Form: 2+
Inhalt: hat teilgenommen
...wäre vielleicht die Wertung im Halbjahreszeugnis."Squalid" (dt.: schmutzig, armselig) kommt pompös daher und beeindruckt von der ersten Sekunde mit seinen düsteren Bildern, dem caligaristischen Setdesign und der unheilschwangeren, atmosphärisch dichten Geräuschkulisse; und so fällt es auch nicht schwer, sich auf die Welt der drei Hauptfiguren und ihre Probleme einzulassen.
Dass es sich hier um einen No-Budget-Film mit einem Gesamtgewicht von gerademal knapp 7000€ handelt, möchte man kaum glauben, denn der formale Rahmen ist überzeugend. Kamera und Schnitt arbeiten Hand in Hand, der Rhythmus ist stimmig, die digitalen Effekte sind überzeugend, wenn auch sicherlich nicht Jedermanns Sache und die Musik ist sowohl thematisch passend als auch melodisch und funktioniert ohne Weiteres auch ohne den Film.
Die Hauptdarsteller Ivo Sachs und Lilith Rudhart legen ihre Rollen sehr theatralisch an, was dem Ambiente und der expressionistischen Bildgestaltung in vielen Momenten entspricht. Auch das ist natürlich Geschmackssache und kann für Zuschauer, die auf realistische Darstellung mit subtil verwandelten Untertönen Wert legen, bisweilen ermüdend Wirken.
Dritter im Bunde ist der gestandene Bühnen- und Filmschauspieler Christian Wewerka, dessen Spiel man nur im besten Sinne des Wortes als routiniert bezeichnen kann. Angenehm zurückhaltend, stimmlich präsent und dabei gut ins Licht gesetzt, durchquert er jeden seiner wenigen Auftritte souverän und verleiht seiner Rolle dabei bis zum Schluss einen eigenwilligen Charme.
Leider ruht sich der Film bisweilen zu sehr auf den oben genannten, gestalterischen Elementen aus und ergibt sich der Sicherheit einer teils für das Thema zu klassischen Erzählstruktur. Zu oft hockt man mit Simon in dessen Zimmer und hofft auf jene fantastischen Begebenheiten, die die Gestaltung seiner "Zelle" verspricht. Manche Pausen, die wohl dazu dienen sollen, tiefe Einblicke in die handelnden Charaktere zu erlangen, fallen zu lang aus und lassen letztlich die Darstellung ungelenkt und - was viel schlimmer ist - undefiniert wirken. Außerdem wünscht man sich mehr Schwerpunkte, die der Erzählung den Gleichmut rauben.
Über vieles kann man hinwegsehen, denn der Film ist eben speziell und kann - das wiederum ist eindeutig positiv zu bewerten - nicht jedem gefallen. Anders gesagt: dieser Streifen läuft keinem Massenpublikum hinterher, für dass er sich weichspühlen lassen und verbiegen müsste. Um das Ende des Films ist es meiner Meinung nach allerdings wirklich schade, denn es verpufft ohne Spuren zu hinterlassen und lässt sicher manchen Zuschauer mit der Frage zurück, was der ganze Spuk denn nun eigentlich soll, was witzig wäre, wenn es sich hier um eine Geschichte aus der Serie „X-Faktor - Das Unfassbare" handeln und Jonathan Frakes uns abschließend fragen würde, was den nun Traum und Wirklichkeit gewesen sein könnte. Leider wird einem selbst das verwehrt. So rasant, wie die Handlung auf den Spannungshöhepunkt zusteuert, so klassisch und überraschungsarm tut sie es auch. Während die Darsteller mit Inbrunst versuchen, ihre Rollen zum Leben zu erwecken, fährt die Kamera gegen Ende scheinbar einfach über sie hinweg. Alles scheint nebeneinander abzulaufen, sodass die Menschen hinter den Rollennamen völlig ihre Bedeutung verlieren. Dadurch bleibt beim Zuschauer kaum etwas zurück als der formale Rahmen, der auch die letzte Szene noch glattbügelt und ihrer möglichen Kraft beraubt.
Schade.
Formal aber, wie schon gesagt, durchaus überzeugend.