Season 1
erstmals veröffentlicht: 13.01.2013
Wenn ich auf die erste Staffel zurückblicke, bin ich doch überrascht, wie wenig Zündstoff bislang tatsächlich explodiert ist; bei einer Serie über eine Bikergang hätte man sicherlich noch mehr Konflikte erwartet. Die sind aber für die zweite Staffel zu erwarten, denn am Ende geht soweit die Post ab, dass das Bruderband – ähnlich wie in „The Shield“ – zu reißen droht. Bis dahin grenzen einige Handlungsstränge leider an Soap-Opera-Zustände, allerdings kippt die Serie nie, was sie der hochwertigen Machart und den soliden Schauspielern zu verdanken hat, obwohl echte Neuentdeckungen bislang ausbleiben; die besten Leistungen bieten Leute wie Ron Perlman oder Katey Sagal, die man eben bereits gut kennt, während etwa Hauptdarsteller Charlie Hunnam solide, aber blass bleibt.
Insgesamt sehr sehenswert, zumal das Handeln der Biker nicht glorifiziert wird. Eine deutliche Steigerung ist für Staffel zwei zu erwarten.
7/10
Season 2
erstmals veröffentlicht: 17.02.2013
Zu meinem Erstaunen wurde der Cliffhanger, der für Staffel 2 so viel brodelnde Unterschwelligkeit versprach, recht schnell beiseite geschoben, um für neue Handlungsstränge Platz zu schaffen. Charlie Hunnams Hauptfigur fällt immerhin zunehmend in eine persönliche Krise, die aus dem Zwiespalt zwischen den Wurzeln seines Vaters, seines eigenen Vaterdaseins und der neueren Entwicklung des Klubs entwächst. Darüber hinaus hat Katey Sagal wiederum die besten Szenen, die sie erneut mit der besten Leistung aller Beteiligten füllt. So unterhaltsam und teilweise packed die Serie aber auch geschrieben sein mag, zur oberen Klasse will sie einfach (noch) nicht gehören.
7/10
Season 3
erstmals veröffentlicht: 02.04.2013
Dass immer wieder die gleichen Sets aufgesucht wurden, auch wenn es wenig Sinn machte (äußerst unwahrscheinlich, dass sich sämtliche Charaktere in die Krankenhauskappelle verziehen, wenn sie alleine sein oder nachdenken wollen; tatsächlich ist das nur eine Methode der Drehbuchautoren, ein intimes Gespräch zwischen zwei Figuren herauszufordern), begann gerade zu nerven, da verlagert sich die Handlung ins grüne Irland - inklusive Irish-Folk-Variation des Titelsongs! Der neue Schauplatz bringt neuen Pepp in die zwar hochwertig umgesetzte, aber langsam ins Soapige abdriftende Serie. Ab hier zieht endlich mal das Tempo an, die Verschwörungen werden packender und das Ende setzt einen gut platzierten Knall. Mission Cliffhanger erfüllt, kann man da nur sagen die Vorfreude auf Season 4 wurde jedenfalls gekitzelt.
7/10
Season 4
erstmals veröffentlicht: 11.05.2013
Beste Staffel so far - endlich geht es mal richtig ab, eigentlich schon so extrem, dass man fast befürchten müsste, dass es keine fünfte Staffel mehr geben kann, weil sich die Ereignisse so stark aufschaukeln. Vom zwischenzeitlichen Soap-Flair der ersten Staffeln keine Spur mehr, gerade in der zweiten Hälfte blühen folgenweise Cliffhanger auf, wie man sie auch für ein Staffelfinale als würdig erwiesen hätte. Auch vom anfänglichen Einwand der Kritiker, die Serie würde die Machenschaften der Biker verherrlichen, bleibt nicht viel übrig, denn hier wird gezeigt, wie sich ein Club von innen heraus selbst zerfleischt.
8/10
Season 5
erstmals veröffentlicht: 03.01.2014
„Sons Of Anarchy“ hat sich zu einer der besten Dramaserien der Gegenwart gemausert. Rückblickend erscheinen selbst die Soap-Anteile aus der Anfangszeit wie ein notwendiges dramaturgisches Mittel – einmal mehr ein Beweis, dass Sendeanstalten auf den Langzeiteffekt vertrauen und einer Serie die nötige Zeit zur Entfaltung geben sollten. Der vermeintliche Seelenfrieden, der einige Zuschauer nach ein paar Folgen der ersten Staffel zu dem Fehlurteil führte, die Serie verherrliche das Leben in einer Motorradgang, ist natürlich längst in Trümmern, und die fünfte Staffel erzählt vom Umgang der Figuren mit den lebensbedrohlichen Verletzungen, die der Club vor allem sich selbst von innen heraus zugefügt hat. Neue Darsteller wie Jimmy Smits werden sinnvoll integriert, alte entwickeln sich in unvorhergesehene Richtungen oder werden auch einfach mal erbarmungslos geopfert, und dies auf drastische Art und Weise. In jeder Folge aber ist ein Gefühl der Erleichterung vorherrschend, dass man selbst nicht in der Haut der Figuren steckt, die auf dem Bildschirm einen knallharten Überlebenskampf führen müssen. Großartig.
