit für die Figuren. Ein Charakterdrama wird das hier nie, aber ein paar kleine Momente, insbesondere für Alan, gibt es. Und ein leider ziemlich zuckriges Ende.
Dabei steht der von Robin Williams gespielte Alan im Mittelpunkt, wird aber von diversen anderen Figuren flankiert. Williams zieht hier gar nicht mal so sehr eine Show ab, was einerseits etwas schade ist, zu dem auf familientauglich getrimmten Abenteuer aber wohl auch nicht gepasst hätte. Er wirkt (für seine Verhältnisse) zurückgenommen, dennoch stets sympathisch. Eine junge Kirsten Dunst geht in Ordnung, Jonathan Hyde als Alans Vater und auch Jäger van Pelt hat als Letzterer ein paar gute Auftritte.
Bekommen manche Figuren also auch etwas mehr Raum wie das spielende Quartett oder der mit dem Chaos konfrontierte Cop Carl, so ordnet das Skript seine menschlichen Figuren letztlich seiner Prämisse unter.

Will man über den Elefanten im Raum sprechen und meint das hier trotz allem nicht wörtlich, dann ist es eben jener, dass man mit dem Spiel in Nullkommanix durch wäre. Wenn man denn wollte. Einfach weiterwürfeln. Wird sogar mal gemacht. Sonst nicht. Filmlogik.
Und dann sind da noch die Effekte. Dass „Jumanji“ derer nicht wenige bietet ist bei der Ausgangslage klar. Ebenso allerdings, dass die 90er nicht gerade für ihre Masse an gelungenem CGI berühmt sind. Und so ist das hier ein ambivalentes Vergnügen. Sehen die animatronischen Einlagen immer noch gut aus, trifft das für die Effekte aus dem Computer meist nicht zu. Selbst unter dem Blickwinkel der comichaften Einlage wirkt das nicht überzeugend. Dennoch, und eben auch in Anbetracht der Entstehungszeit, zerstört das den Film nicht. Übersehen kann man es trotzdem nicht.
Auch nicht zu übersehen ist das Verhalten der ach so zivilisierten Menschen, wenn um sie herum das Chaos ausbricht. Da wird gleich geplündert, der Dschungel ist eben doch überall. Ein netter Seitenhieb.

„Jumanji“ hat von so vielem etwas. Und „etwas“ kann man wörtlich nehmen. Denn wenn er sich auch immer wieder in Randale ergeht, so ist alles immer nur etwas gefährlich. Und hier und da ist er etwas spannend. Oder etwas witzig. Alan ist auch nur etwas traumatisiert. Etwas von allem, aber nicht zu viel. Ist das nun gut ausbalanciert oder doch nur unterentwickelt? Das entscheidet sich wohl je nach Tagesform. Unterhaltsam ist der Streifen allemal und mit Robin Williams macht man eigentlich nie was falsch. Weniger schrill als die inzwischen erschienenen Neuauflagen und in seiner Machart angenehm altmodisch bietet Johnstons Film ein nettes Fantasyabenteuer.

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