Der Film "The Informers" basiert auf Kurzgeschichten von Brad Easton Ellis, die er vor "American Psycho" verfasst hatte. Das Geschehen spielt 1983 in Los Angeles, hauptsächlich (bis auf ein Erzählstrang) in der Welt der Reichen und Schönen (Film- und Musikproduzenten, Musiker, TV-Moderatoren) und schildert eine dekadente Welt voller Exzesse, Drogen, Sex bei gleichzeitiger völliger emotionaler und seelischer Einsamkeit.
Kein wirklich neues Thema also, aber zumindest ist der Film unterhaltsam und gut gemacht. Die 80er erscheinen als hedonistisches und exzessives Jahrzehnt und nicht als spaßige oder groteske Nummernrevue mit Schulterpolstern und Marmorjeans.
Am Anfang habe ich mich gefragt, warum der Film ausgerechnet dann spielt, aber in der Nachbetrachtung ergibt es durchaus Sinn, ihn dann spielen zu lassen und ihn nicht in die Gegenwart zu setzen. Immer wieder wird auf Ronald Reagan verwiesen, dessen Amtszeit ja geprägt war von einem wild wuchernden Kapitalismus, von Profitgier und Maßlosigkeit. Diese Maßlosigkeit bricht den Beteiligten hier zumindest emotional das Genick. Aber dazu später mehr…
Dem Film des australischen Regisseurs Gregor Jordan (mit deutscher Finanzbeteiligung!) war kein großer Erfolg beschieden (und bekam oft miese Kritiken) und irgendwie wird man auch das Gefühl nicht los, dass Szenen fehlen, dass irgendwo ein längerer Director's Cut wartet. Die Geschichten drehen sich hauptsächlich um den reichen, jungen Graham, sein Leben, seine Partnerin Christie, seine dysfunktionalen Eltern, seine oberflächlichen Freunde. Einzig die Episode um seinen Portier Jack (Brad Renfros letzte Rolle) weicht etwas ab. Jack sieht Graham nur ein einziges Mal und man erfährt dennoch seine Verwicklung in einen bizarren Entführungsfall. Jordans Erzählen bleibt stellenweise merkwürdig inkohärent und stückelig, aber vielleicht musste er auch einiges fürs prüde US-Publikum rauskürzen. Es werden nämlich viel Drogen konsumiert, jeder schläft mit jedem und erinnert alles eher ans alte Rom und Caligula.
Die Schauspieler sind z. T. sehr namhaft, z.B. Kim Basinger und Billy Bob Thornton als seine Eltern, Wynona Ryder, Mickey Rourke, Amber Heard etc.
Besonders von Letzterer war ich mehr als angenehm überrascht. Dass sie wunderschön ist, weiß man(n) ja, aber in ihrer Rolle als Christie, die promiske Freundin von Graham, ist sie (für mich) der tragischste Teil dieser Geschichte. Sie ist ständig auf der Suche nach Exzessen, betrügt Graham, aber dennoch verachtet man sie nicht, man fühlt sogar etwas mit ihr und ihr Schicksal am Ende ist traurig. Ihr Schicksal besiegelt in gewisser Weise das Ende dieser hedonistischen, egozentrischen Exzesse, ihre Suche nach flüchtigem Glück führt zum Abgrund und wird den Anderen wohl auch das Genick brechen.
Und all dies schafft Amber Heard glaubhaft darzustellen (dass sie in dem Großteil ihrer Szenen fast immer nackt ist, erfreut das wunde Auge, aber es wäre auch zu lächerlich, wenn sie dann mit BH oder Laken rumgerannt wäre). Coole und mutige Leistung!!!!!!!!
Ich bin gespannt, ob der Film hier jemals erscheint, wenn ja, dann hoffentlich in der vielleicht existierenden "zügellosen" Version, die wir dekadenten Europäer vertragen können. Der Film ist wahrlich keine Offenbarung, aber sicherlich unverdientermaßen ein Flop beim Publikum und der Kritik. Und wer Amber mag, kommt daran eh nicht vorbei. Eine knappe 7 von mir.