9/10
Season 6
erstmals veröffentlicht: 10.05.2015
In der sechsten Staffel hat der Klub längst mit den Spätfolgen der Selbstzerfleischung zu kämpfen, was deutlich auf das baldige Ende der Serie hindeutet. Die Charaktere befinden sich zunehmend im Loyalitätskonflikt zwischen Klub und Einzelfreundschaften. Unterschwellige Feindschaften brechen gemächlich auf, kleine Momente des Glücks werden gnadenlos von irrsinnig mächtigen Fluten der Wut, Angst und Verzweiflung überrollt.
Das exzessiv praktizierte „Männerkuscheln“ in Form pathetischer Liebesbekundungen bekommt somit eine immer dominanter werdende zweite Lesart. Für den Zuschauer sollte es längst klar geworden sein, doch selbst die Mitglieder von SAMCRO müssen sich langsam die Frage stellen: Rechtfertigen die auch in dieser Staffel wieder radikalen Geschehnisse eine Bruderschaft wie die „Sons Of Anarchy“?
Ungebrochen stellt die Bikerserie diesen Umschwung auf charakterlicher Ebene kongenial dar. Das ambivalente Verhalten der Figuren mündet letztlich in zwangsläufige Entscheidungen, deren Ausgang sich immer wieder der Kontrolle der Handelnden entzieht, was den Einfluss des Klubs unverkennbar im Raum stehen lässt. Was in der Anlage so erstrebenswert wirken mag, eine bedingungslos loyale Familie aus Gleichgesinnten um sich zu haben, verdrehen die Macher ins Gegenteil und untermauern damit, dass Intensität auch gefährlich werden kann, wenn sie in zu hoher Konzentration vorkommt. Eine immer noch absolut glaubwürdige Serie, die noch vollständig im dramaturgischen Bogen schwingt und ihr Ende eine Staffel später genau zum richtigen Zeitpunkt zu finden scheint.
9/10
Season 7
erstmals veröffentlicht: 31.05.2015
Die Katze aus dem Sack zu lassen, ist eine Sache; sie wieder einzufangen und den Sack zu schließen eine andere. Showrunner Kurt Sutter hat in der siebten Staffel viel Zeit, das zu aufzulösen, was zum Ende der Vorgängerstaffel geschehen ist. Und diese Zeit nutzt er mit einer Unmenge an Ereignissen, die sich gegenseitig beeinflussen.
So muss sich die Bikerserie in ihrem letzten Jahr mit einem Storykomplex befassen, der irreversibel auf eine Katastrophe hindeutet, aber zunächst einmal vor der Hauptfigur noch im Verborgenen liegt. Diese Figur, und das erweist sich für den Spannungsbogen als elementar, verkörpert in einem widersprüchlichen Dualismus gleichermaßen Aufrichtigkeit und Kriminalität, einen Willen zum Guten und den Hang zu negativen Taten, Führungsqualitäten und verblendende Emotionalität. Solange also Jax Teller nicht über jene Details Bescheid weiß, die praktisch jeden Handlungsstrang direkt oder indirekt beeinflussen, hält die Serie meisterhaft ihren Suspense. Sie vollbringt gerade jetzt Großes dabei, jede Aktion des Clubs oder ihrer Mitglieder mittel- oder unmittelbar auf das Season-6-Finale zurückzuführen, was verhindert, dass allzu viele voneinander unabhängige Subplots ausgestreut werden, die am Ende nicht mehr zusammengeführt werden können.
Und doch ist das (wenn auch mitunter folgerichtige) Serienfinale nicht der befriedigende Abschluss, der er hätte sein können. Schon früh gehen die Drehbücher auf Rampage-Modus, lassen die Klub-Mitglieder fast schon beliebig Konkurrenten und auch Verbündete über den Haufen schießen. Tote häufen sich in jeder Folge, auch die eigenen Reihen werden weiter stark ausgedünnt, wenn nicht innerhalb von offenen Bandenkriegen, dann durch Verrat. Unregelmäßig wiederkehrende Randfiguren wie jene von Walton Goggins (großartig) wirken dem positiv entgegen, da sie trotz allem eine gewisse Kontinuität suggerieren, der Einbau immer neuer Schauspieler allerdings (in der aktuellen Staffel u.a. Annabeth Gish, Mathew St. Patrick, Courtney Love, Michael Chiklis oder Malcolm Jamal-Warner) wirkt am Ende wie schnelles Nachliefern von Frischfleisch.
In Folge dieser Dezimierung und Wiederaufstockung des Casts stumpft man längst ab, bevor das Finale reinen Tisch macht und ein letztes Mal auf die ebenfalls allzu häufig gebrauchte Pathos-Tube drückt. In der Gesamtaussage gehen die letzten beiden Episoden daher zwar in Ordnung und entsprechen im Großen und Ganzen auch dem Profil der Betroffenen, der Weg dorthin führt allerdings am Ende doch noch über Szenen, die zurechtgelegt erscheinen.
Dennoch in der Endabrechnung vielleicht eine der zehn besten Dramaserien, seit „Die Sopranos“ und „Six Feet Under“ den Reigen einst eröffneten.
7.5/10