Tom Cruise spielt den Sportagenten Jerry Maguire, der eine Richtlinie verfasst, nach der seine Agentur, die Sportler managt, weniger Klienten übernehmen sollte, um eine persönlichere Betreuung zu garantieren. Infolge dessen wird er gefeuert und nur eine einzige Mitarbeiterin, gespielt von Renee Zellweger und ein einziger Klient, gespielt von Cuba Gooding jr. bleiben ihm treu. Cruise steht wieder am Anfang.
Wurde ja mal Zeit, dass Hollywood endlich noch einmal eine Komödie mit einer einigermaßen ordentlichen Story auf die Beine stellt und nicht nur auf die stereotypen Muster des Genres setzt. Auch wenn die Love-Story von Cruise und Zellweger von Anfang an vorherzusehen ist, kann der Film trotzdem stellenweise überraschen. Darüber hinaus gefällt mir persönlich sehr, dass sich der Film im Gegensatz zu anderen Werken des Genres nicht nur mit einem Handlungsstrang beschäftigt, sondern mehrere zu einer ordentlichen Story zusammenknüpft. Nebenbei behält der Film nämlich stehts die Beziehung zwischen Cruise und seinem Klienten im Auge und veranschaulicht damit Cruise` Thesen zur persönlicheren Beratung. Sogar die Charakterkonstruktion ist ordentlich gelungen und entspricht nicht ausschließlich dem Klischee. Außerdem erspart der Film einem glücklicherweise im Großen und Ganzen die hohe Naivität, die andere Komödien dieser Art mit sich bringen und behält die ganze Zeit über einen gewissen ernst, wobei das Happy End natürlich nicht fehlen darf, zumal man sich als Zuschauer die ganze Zeit schon insgeheim darauf gefreut hat.
Die Charaktere sind sehr liebenswert, genauso, wie die Story, die sehr herzlich und liebevoll gemacht ist. Und genauso ist auch die Umsetzung von Regisseur Cameron Crowe, der mit "Ich glaub, ich steh im Wald" bereits Erfahrungen im Komödien-Genre sammeln konnte. Er setzt den Film überaus liebenswert um und kann damit die meiste Zeit über eine geborgene Atmosphäre halten, die man von Filmen dieser Art erwartet. Dennoch konzentriert er sich nebenbei auf das Business, auch wenn der Sarkasmus dabei leider sehr kurz kommt. Dafür konzentriert er auf die Persönlichkeit von Cruise, die sich im Laufe des Films mehr und mehr verändert. Der Film ist von Anfang bis Ende unterhaltsam und erfüllt damit seinen Zweck.
Auch der Humor ist Klasse. Crowe setzt nicht auf billigen Slapstick, sondern auf einen gesunden und überaus amüsanten Wortwitz, wie man ihn beispielsweise von Woody Allen kennt. Die Gags sind gut dosiert und gestalten den Film damit einerseits amüsant, lassen ihn aber andererseits zu keinem Zeitpunkt zu einer niveaulosen Komödie abgleiten, die mit aller Macht lustig sein will. Das Außergewöhnliche an "Jerry Maguire" ist, dass er den schmalen Grat zwischen Business-Drama, Komödie, Liebesfilm und Sportfilm meistern kann und damit wesentlich mehr Handlung liefert als viele andere Komödien, ohne, dass der Humor oder der Unterhaltungswert darunter leiden muss. Genug des Lobes, denn was mit persönlich nicht so gut gefällt ist, dass der Film zwar nicht kurzweilig ist, dafür aber im zweiten Teil über längere Strecken auf der Stelle tritt, da das ewige Auf und Ab in der Beziehung von Cruise und Zellweger irgendwann zu nerven beginnt, genauso, wie die, sich ständig zu wiederholen scheinenden Dialoge von Cruise und Gooding jr, aber diese kurze Monotonie lässt sich verschmerzen. Außerdem wird die Atmosphäre vor allem beim Happy End, unterstützt durch die getragene Musik ein bisschen zu wohlig und gemütlich, beinahe schon kitschig, ich finde nicht, dass man so dick hätte auftragen müssen.
Tom Cruise tut natürlich mal wieder alles für sein Sunnyboy-Image, dass er mit "Collateral", "Last Samurai" und "Von Löwen und Lämmern" immer noch nicht so ganz abschütteln konnte und präsentiert sich einmal mehr in einer überaus sympathischen Rolle, die er aber entsprechend meistern kann. Er ist mal wieder sehr locker und passt hervorragend in diese Rolle und rechtfertigt damit seine Oscar-Nominierung. Renee Zellweger darf einmal mehr in die Rolle einer tollpatschigen, aber herzlichen Frau schlüpfen und präsentiert sich in einer ihrer ersten Rollen überaus stark und sympathisch. Darüber hinaus harmoniert die Oscar-Preisträgerin hervorragend mit Tom Cruise und konnte diese Rolle in den "Bridget Jones"-Filmen sogar noch verfeinern. Cuba Gooding jr., der für seine Darstellung des überaus launischen, gesprächigen und amüsanten Football-Spielers seinen Oscar in Empfang nehmen konnte, liefert die meisten lustigen Momente des Films, zeigt aber auch in den ernsteren Momenten sein Talent. Schade, dass er seit Jahren auf dem besten Weg ist, seine Karriere zu verpfuschen. Auch die übrigen Darsteller leisten gute Arbeit.
Fazit:
Mit einer überraschend guten Story und einem Ansatz von Tiefe übertrifft "Jerry Maguire" die Erwartungen und ist damit auf jeden Fall eine überdurchschnittliche und empfehlenswerte Komödie. Mit einer überaus angenehmen Atmosphäre, hervorragenden und sympathischen Darstellern und einem amüsanten Wortwitz, schießt der Film über das Mittelmaß hinaus, auch wenn er stellenweise auf der Stelle tritt und vor allem zum Ende hin ein bisschen zu vorhersehbar ist.