Review

In Oregon, so will es uns dieser TV-Film mit unmöglichem deutschen Titel glauben machen, gehört es zum guten Ton, dass Rednecks allesamt ihre Frauen misshandeln.
Bis eine Frauenrechtlerin auftaucht und eine ländliche Zuflucht (soviel zur „Luxusvilla“) für die Gepeinigten zur Verfügung stellt.
Stoff für ein unsägliches Drama, wenn es nicht zusätzlich um die Aufklärung einer Mordreihe ginge.

Hauptfigur Wendy, selbst traumatisiert vom prügelnden Schwager, den sie in Notwehr kalt stellte, wohnt erst seit einigen Monaten im ländlichsten Teil des kleinen Ortes und bietet in ihrem Haus Unterschlupf für geschlagene Ehefrauen. Doch dann wird einer der Schläger tot aufgefunden und während der Dorfsheriff bemüht ist, alles herunterzuspielen, ist Deputy Curtis von Wendys Unschuld überzeugt. Nach dem dritten Mordfall scheint allerdings alles gegen sie zu sprechen…

Da wird die geballte Ladung an Hinterwäldler-Klischees auf den Plan gerufen: Zottelige, teilweise verwahrloste Kerle gehen auf die Jagd, saufen und schlagen ihre Frauen regelmäßig blutig und das nahezu ohne Ausnahme. Der alteingesessene Sheriff nimmt es mit dem Job auch nicht so genau, da kann eine frisch aufgefundene Leiche durchaus mal bis zum nächsten Morgen am Tatort belassen werden, Fingerabdrücke scheinen eh nicht wichtig, ballistische Gutachten gab es offenbar nie.
In diesem Kaff wirkt Sozialarbeiterin Wendy fast wie ein Fremdkörper, auch wenn sie sich rein äußerlich den Gegebenheiten anpasst und den Mitbewohnerinnen Schießtraining gibt und die Lammkoteletts von Curtis zu schätzen weiß (natürlich bahnt sich da eine Romanze an).
Aber es verwundert schon, dass sich die grobschlächtigen Kerle nicht einfach ihre Frauen zurückholen, - die Unterstützung des Sheriffs wäre ihnen gewiss sicher.

Ja, der Dramenanteil weiß mit seiner Einfältigkeit schon ordentlich zu nerven (auch weil die Synchro streckenweise furchtbar klingt), doch glücklicherweise bringen ein paar Morde die Krimi-Elemente rasch zum tragen. Obgleich Wendy lange Zeit die einzige Verdächtige ist, kommen doch noch ein paar Kniffe und Wendungen hinzu, die zwar nicht sonderlich überraschend ausfallen, die Handlung aber über weite Strecken unterhaltsam, phasenweise sogar spannend gestalten.
Nachdem drei Peiniger bereits den Löffel abgaben, liegt die Sache scheinbar klar auf der Hand, doch da gibt es noch ein Geheimnis um einen Jungen, der während einer Jagd einem scheinbaren Unfall zum Opfer fiel, genauso, wie einer der Peiniger untergetaucht ist und ein Motiv hätte, Wendy die Taten in die Schuhe zu schieben.
Das Skript ist beileibe nicht originell, aber geradlinig genug ausgearbeitet, um auf anspruchsloser Ebene zu überzeugen.

Ähnlich verhält es sich mit der Inszenierung, denn da sticht kaum etwas ins Auge, außer der hellen, spätsommerlich wirkenden Farbgebung, die dem Ganzen, musikalisch untermalt von Cajun-Gitarren-Blues-Klängen, eine leichte Südstaaten-Atmosphäre verleit.
Die Darsteller bringen größtenteils Erfahrungen aus dem Serien-Bereich mit und agieren entsprechend solide, wenn auch nicht überragend.
Bezeichnende Qualität für einen schnörkellosen TV-Film.

Und als solchen sollte man diesen Krimi mit Dramen-Anteilen auch betrachten. Die Fülle an Klischees fällt nach einer Weile nicht mehr ganz so arg ins Gewicht und man kann sich mit dem Geplänkel zwischen den Gesetzeshütern und der Aufklärung einiger Morde auseinandersetzen, während man(n) die übermäßig feministischen Anteile besser nicht zu ernst nimmt.
Anspruchslose, aber zumindest flott erzählte Kost für Nebenher,
5 von 10

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