Nach einigen Kurzfilmen darf Toby Wilkins (The Grudge 3) mit "Splinter" seinen ersten Spielfilm inszenieren. Ein wenig erinnert er ja schon an den kurz vorher entstandenen "Alien Raiders" aus der "Raw Feed"-Reihe. Doch "Splinter" hat noch ein dickes Ass im Ärmel und zwar wurde hier fast komplett auf CGI-Effekte verzichtet, während man dafür starke Einbußen bei der Story hinnehmen muss.
Eigentlich wollten der angehende Biologe Seth Belzer (Paulo Costanzo) und seine Freundin Polly Watt (Jill Wagner) campen gehen, doch da der Aufbau des Zeltes in die Hose geht, entscheidet man sich doch für eine Unterkunft. Ein großer Fehler, denn unterwegs werden sie vom Knacki Dennis Farell (Shea Whigham) und seiner Junkiebraut Lacey (Rachel Kerbs) überfallen. Wegen eines defekten Kühlers landet das Quartett bald an einer abgelegenen Tankstelle. Plötzlich wird Lacey von einem stacheligen Wesen angegriffen, Seth, Polly und Dennis können sich im Laden der Tanke verschanzen. Es scheint sich dabei um einen Parasiten zu handeln, der seine Opfer in stachelige Untote verwandelt, die sich von Menschenblut ernähren. Eine Flucht scheint unmöglich und auch Dennis ist bereits infiziert.
Über die Story sollte man sich wirklich keine Gedanken machen, denn es herrscht Erklärungsmangel. Wo dieses seltsame Wesen herkommt und was es ist, bleibt unserer Vorstellungskraft überlassen, zumindest darf es noch während der Titelmelodie einen Tankwart anfallen und diesen blutig zerfleischen. Dann lernen wir mit Seth und Polly unsere beiden Hauptcharaktere kennen. Die Beiden harmonieren gut miteinander, so bleiben dem Zuschauer lästige Streitszenen erspart. Beim Aufbau des Zeltes stellt man sich allerdings wirklich sehr blöde an, doch sonst wären die Beiden ja nie an der Horrortanke gelandet. Wilkins erzählt seinen mauen und überraschungslosen Plot immerhin mit ordentlich Tempo, es dauert wahrlich nicht lange bis sich Seth und Polly in der Gewalt von Dennis und der drogensüchtigen Lacey befinden. Schließlich überfährt man auf der Strasse noch irgendein Tier, ratet mal welches, was bald zu einem kochenden Kühler führt, eine Tankstelle mitten im Wald scheint die Rettung. Doch man macht schnell Bekanntschaft mit Tankwart Blake (Charles Baker), der als mutierter Stachelzombie gleich zum Angriff bläst. Also verschanzt man sich im Laden, während die infizierten Stachelmonster draußen die Stellung halten.
"Splinter" hält wirklich einige fiese Effekte bereit, besonders die Knochenbrüche und Verrenkungen der Opfer schauen scheußlich aus. Leider ist nicht immer viel zu erkennen, denn sobald es zur Sache geht kommt die Wackelkamera zum Einsatz. Und das dermaßen intensiv, dass man sich die Mühe mit den handemade Effekten hätte sparen können. So bekommt man die vom Parasit befallenen Menschen nie ganz zu Gesicht, recht blutig fällt nur der Mord an der Polizistin aus, welche in zwei Hälften zerissen wird. Aber der Überlebenskampf darf ziemlich drastisch ausfallen, man versucht Feuer zu legen, zum Auto zu kommen und erwehrt sich mit allen Gegenständen seiner Haut, die man finden kann. Selbst die abgerissenen Körperteile der Infizierten greifen noch an und nur ein Stich mit einem Stachel, schon ist der Parasit im menschlichen Körper. Dies passiert Dennis, dem man schließlich noch den Arm abhackt, um die Infektion einzudämmen. Hier passiert ständig etwas, so bleibt die Spannung stets auf gutem Niveau. Doch das komplette Fehlen einer Erklärung fällt schon negativ ins Gewicht, mit Seth und Polly kann sich der Zuschauer immerhin arrangieren. Die Darsteller machen ihren Job auch ordentlich.
Temporeich in Szene gesetzter Belagerungshorror, leider nach Schema F, desweiteren fehlt jegliche Erklärung. Die scheußlich blutigen Effekte sind größtenteils durch die Wackelkamera zu Nichte gemacht worden, besonders schade, da Wilkins auf CGI verzichtet. Hier hätte man wesentlich mehr rausholen können, denn die zahlreichen Defizite schlagen negativ zu Buche, im Endeffekt bleibt höchstens durchschnittliche Genrekost.