Holzsplitter im Fleisch
Polly und Seth (Paulo Constanzo aus „Road Trip“ und Jill Wagner aus der TV-Serie „Blade“), ein typisches Großstadtpaar, verbringen ihr gemeinsames Wochenende mit einem Campingurlaub am Land. Nachdem etliche Versuche das gemeinsame Zelt aufzustellen scheitern, werden sie am Weg zu einem Motel von einem Gangsterpärchen entführt. Noch bevor die ersten Meinungsverschiedenheiten im Keim erstickt werden können läuft den beiden ungleichen Paaren auch schon ein Tier vor das Auto und zwingt sie somit, eine nahegelegene Tankstelle anzusteuern. Dort angekommen finden die vier an Stelle eines Tankwarts jedoch höchst aggressive, parasitenbefallene Angreifer vor und ziehen sich ins Innere der Tankstelle zurück. Eine Flucht scheint aussichtslos.
Viele Horrorfans werden beim Lesen dieser Zeilen aufstöhnen und dutzende Filme mit ähnlicher Ausgangssituation (die typische Backwoods-Grundthematik einmal ganz außen vor gelassen) vor ihrem geistigen Auge ablaufen sehen - ob das jetzt neuere Filme über Parasitenbefall wie „Slither“ und „Alien Raiders“ sind oder Klassiker des Genres wie „Faculty“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ sei dahin gestellt. Regisseur Toby Wilkins (demnächst „The Grudge 3“) hat dem typischen Grundgerüst jedoch eine fiese und gleichzeitig innovative Bedrohung hinzugefügt, die den Film vom Gros ähnlicher Produktionen zumindest partiell abhebt. „Splinter“ (= Holzsplitter) bietet nämlich ein nettes Gimmick, dass durchaus interessant anzusehen ist. Der parasitäre Befall äußert sich durch höchst infektiöse, stachlige Auswüchse auf der Haut der Opfer und die Tatsache, dass auch abgehackte Hände, Arme und Oberkörper noch munter weiter attackieren können. Auch vermeintlich tote Gefährten sind somit dank integriertem Wärmedetektor und mit, in die unmöglichsten und falschesten Positionen verrenkten, Gliedmaßen und Organen eine Gefahr für Leib und Leben.
Gerade diese Special Effects sind, trotz eines erkennbar geringen Budgets, die große Stärke von „Splinter“. Die Stacheln sehen genial aus, die Bluteffekte sind Top und die Bewegungen der furchtbar missgestalteten Infizierten und eines aus verschiedenen Teilen (falsch) zusammengesetzten Endgegners sehen beängstigend gut aus. Leider hat Wilkins sich offensichtlich zu viele Filme neueren Datums angesehen, da er wie viele seiner Kollegen dem Glauben erlegen ist, dass Spannung ausschließlich mit mehreren 100 Schnitten die Minute und einer spastischen Kameraführung erzeugt werden kann.
Die Splattereinlagen sind erste Sahne und vor allem eine Amputation, eine Körperteilung und der Versuch mit dem Kopf durch eine Plexiglas-Scheibe zu kommen stechen dabei angenehm blutig hervor. Leider begrenzt eine viel zu geringe Anzahl an Opfern und wirklichen Überraschungsmomenten den Unterhaltungswert des Streifens etwas und einige zu dialoglastige Stellen sorgen für eine unpassende Entschleunigung des Films. Toby Wilkins ist es mit „Splinter“ folglich zwar gelungen einem ausgelutschten Thema noch neue Facetten abzugewinnen nicht aber sich ganz vom Schema F zu lösen. Die Darsteller spielen ihre Rollen durch die Bank hinweg ordentlich, bekommen aber vom vorhersehbaren und einfach gestrickten Drehbuch auch nicht wirklich viel zu tun.
Fazit
„Splinter“ von Toby Wilkins, der bisher hauptsächlich im Special Effects Bereich gearbeitet hat, ist ein unterhaltsamer B-Horrorfilm im Stile von „Feast“ und „Slither“ und eignet sich dank seiner stringenten Erzählweise und der einfachen, um nicht zu sagen vorhersehbaren Story, ideal als Einstiegsfilm für einen längeren Filmmarathon. Ob als Einleitung einer Horrornacht oder (wie in meinem Fall) als erster Film eines Festivals (FFF Nights 2009) ist hierbei nicht von Belang. Splatter, gute Effekte und kurze Laufzeit lassen nahezu keine Langweile aufkommen.