Wenn Genremagazine wie die „Deadline“ Filme wie „Splinter“ zur Titelstory machen, dann hat man entweder einen veritablen Geheimtipp zur Hand oder der entsprechende Verleih hat auf die alte Mixtur aus Druck und Geschenken zurückgegriffen.
Angesichts des finalen Produkts des Regisseur Toby Wilkins bin ich eher geneigt, der zweiten Variante mein Vertrauen zu schenken, denn hier ist weder etwas innovativ, noch heiß, noch interessant oder sonstwie beachtenswert.
Willkommen beim Kammerspiel des Debutfilms. Diesmal der Hauptdarsteller: ein seltsamer Organismus, der sich durch Berührung/Eindringen in den Körper verbreitet und fortpflanzt und Kontrolle über selbigen gewinnt, auch noch nach dem Tod. Invasion von der Wega? Nein, das Zeug wächst im Wald – Zecken sind also doch nicht das Schlimmste, was man sich beim Wandern holen kann.
Auftritt der mitspielenden Bridgerunde (binnen 20 Minuten: Skat): ein ungleiches junges Pärchen (er Wissenschaftler, sie sportliches Blondchen mit Grips) stolpern bei der Landpartie über einen Kriminellen und seine angedrogte Uschi und werden kurzerhand gekidnappt, was aber nicht lange gut geht, weil man mittels des Autos ein Tierchen plattmacht, das den Virus gar flott in die Gruppe bringt. Ein Trip zur nächsten Tanke, wo das Vieh schon war, bringt es an den Tag bzw. die Nacht: der Rest des Films besteht aus Cowboy und Indianer im Esso-Verkaufsraum.
Nun sind Belagerungszustände ja nun wirklich nicht das Schlimmste, wenn man an Krimi und Horror denkt, aber die drei Personen, die sich hier gegen die recht fixe Bedrohung von außen wehren müssen, sind nun nicht gerade das, was den Horrorfilmfan noch müde mit den Mundwinkeln zücken läßt.
Sicher, Wilkins hat das vermutlich alles in Handarbeit und für extrem wenig Geld gemacht und das will ich ihm auch hoch anrechnen, deswegen wird daraus bei gut 80 Minuten Lauflänge aber noch kein guter Film.
Das liegt zunächst mal an den Figuren, die Gegensätze darstellen sollen, das aber nicht transportieren können, die mäßigen bzw. eher unauffälligen Darsteller bringen leider auch kein Charisma mit. Noch schlimmer geht es mit den Dialogen, denn man wähnt sich als Zuschauer bereits nach drei Minuten unendlich weit im Informationsvorsprung und das wird dann auch leider nicht mehr aufgeholt, egal was folgt. Leider wird banales Zeug gequatscht, der Verbrecher ist viel zu nett und viel zu wenig bedrohlich, die Geiseln viel zu normal und die Infektion nach 10 Minuten gibt praktisch schon die Struktur des dann auch eintreffenden Finales vorweg.
Wenn dann wenigstens noch die Tricks das Gelbe vom Ei wären, wie o.a. Magazine so gerne zusammenschwafeln, aber nichts ist mit Schmackes und Gewürm. Stattdessen kriegen wir passabel geschminkte und animierte Leichen (oder Körperteile), die ordentlich durch die Gegend laufen und sich ununterbrochen gegen Türen und Fenster kloppen, bis alles bematscht ist. Der Organismus, der schwarze Dornen auswirft, wo immer er ausbricht, ist zwar nett, aber seine reine Form sieht man nie, denn Wilkins erliegt der Versuchung, jede Form von Action mit extremer Wackelkamera unkenntlich zu machen. So wird denn auch nie ein Schlachtfest der Gemütlichkeit draus und selbst die rabiate Armamputation hat man schmerzvoller und emotionaler (wenn auch alberner) in „Ruinen“ ähnlich gesehen.
So vergeht dann gut eine Stunde in der bösen, bösen Nacht und alles was passiert, führt einen in Versuchung mal schnell zum schnellen Vorlauf zu greifen, weil man das in Hunderten von Filmen schon gesehen hat, wie auch im hier vielzitierten „The Thing“ von Carpenter – nur eben besser und mit eigener Handschrift.
Die kann ich Wilkins nun leider nicht testieren, er mag ein passabler Handwerker sein, aber wenn das das kreative Niveau ist, wird er nie über DVD-Premieren hinaus kommen, das Ergebnis wirkt einfach bescheiden und ohne echte Ideen, wenn man mal von abgetrennten krabbelnden Fingern absieht.
Übrigens ist der Organismus eine Art Pflanze und alles spielt an einer Tanke – muß ich da noch weitere Infos bezüglich des zu erwartenden Showdowns machen? Oder bezüglich des Endgags?
Nö, ich denke nicht – „Splinter“ ist einfach ein in allen Belangen durchschnittlicher Horrorfilm aus der Billigkategorie, der durch seine konsequente Reizlosigkeit knapp unterhalb der Mittellinie durchs Ziel fährt. Am Videoabend als Dritten schauen, wenn sowieso die meisten schon schlafen. (4/10)